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Medizin

Cochrane: Eradizierung von H. pylori bacterium vermeidet Magenkrebs

Donnerstag, 23. Juli 2015

Helicobacter-pylori /Yutaka-Tsutsumi M.D

Hamilton – Eine kurze Behandlung zur Eradizierung von Helicobacter pylori kann langfristig einem Magenkarzinom vorbeugen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Meta-Analyse in der Cochrane Library (2015; doi: 10.1002/14651858.CD005583.pub2), deren Autoren Länder mit einer hohen Magenkrebs-Prävalenz zu einem Screening raten.

Infektionen mit H. pylori, das die Weltgesundheitsorganisation als Klasse I-Karzinogen einstuft, gelten als der wichtigste Risikofaktor für das Magenkarzinom. Tatsächlich korreliert in vielen Ländern die Verbreitung einer H. pylori-Infektion in der Bevölkerung mit der Inzidenz von Magenkarzinomen. In westlichen Ländern, darunter auch Deutsch­land, ist – wahrscheinlich infolge einer verbesserten Lebensmittelhygiene – die Besiedlung mit H. pylori und die Häufigkeit des Magenkarzinoms rückläufig. Weltweit ist Magenkrebs, der lange asymptomatisch bleibt und selten in einem kurativen Stadium entdeckt wird, die dritthäufigste Krebstodesursache. 

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Randomisierte Studien haben gezeigt, dass H. pylori durch die kombinierte Therapie von Antibiotika mit Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) eradiziert werden kann. Im Prinzip sollte dies einem späteren Magenkrebs vorbeugen, doch die Eradizierung ist nicht immer erfolgreich und Rezidive sind nicht ausgeschlossen. Es ist deshalb offen, ob die Behandlung das langfristige Ziel einer Magenkrebs-Prävention erzielt. 

Ein Team um Paul Moayyedi, McMaster University in Hamilton/Kanada, gibt nach einer Meta-Analyse, die die Daten aus sechs Studien mit insgesamt knapp 6.500 Teilnehmern kombiniert, eine positive Einschätzung ab. In den Studien erkrankten nach einer H. pylori-Eradizierung 51 von 3.294 (1,6 Prozent) am Magenkrebs im Vergleich zu 76 von 3.203 (2,4 Prozent) Personen, die keine Behandlung oder ein Placebo erhalten hatten. Moayyedi ermittelt eine Risk Ratio (RR) von 0,66, die bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,46 bis 0,95 statistisch signifikant war und dessen Evidenz Moayyedi mit mittelstark („moderate-quality evidence“) bewertet. Demnach würde eine Eradizierung von H. pylori das Erkrankungsrisiko um ein Drittel senken.

Ob die Eradizierung auch vor einem Ösophaguskarzinom schützt, konnte Moayyedi nicht ermitteln. Zu dieser Frage stand nur eine einzelne Studie zur Verfügung in der es unter 1.603 Patienten nur zu drei Krebserkrankungen gekommen war.

Unklar bleibt auch der Einfluss der Eradizierung auf die Zahl der Todesfälle an Magen­krebs (RR 0,67; 0,40-1,11) oder die Gesamtsterblichkeit (RR 1,09; 0,86-1,38). Da die Behandlungschancen beim Magenkrebs noch immer bescheiden sind – die relativen 5-Jahres-Überlebensraten liegen auch in Deutschland nur um 30 Prozent – gibt es derzeit – außer einem ambitionierten Screening, wie es in Japan betrieben wird – keine Alternative zu einer medikamentösen Eradizierung von H. pylori. Für Länder mit einer hohen Magenkrebs-Inzidenz könnte sich ein Screening auf H. pylori mit dem Ziel einer medikamentösen Eradizierung lohnen, meint Moayyedi.

© rme/aerzteblatt.de

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