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Medizin

Gentherapie könnte bei rezidiviertem Ovarialkarzinom wirken

Mittwoch, 29. Juli 2015

Boston – Ein Protein, das bei männlichen Embryonen die Entwicklung eines inneren weiblichen Genitals verhindert, könnte im Rahmen einer Gentherapie bei Patientinnen wirksam sein, deren Ovarialkarzinom eine Resistenz gegen eine Chemotherapie entwickelt hat. US-Mediziner stellen ihr Konzept in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2015, doi:10.1073/pnas.1510604112) vor. In einem Mäusemodell hat es Wirkung gezeigt.

Das Anti-Müller-Hormon (AMH), auch Müllerian-inhibiting substance (MIS) genannt, unterdrückt beim männlichen Embryo die Bildung des Müller-Ganges. Bei der Frau ist er die Anlage für das innere Genital einschließlich des äußeren Epithels der Ovarien. Diese Gewebe exprimieren nach der Embryonalphase weiterhin Rezeptoren für AMH/MIS. Dies gilt auch für viele Ovarialkarzinome.

In früheren Studien konnte ein Team um Patricia Donahoe vom Massachusetts General Hospital in Boston zeigen, dass AMH in Zellkulturen das Wachstum von Krebszellen stoppt. Es wirkt dabei möglicherweise auf die Krebsstammzellen, die nach einer Chemotherapie Ausgangspunkt eines erneuten Krebswachstums sind. AMH/MIS wird damit zu einem möglichen Wirkstoff bei dem hoch-malignen Tumor.

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In einer ersten Versuchsreihe haben die Forscher die Wirkung von AMH/MIS auf Krebszellen untersucht. Sie benutzten dabei eine Variante, bei der AHM/MIS an Albumin gebunden ist und die „leader Q425R MIS“ (LRMIS) genannt wird. Die Tumorzellen für ihre Versuche stammten aus der Aszitesflüssigkeit von Patientinnen, bei denen es nach einer Chemotherapie zu einer Resistenz gekommen war.

Die in vitro-Experimente zeigten, dass das LRMIS-Protein die Krebszellen von vier von sechs Patientinnen am Wachstum hinderte. Der nächste Schritt war eine Gentherapie. Dazu wurden adeno-assoziierte Viren mit dem Gen für das LRMIS-Protein versehen und in die Bauchhöhle von Mäusen injiziert. Die Viren gaben die Gene an die Epithelzellen ab, die das Bauchfell auskleiden. Die Epithelien produzierten daraufhin LRMIS, das auch im Blut der Tiere nachweisbar war. Die Gentherapie war auch in der Lage, das Wachstum von Krebszellen eines Ovarialkarzinoms zu bremsen, die die Forscher den Tieren in die Bauchhöhle injiziert hatten. Die Krebszellen stammten erneut aus der Aszitesflüssigkeit von Krebspatientinnen.

Die Ergebnisse liefern den prinzipiellen Beweis, dass das Anti-Müller-Hormon ein mögliches Medikament zur Behandlung eines Chemotherapie-resistenten Ovarial­karzinoms ist. Diese Therapie könnte bei allen Tumoren wirken, die nach der Chemotherapie noch die Rezeptoren für AMH/MIS bilden.

Die Forscher haben einen Test entwickelt, mit denen diese Rezeptoren nachgewiesen werden können. In der Studie waren sie bei 88 Prozent aller serösen Ovarialkarzinome vorhanden. Der nächste Schritt könnte eine klinische Studie sein. Die Gentherapie hätte gegenüber einer konventionellen Therapie den Vorteil, dass die Behandlung nur ein einziges Mal durchgeführt werden müsste und die kosten-intensive Produktion des Medikaments in genmodifizierten Zellen entfiele. Diese Aufgaben könnten die Peritonalzellen der Patientinnen selbst übernehmen.

© rme/aerzteblatt.de

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