NewsMedizinDie unterschiedlichen Funktionen von Gamma-Amino­buttersäure in der Hirnentwicklung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Die unterschiedlichen Funktionen von Gamma-Amino­buttersäure in der Hirnentwicklung

Dienstag, 21. Juli 2015

Jena/Tübingen – Die Funktion des Neurotransmitters Gamma-Aminobuttersäure (GABA) im lebenden Organismus gemessen haben Wissenschaftler aus Jena und Tübingen. Sie belegen, dass der im erwachsenen Gehirn hemmend wirkende Botenstoff die unreifen Nervenzellen in der frühen Hirnentwicklung aktiviert. Auf Netzwerkebene wirke GABA jedoch von Beginn an hemmend und schütze so das sich entwickelnde Gehirn vor überschießender Spontanaktivität, berichtet die Arbeitsgruppe in Nature Commu­nications (doi:10.1038/ncomms8750).

Die Neurowissenschaftler waren sich bislang nicht einig: Ändert sich der Wirkungs­charakter des Botenstoffes GABA mit der Reifung des Gehirns? Neben Erklärungs­modellen, warum und wie sich diese Wirkung umkehrt, gab es auch Zweifel, ob dem wirklich so ist, stammen die bisherigen Ergebnisse laut der Arbeitsgruppe doch überwiegend aus Messungen an Hirnschnitten.

Knut Kirmse und Knut Holthoff von der Klinik für Neurologie des Uniklinikums Jena konnten diese Zweifel jetzt nach eigenen Angaben ausräumen. Zusammen mit Wissenschaftlern der Universität Tübingen untersuchten sie mittels spezieller Kalzium-Bildgebungstechniken sowie elektrophysiologischer Messungen die Signalprozesse in der Sehrinde von drei bis vier Tage alten Mäusen. „Damit konnten wir erstmals die depolarisierende, also aktivierende Wirkung von GABA auf die unreifen Nervenzellen im intakten Organismus nachweisen“, erklärt Holthoff.

Anzeige

Dabei vereine der Neurotransmitter GABA zwei gegensätzliche Prinzipien: Aktivierung und Hemmung. „GABA depolarisiert zwar die Neuronen, ist aber nicht imstande Aktionspotentiale auszulösen. Auf diese Weise wird eine überbordende Netzwerkaktivität vermieden“, so der Neurobiologe. Im Netzwerkmaßstab wirke GABA also von Beginn an hemmend.

„Die jetzt von uns bestätigte unterschiedliche Wirkung von GABA auf unreife und reife Neuronen erklärt möglicherweise, warum die bei Erwachsenen hochwirksamen Epilepsie-Medikamente bei epileptischen Anfällen von Frühgeborenen wenig effektiv sind“, erläutert der Erstautor Knut Kirmse. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

16. Oktober 2019
Bonn – Eine neue Studie liefert eine mögliche Erklärung dafür, wie sich ein epileptischer Anfall über das Gehirn ausbreiten kann. Wissenschaftler aus Bonn und aus Lissabon vermuten, dass bei manchen
Störungen bei Hemm-Zellen begünstigen epileptischen Anfall
4. Oktober 2019
Grenoble – Ein allein durch Hirnsignale gesteuertes Exoskelett hat es einem an allen 4 Gliedmaßen gelähmten Mann in Frankreich erlaubt, seine Arme zu bewegen und in einem an der Decke befestigten
Exoskelett ermöglicht Patienten Bewegung trotz Tetraplegie
18. September 2019
Leipzig – Neu gelernte motorische Abläufe verfestigen sich nicht nur während des aktiven Übens und in den Pausen danach. Auch kurze Unterbrechungen während des Übens tragen bereits zur Verfestigung
Kurze Pausen helfen beim motorischen Lernen
6. September 2019
Oxford – Britische Forscher haben in einer genomweiten Assoziationsstudie 4 Genvarianten entdeckt, die zu einer Linkshändigkeit prädisponieren. Sie waren laut ihrem Bericht in Brain (2019; doi:
Linkshändigkeit: Genvarianten verändern Architektur in Sprachregionen
4. September 2019
Tübingen – Die nichtinvasiven Verfahren Elektroenzephalografie (EEG) und Magnetoenzephalographie (MEG), bei denen die Hirntätigkeit an der Kopfoberfläche gemessen wird, erfassen bei der Verarbeitung
Nichtinvasive Messverfahren geben zelluläre Vorgänge im Gehirn gut wieder
3. September 2019
Regensburg – Das menschliche Gedächtnis speichert Alltagsgeräusche offenbar sehr genau, auch wenn diese nicht im Zentrum unserer Aufmerksamkeit stehen. Das berichten Wissenschaftler um Fabian
Menschen haben sehr genaues Gedächtnis für Alltagsgeräusche
30. August 2019
San Diego – US-Forscher haben aus Stammzellen erbsengroße Organoide der menschlichen Hirnrinde im Labor gezüchtet. Laut ihrem Bericht in Cell Stem Cell (2019; doi: 10.1016/j.stem.2019.08.002)
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER