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Medizin

Hepatitis C: Daclatasvir-Kom­bination heilt Genotyp 3-Infektionen

Dienstag, 28. Juli 2015

Silver Spring – Die Kombination aus dem NS5A-Inhibitor Daclatasvir und dem Poly­merase­hemmer Sofosbuvir kann eine Hepatitis C auch ohne den Einsatz von Interferon oder Ribavirin zur Ausheilung bringen. Dies ergaben die Ergebnisse einer offenen klinischen Studie, die in den USA jetzt zur Zulassung von Daclatasvir führte, das der Hersteller als Daklinza speziell für die Behandlung der Hepatitis C mit dem Genotyp 3 einführen will. In Europa wurde Daklinza im August 2014 ohne die Spezialisierung auf den Genotyp 3 zugelassen.

Infektionen mit dem Genotyp 3 des Hepatitis C-Virus schreiten häufig rasch zur Zirrhose voran. Gleichzeitig gilt die Therapie als schwierig. Zugelassen sind eine Dreifachtherapie mit PEG-Interferon, Ribavirin und Sofosbuvir über 12 Wochen und eine duale Inter­feron-freie Therapie mit Sofosbuvir und Ribavirin über 24 Wochen. Die erste Therapie wird wegen der Interferon-Nebenwirkungen häufig gemieden, doch auch die Gabe von Ribavirin gilt als problematisch, da es häufig zu einer hämolytischen Anämie kommt. Die kürzlich in Hepatology (2015; 61: 1127-1135) vorgestellten Ergebnisse der ALLY 3-Studie zeigen, dass eine Therapie auch ohne Interferon und ohne Ribavirin möglich ist.

An der offenen Studie hatten 152 Patienten mit chronischer HCV-Genotyp 3-Infektion und kompensierter Lebererkrankung teilgenommen. Für 101 Patienten war es der erste Therapieversuch, die anderen 51 Patienten waren vorbehandelt. Bei den meisten war die Behandlung mit Peginterferon/Ribavirin gescheitert. Sieben Patienten hatten ein Regime mit Sofosbuvir und zwei Patienten mit einem experimentellen Cyclophilin-Hemmer erhalten.

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In der ALL 3-Studie wurden alle Patienten über 12 Wochen einmal täglich mit einer Kombination aus 60 mg Daclatasvir plus Sofosbuvir 400 mg behandelt. Danach wurden sie über 12 weitere Wochen nachbeobachtet, da bei der Hepatitis C erst von einer Heilung ausgegangen wird, wenn auch 12 Wochen nach dem Ende der Therapie keine Viren nachweisbar sind (sustained virologic response, SVR). Wie das Team um David Nelson von der Universität von Florida in Gainesville berichtet, erzielten 91 von 101 nicht behandelten Patienten (90 Prozent) und 44 von 51 vorbehandelten Patienten (86 Prozent) eine SVR12.

Die Therapieergebnisse waren am besten bei den Patienten, die keine Zeichen einer Leberzirrhose hatten: 105 von 109 Patienten (96 Prozent) erreichten eine SVR12. Bei den Patienten mit Leberzirrhose waren es nur 20 von 32 Patienten (63 Prozent).

Nach den bisherigen Erfahrungen ist die Therapie mit Daclatasvir gut verträglich. Schwere Nebenwirkungen und Therapieabbrüche sind laut Hersteller nicht aufgetreten. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen (14 Prozent), Abgeschlagenheit (14 Prozent), Übelkeit (8 Prozent) und Diarrhö (5 Prozent).

© rme/aerzteblatt.de

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