NewsMedizinInsulinresistenz behindert Glukoseverwertung im Gehirn
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Insulinresistenz behindert Glukoseverwertung im Gehirn

Montag, 27. Juli 2015

Madison – Der Wirkungsverlust von Insulin, der als Insulinresistenz bezeichnet wird und zum Typ 2-Diabetes führt, betrifft nicht nur Muskulatur, Leber und Fettgewebe. Nach einer Studie in JAMA Neurology (2015; doi: 10.1001/jamaneurol.2015.0613) kommt es auch im Gehirn zu einer Verwertungsstörung der Glukose, die der Hauptenergieträger im Gehirn ist und dessen Mangel erklären könnte, warum Menschen mit Insulinresistenz häufiger an einer Demenz erkranken.

Eine Insulinresistenz ist dadurch gekennzeichnet, dass die Blutzuckerwerte trotz einer gesteigerten Insulinproduktion zu hoch sind. Ein Gradmesser ist die HOMA-IR (homeostatic model assessment), dem Produkt aus Blutzucker und Insulinkonzentration (geteilt durch 405). Je höher der HOMA-IR, desto ausgeprägter ist die Insulinresistenz. Bei den 150 Teilnehmern der Wisconsin Registry for Alzheimer's Prevention, kognitiv gesunde Männer und Frauen mit einem erhöhten Risiko einer Alzheimererkrankung, schwankte der HOMA-IR zwischen 0,5 und 14,1 (Idealwert ist 1). Die Bandbreite reichte von einem normalen Glukosestoffwechsel bis zu einem Typ 2-Diabetes.

Anzeige

Ein Team um Barbara Bendlin von der Wisconsin School of Medicine und Public Health in Madison setzte die HOMA-IR-Werte mit den Ergebnissen einer Positronen-emissions-Tomographie in Beziehung, die die Aufnahme von Glukose von den Hirnzellen anhand des Markers Fludeoxyglucose F 18 anzeigte.

Ergebnis: Je ausgeprägter die Insulinresistenz, desto geringer war die Aufnahme von Glukose in den Hirnzellen. Betroffen waren weite Bereiche der frontalen, parietalen und temporalen Großhirnrinde. Weitere Untersuchungen zeigten, dass Patienten mit einer Minderversorgung des linken medialen Temporallappens in Tests zum Kurzzeitgedächtnis und zum verbalen Lernen schlechter abschnitten als Patienten ohne diese Folge einer Insulinresistenz.

Für Bendlin sind die Ergebnisse ein klarer Hinweis, dass eine Insulinresistenz im „mittleren“ Alter (Durchschnittsalter der Teilnehmer war 61 Jahre) das Risiko auf eine Alzheimer-Demenz erhöht, was im Umkehrschluss bedeuten würde, dass eine frühzeitige Behandlung der Insulinresistenz die Entwicklung einer Demenz aufhalten könnte – was allerdings noch in klinischen Studien zu beweisen wäre. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

17. September 2019
Berlin – Der Selbsthilfeverband diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe hat an private Krankenversicherer appelliert, Diabetespatienten gegenüber gesetzlich Krankenversicherten nicht zu benachteiligen
Privatversicherte beim kontinuierlichen Glukosemonitoring mitunter schlecht versorgt
17. September 2019
Berlin – Alzheimer-Demenz muss endlich vom „Stigma der unbehandelbaren Krankheit“ befreit werden. Dazu haben Experten in Berlin im Vorfeld des Welt-Alzheimer-Tages aufgerufen. Bei beginnender Demenz
Alzheimer ist keine unbehandelbare Krankheit
16. September 2019
Kiel – Veränderungen des Darmmikrobioms bei Typ-2-Diabetes hängen vor allem mit Übergewicht und der Einnahmen von Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten zusammenhängen und weniger mit der
Übergewicht bestimmender Faktor für Zusammensetzung des Darmmikrobioms bei Typ-2-Diabetes
11. September 2019
Berlin – CDU/CSU und SPD haben im Koalitionsvertrag 2018 eine nationale Diabetesstrategie beschlossen. Diese befände sich inzwischen in den Endzügen, verkündete die gesundheitspolitische Sprecherin
Nationale Diabetesstrategie in den finalen Zügen
3. September 2019
Cleveland (Ohio) – Für extrem adipöse Menschen mit einem Typ-2-Diabetes sind Magenverkleinerung und Magenbypass nicht nur die effektivste Methode zur Gewichtsabnahme. Nach den Erfahrungen eines
Typ-2-Diabetes: Metabolische Chirurgie schützt Adipöse vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen
2. September 2019
Berlin – Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) plädiert für mehr Nachwuchsförderung in der Diabetologie und tritt dafür ein, dies in einer Nationalen Diabetesstrategie zu verankern. In Deutschland
Diabetesthemen kommen im Medizinstudium zu kurz
28. August 2019
Mainz – Das ZDF plant ein eigenes Projektformat mit einem Chor aus demenzkranken Menschen. Angeleitet von professionellen Musikern, unterstützt von ihren Familien und Freunden und medizinisch
LNS LNS
Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER