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Medizin

Hepatitis C: Neue DAA-Kombinationen auch bei HIV-Koinfektion

Mittwoch, 22. Juli 2015

dpa

Durham/San Diego - Die Einführung von direkt antiviral wirksamen Substanzen (DAA) kann Hepatitis C-Infektion auch bei Patienten mit HIV-Koinfektion kurieren, wie zwei auf der achten IAS Conference on HIV Pathogenesis, Treatment and Prevention in Vancouver vorgestellte und im New England Journal of Medicine (NEJM) publizierte Studien zeigen. Die Therapie wirkt bei allen Genotypen. Die Mindestdauer beträgt 12 Wochen.

Die frühere Standardtherapie der Hepatitis C mit Interferon und Ribavirin, die oft über ein Jahr durchgeführt wurden, erzielten bei HIV-Patienten oft keine ausreichende Wirkung, da die Wechselwirkungen mit den antiretroviralen Wirkstoffen komplex, die Verträglichkeit gering und die Abbruchraten hoch waren. Auch die beiden ersten DAA, die NS3/4A-Inhibitoren Boceprevir und Telaprevir hätten mit Interferon kombiniert werden müssen. Sie waren in den USA nicht für HIV-Infizierte zugelassen. Erst die zweite Generation der DAA führte zu einer deutlichen Verbesserung.

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Schon die Phase 3-Studien PHOTON-1 und PHOTON-2 hatten gezeigt, dass der Polymerase-Inhibitor Sofosbuvir in Kombination mit Ribavirin bei den meisten Patienten eine SVR (sustained virological response) erzielt, bei der die Viren über das Ende der Therapie hinaus eradiziert werden. Die jetzt in Vancouver vorgestellten Studien zeigen, dass die Kombination aus zwei neuen DAA die Eradizierung beschleunigt und die SVR-Rate weiter erhöht, ohne dass es zu starken Interaktionen mit den antiretroviralen Wirkstoffen kommt, die die Behandlung früher kompliziert haben.

In der ION 4-Studie wurden 335 Patienten mit HCV-HIV-Koinfektion über 12 Wochen mit der Kombination aus Sofosbuvir plus Ledipasvir, einem NS5A-Inhibitor, behandelt. Sie ist inzwischen als Medikament zugelassen. Wie Susanna Naggie vom Duke Clinical Research Institute in Durham/North Carolina und Mitarbeiter berichten (NEJM 2015; doi: 10.1056/NEJMoa1501315), erzielten 322 der 335 Patienten (96 Prozent; 95-Prozent-Konfidenzintervall 93 bis 98 Prozent) eine SVR, wobei es kaum Unterschiede machte, ob die Patienten mit dem Genotyp 1a (SVR: 96 Prozent; 93 bis 98 Prozent), dem Genotyp 1b (SVR: 96 Prozent; 89 bis 99 Prozent) oder dem Genotyp 4 (SVR 100 Prozent; 63 bis 100 Prozent) des Hepatitis C-Virus infiziert waren.

Die Therapie war auch bei Patienten wirksam, die bereits eine Zirrhose entwickelt hatten. Von den 13 Patienten, die keine SVR erzielten, kam es bei 10 erst nach dem Ende der Therapie zum Rezidiv. Bei keinem Patienten kam es während der Behandlung mit den DAA zu einem Wiederanstieg der HIV-Konzentration. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen (25 Prozent), Müdigkeit (21 Prozent) und Durchfall (11 Prozent). Kein Patient brach die Behandlung aufgrund von Neben­wirkungen ab.

In der ALLY 2-Studie wurde Sofosbuvir mit dem NS5A-Inhibitor Daclatasvir kombiniert. Im Unterschied zur anderen Studie hatten 52 der insgesamt 203 Patienten zuvor eine (in der Regel Interferon-basierte und) erfolglose Hepatitis C-Behandlung erhalten. Dies schmälerte die Chance auf eine erfolgreiche Therapie mit Sofosbuvir plus Daclatasvir jedoch nicht. Wie David Wyles, Universität von Kalifornien in San Diego, und Mitarbeiter berichten (NEJM 2015; doi: 10.1056/NEJMoa1503153) betrug die SVR über alle Genotypen gepoolt 97,0 (91,6 bis 99,4 Prozent) für die vorbehandelten und 98,1 Prozent (89,7 bis 100 Prozent) für die nicht-vorbehandelten Patienten, wenn die Behandlungsdauer 12 Wochen betrug.

Eine Besonderheit der Studie war, dass 50 Patienten (alle ohne frühere Hepatitis C-Therapie) nur über acht Wochen mit Sofosbuvir plus Daclatasvir behandelt wurden: Dies führte zu einer SVR von nur 76 Prozent (61,8 bis 86,9 Prozent), so dass die Verkürzung der Therapie für HIV-Infizierte derzeit keine Option ist. Eine Verkürzung dürfte auch nicht notwendig sein, da die Kombination gut vertragen wurde. Die häufigsten Neben­wirkungen waren Müdigkeit, Übelkeit und Kopfschmerzen. Es gab keine Abbrüche aufgrund von Nebenwirkungen.

© rme/aerzteblatt.de

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