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Medizin

Lösliche Ballaststoffe können Typ-1-Diabetes bei Kleinkindern nicht verhindern

Montag, 27. Juli 2015

München – Eine ballaststoffhaltige Diät – insbesondere mit einem hohen Anteil an löslichen Ballaststoffen – schützt nicht vor der Entwicklung eines Diabetes Typ 1. Das zeigen Auswertungen der internationalen sogenannten TEDDY-Studie („The Environ­mental Determinants of Diabetes in the Young“). Wissenschaftler des Instituts für Diabetesforschung und der Forschergruppe Diabetes, Helmholtz Zentrum München, analysierten dafür mehr als 17.600 Ernährungsprotokolle von über 3.300 Kindern aus Deutschland und den USA, die an der TEDDY Studie teilnahmen. Hintergrund ist die Suche nach einem Nahrungsbestandteil, der vor Typ 1 Diabetes schützen könnte. Die Studie ist im American Journal of Clinical Nutrition (doi 10.3945/ajcn.115.108159) erschienen.

Die Ernährungsprotokolle wurden in regelmäßigen Abständen geführt, als die Kinder zwischen neun und 48 Monate alt waren. Die Forscher überprüften den sogenannten Inselautoantikörper-Status der Kinder alle drei Monate. Wenn ein oder mehrere Inselautoantikörper im Blut nachweisbar sind, spricht man von einer „Inselautoimmunität“. „Bei mehreren Inselautoantikörpern entwickeln fast alle Betroffenen innerhalb von 20 Jahren einen Typ 1 Diabetes“, hieß es aus der Arbeitsgruppe.

Bei der Verdauung löslicher Ballaststoffe entstehen als Gärprodukte kurzkettige Fettsäuren, denen antientzündliche Eigenschaften zugeschrieben werden. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Ballaststoffe die Zusammensetzung der Darmflora beeinflussen. Die im Darm beheimateten Mikroorganismen wiederum interagieren mit dem Immunsystem. Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass sich das Mikrobiom von Personen mit Typ 1 Diabetes von dem gesunder Personen unterscheidet. Daher gingen die Münchner Diabetesforscher davon aus, dass die reichliche Zufuhr von löslichen Ballaststoffen in den ersten beiden Lebensjahren vor der Entstehung einer Inselautoimmunität schützen könnte. In diesem Lebensabschnitt treten die meisten Fälle von Inselautoimmunität auf.

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Aber diese Vermutung bestätigte sich nicht. Es konnte zu keinem Zeitpunkt im frühen Kindesalter ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen der aufgenommenen Menge von ballaststoffhaltiger Kost und einer späteren Inselautoimmunität beziehungsweise einem bereits manifesten Typ 1 Diabetes festgestellt werden. „Unsere Auswertungen legen den Schluss nahe, dass eine ungenügende Ballaststoffzufuhr keinen direkten Einfluss auf entzündliche Prozesse im Körper hat, die zu Typ 1 Diabetes führen“, fasst Andreas Beyerlein, Statistiker vom Institut für Diabetesforschung, die Ergebnisse zusammen. „Von Diätempfehlungen zur Vorbeugung von Typ 1 Diabetes bei Risikopersonen sind wir derzeit noch weit entfernt“, ergänzt die Ernährungswissenschaftlerin Sandra Hummel.

Wegen der noch relativ kurzen Nachverfolgungszeit bei Teilnehmern der TEDDY Studie – im Mittel fünf Jahre – seien langfristige Effekte allerdings nicht ausgeschlossen. © hil/aerzteblatt.de

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