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Medizin

Bronchialkarzinom: Warum eine frühe Diagnose nicht immer hilft

Mittwoch, 22. Juli 2015

Oxford – Ungünstige Mutationen und bestimmte Aktivierungsmuster des Genoms könnten ein Grund für die unterschiedliche Überlebensrate von Lungenkrebspatienten sein, deren Tumoren in Screeningprogrammen entdeckt werden. Forscher der Oxford University und des nationalen Krebsinstituts in Mailand unterscheiden auf Grundlage der Expressions­profile zwischen zwei klinischen Risikogruppen bei Patienten mit nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinomen (NSCLC). Die Gruppe um Francesco Pezzella veröffentlichte ihre Ergebnisse in EBioMedicine (doi: 10.1016/j.ebiom.2015.07.001).

Der Nutzen eines CT-Screenings von starken Rauchern, um frühe Bronchialkarzinome zu entdecken, ist Gegenstand kontroverser Diskussionen. Während drei große europäische Studien keinen Nutzen für ein regelmäßiges CT-Screening von Rauchern feststellen konnten, zeigten in den USA das National Lung Screening Trial und eine Studie der ELCAP Group eine Reduktion der Mortalität durch regelmäßige CT-Untersuchungen. Ein Problem vieler Programme war die hohe falsch-positiv Rate der entdeckten Läsionen und die Überdetektion kleiner Tumoren, welche sich möglicherweise nie klinisch manifestiert hätten.

Einige Studien stellten fest, dass Tumoren, die in frühen Phase des Screenings entdeckt wurden, eine bessere Prognose hatten als später entdeckte Tumoren. Möglicherweise könnten aggressive Formen von Beginn an hochmaligne sein und den ungünstigen Verlauf früh festlegen. Die Forscher wollten mit ihrer Studie klären, ob sich durch Analyse der Expressionprofile der oft fehlende Nutzen der Screenings erklären lässt.

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Die Wissenschaftler nutzen Daten von 52 Patienten, bei welchen im Rahmen von zwei Screeningkohorten ein Bronchialkarzinom (NSCLC) entdeckt wurde. Sie verglichen den Zeitpunkt der Entdeckung, den klinischen Verlauf, Histopathologie und die Expressions­profile der Tumoren. Sie fanden eine Signatur aus 239 relevanten Genen, welche die Prognose beeinflussten.

Durch die spezielle Signatur konnten die Forscher zwischen zwei Risikogruppen unterscheiden, die einen ungünstigen oder günstigen Verlauf der Erkrankung zeigten. Den Forschern fiel auf, dass das Jahr der Diagnose das Expressionsprofil der Tumoren beeinflusste. Karzinome, die später im Screening entdeckt wurden, wiesen die eher ungünstigen Expressionsprofile auf. Diese Tumoren mussten während der Screeningperiode in kürzester Zeit gewachsen sein.

Die Ergebnisse könnten dafür sprechen, dass Bronchialkarzinome, die in Stadium I entdeckt werden, eine heterogene Gruppe aus hochmalignen und weniger aggressiven Tumoren darstellen. Karzinome, die in frühen Screeningphasen entdeckt werden, bestehen unter Umständen schon länger und wachsen nur langsam, vermuten die Wissenschaftler. © hil/aerzteblatt.de

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