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Ausland

Koma-Patient Vincent Lambert wird vorerst weiter ernährt

Donnerstag, 23. Juli 2015

Reims – Der Koma-Patient Vincent Lambert bleibt vorerst am Leben. Die behandelnde Ärztin Daniela Simon habe sich dazu entschlossen, einen gesetzlichen Vertreter für Lambert einzufordern, berichtet der französische Fernsehsender Europe 1. Simon sagte, unter dem derzeitigen Druck, auch durch die Eltern Lamberts, seien die nötigen Bedingungen für ein ordentliches weiteres Verfahren sowohl für den Koma-Patienten wie auch für das Pflegepersonal nicht gegeben. Das Krankenhaus wies in seiner Entscheidung darauf hin, dass man nicht an dem im Gerichtsverfahren festgestellten Gesundheitszustand Lamberts zweifle.

Lambert liegt seit einem Motorradunfall 2008 im Koma. Seine Ehefrau Rachel, ein Großteil seiner Geschwister und seine Ärzte haben sich für einen Abbruch lebensverlängernder Maßnahmen ausgesprochen. Die Eltern klagten bis vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof gegen die Entscheidung. Die Richter bestätigten Anfang Juni in ihrem Urteil die französische Rechtsprechung.

Nach dem sogenannten Leonetti-Gesetz von 2005 ist es Ärzten überlassen, die lebenserhaltenden Maßnahmen abzubrechen, wenn sich der Patient nicht mehr selbst mitteilen kann. Der Menschenrechtsgerichtshof hatte das Gesuch einer erneuten Überprüfung des Falls unter Berücksichtigung neuer Entwicklungen bei dem Patienten abgelehnt. Die behandelnde Ärztin Daniela Simon hatte die Familie daraufhin am 15. Juli zu einem Gespräch eingeladen. Sie wollte sich unter Berücksichtigung aller Ansichten eine Meinung bilden, hieß es.

Lamberts Ehefrau zeigte sich enttäuscht von der Entscheidung der Ärzte. „Ich dachte, dass Vincent endlich respektiert würde", sagte sie in Reims. „Das ist nicht der Fall und ich weiß nicht einmal, ob ich noch Hoffnung haben kann, dass er eines Tages erhört wird." Die französische Ge­sund­heits­mi­nis­terin Marisol Touraine sicherte den behandelten Ärzten ihre „volle Unterstützung" zu.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz sagte, der Fall Lambert sei ein trauriges Beispiel dafür, dass es ohne eine Patientenverfügung zu Konflikten unter Angehörigen wie Ärzten kommen könne. „Wachkomapatienten sind keine sterbenden Patienten“, sagte Vorstand Eugen Brysch. Sie müssten solange Hilfe erhalten, bis sie sterben. In Deutschland habe nur jeder Dritte seine Wünsche in einer Patientenverfügung geregelt. „Der Fall Lambert zeigt: Ohne Patientenverfügung stürzt man seine Familie, Angehörige und Ärzte in ein Dilemma“, so Brysch.  © kna/afp/aerzteblatt.de

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