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Politik

Debatte um Zukunft des Jenaer Zentrums für Herztrans­plantationen

Mittwoch, 22. Juli 2015

Jena - In Thüringen ist eine Debatte über die Zukunft des Jenaer Zentrums für Herztransplantationen entbrannt. Laut einem Bericht der Thüringer Allgemeinen vom Mittwoch hat sich der Vorstandschef der AOK plus, Rainer Striebel, dafür ausgesprochen, das Zentrum am Universitätsklinikum zu schließen. „Leipzig oder Berlin wären der richtige Standort für eine hoch spezialisierte Operation“, sagte er der Zeitung. Damit sorgte er nicht nur beim Uniklinikum für Irritationen. Derweil beklagte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) bei einem Besuch im Jenaer Universitätsklinikum, dass die Pflege in Krankenhäusern zunehmend auf Verschleiß gefahren werde.

Kliniksprecher Stefan Dreising sagte auf Anfrage, was der AOK-Chef fordere, schränke die wohnortnahe Versorgung und den Zugang zu innovativer Spitzenmedizin für schwer kranke Herzpatienten ein. Das Klinikum ist seinen Angaben nach das einzige Transplantationszentrum im Freistaat. Herzen werden aber relativ selten verpflanzt. Voriges Jahr gab es dort sechs Herz-, acht Lungen- und eine kombinierte Transplantation von Herz und Lunge. Erstmals war 1999 in Jena ein Herz verpflanzt worden. 

Ge­sund­heits­mi­nis­terium zeigt sich irritiert
Hintergrund der Debatte ist, dass in Thüringen an einem neuen Krankenhausplan gearbeitet wird. Das Ge­sund­heits­mi­nis­terium zeigte sich deswegen befremdet über Striebels Äußerungen. „Dass gerade die Krankenkasse, die von den Strukturen und der Ausrichtung der Gesundheitspolitik Thüringens in den vergangenen Jahren finanziell am meisten profitiert hat, selbige jetzt in dieser Art und Weise kritisiert, ist nicht nachvollziehbar“, erklärte Ministeriumssprecher Daniel Steiner. Maßstab für die Planungen sei die Qualität und Erreichbarkeit der Leistungen für die Thüringer Bürger.  Derweil ruderte der AOK-Chef zurück. Auch wenn seine Antwort missgedeutet werden könne, „sollte dies auf keinen Fall heißen, dass es in Thüringen keine Herztransplantationen mehr geben soll“. Die AOK setze sich für eine Weiterentwicklung der medizinischen Versorgung der Menschen hierzulande ein.

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Ramelow beklagt Pflegefinanzierung
Ministerpräsident Ramelow zeigte sich unterdessen nach einem Besuch am Uniklinikum beeindruckt vom Fortschritt an dem mehr als 300 Millionen Euro teuren Neubau. Die dort eingesetzten Gelder seien gut investiert, sagte er. Zudem liege der Bau im vorgesehenen Zeit- und Finanzrahmen und soll 2016 eröffnet werden. Allerdings sorge er sich um die Zukunft der Pflege in Deutschland. Selbst an einem Krankenhaus wie dem Uniklinikum gehe dies immer mehr zulasten der Mitarbeiter.

„Die Form der Pflegefinanzierung ist ein Problem in Deutschland“, sagte Ramelow. „Wir fahren hier auf Verschleiß und müssen dringend neue Konzepte finden.“ © dpa/aerzteblatt.de

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