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Ärzteschaft

Nuklearmediziner erwarten mehr Schilddrüsen­krebs-Diagnosen

Montag, 20. Juli 2015

Berlin – Die Diagnosen von bösartigem Schilddrüsenkrebs steigen in den Industrie­ländern an, vor allem bei Frauen. „Neben Tumoren der Brust wird sich das Schild­drüsenkarzinom demnach in den nächsten fünf Jahren zu den am schnellsten wachsenden Krebserkrankungen bei jüngeren Frauen entwickeln“, hieß es aus dem Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner (BDN). So wurden 2013 hierzulande 4.200 Frauen registriert, die neu am Schilddrüsenkarzinom erkrankten, im Jahr 2000 waren es 2.700.

Welche Ursachen die Zunahme hat, ist laut dem BDN nicht vollständig geklärt. „Zwar gab es einen regionalen und zeitlich begrenzten Anstieg der Erkrankungsraten im Umkreis der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, dies erklärt aber nicht den weltweiten Anstieg“, sagte Matthias Schmidt, BDN-Experte und Nuklearmediziner an der Universitätsklinik Köln. Möglicherweise sei die steigende Zahl der Diagnosen auf eine verbesserte Ultraschall-Diagnostik zurückzuführen, die helfe, tumorverdächtige Knoten frühzeitig zu erkennen, so Schmidt.

Der Verband weist daraufhin, dass eine Kombination aus Operation plus Radiojod­therapie sehr gute Heilungschancen bei Schilddrüsenkrebs eröffne. Bei diesem Behandlungskonzept wird zunächst die Schilddrüse chirurgisch entfernt. „Ein kleiner Rest von Schilddrüsengewebe verbleibt aber trotz Operation fast immer“, berichtet Schmidt. Die nachfolgende Bestrahlung mit radioaktivem Iod beseitige dann die Restzellen.

Derart behandelt, dürften Patienten mit einer normalen Lebenserwartung rechnen – das zeigten aktuelle Daten über einen Beobachtungszeitraum von dreißig Jahren, die am Universitätsklinikum Würzburg gesammelt wurden. Der Krebs kehrt nur bei weniger als fünf Prozent zurück. „Damit erreichen die Patienten eine Lebenserwartung, die mit der gesunder Menschen vergleichbar ist“, betonte Schmidt. © hil/aerzteblatt.de

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