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Medizin

Studie: Cortisol vermindert Verlangen bei Heroinsüchtigen

Mittwoch, 29. Juli 2015

Basel – Die einmalige Gabe von Hydrocortison hat in einer Studie in Translational Psychiatry (2015: doi: 10.1038/TP.2015.101) das Craving von Heroinsüchtigen vermin­dert. Ein Effekt wurde allerdings nur bei einem niedrigen Heroinkonsum gesehen, und es bleibt unklar, ob eine Therapie eine Abstinenz erleichtern könnte.

Die Opiatabhängigkeit ist durch ein starkes Craving gekennzeichnet. Dieses imperative Verlangen nach der Droge wird einerseits durch die Erinnerung an die euphorisierende Wirkung ausgelöst. Andererseits dient der Drogenkonsum aber auch der Vermeidung eines akuten Entzugs, zu dem neben einer Dysphorie eine starke Stressreaktion gehört. Die Cortisol-Spiegel von Opiatabhängigen sind im Entzug stark erhöht. Stress wiederum fördert das Craving.

Dennoch könnte die Gabe des Stresshormons Cortisol das Craving abmildern, glaubt ein Forscherteam um Dominique de Quervain von der Universität Basel. Den Grund vermuten sie in einer Verminderung des Gedächtnisabrufs. Cortisol könnte damit einen wichtigen Impuls zum erneuten Drogenkonsum mildern. Dies sei von Angsterkrankungen her bekannt, schreibt Quervain. Cortisol lindere die Symptome von Patienten mit Angst­erkrankungen, indem es das Angstgedächtnis der Patienten hemme. Die Wissen­schaftler vermuten, dass sich Cortisol auch auf das Suchtgedächtnis hemmend auswirkt und damit das Verlangen nach dem Suchtmittel reduzieren könnte.

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In einer ersten Studie wurden 29 Patienten behandelt, die an einem Behandlungs­zentrum in Basel an einem Programm zur gezielten Abgabe von Diacetylmorphin, sprich Heroin, teilnehmen. Es gab drei Gruppen von Patienten, die im Rahmen des Programms eine niedrige (113 bis 305mg), mittlere (330 bis 451mg) und hohe (478 bis 964mg) Dosis Diacetylmorphin erhielten. Im Rahmen der Studie erhielten die Probanden 105 Minuten vor der Heroinabgabe eine Tablette mit 20 mg Hydrocortison oder ein Placebo. 60 und 90 Minuten später sollten die Teilnehmer ihr Craving auf einer visuellen Analogskala von 0 bis 10 cm angeben. Eine weitere Befragung erfolgte nach der Heroingabe.

Wie die Forscher berichten, führte die Cortisoleinnahme zu einer Abnahme des Suchtverlangens um durchschnittlich 25 Prozent im Vergleich zum Scheinpräparat. Zu beobachten war diese Abnahme allerdings nur bei Patienten mit dem niedrigen Heroinbedarf, nicht aber bei den schwer abhängigen Patienten. Dies deutet auf eine insgesamt schwache Wirkung der Cortisol-Therapie, die die Forscher dennoch in einer weiteren Studie untersuchen wollen. Dann geht es auch um die Frage, ob Cortisol den Patienten hilft, die Heroindosis zu reduzieren oder länger von Heroin abstinent zu bleiben. © rme/aerzteblatt.de

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