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Internationale Krebsforschungs­agentur stuft Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend ein

Donnerstag, 30. Juli 2015

dpa

Lyon – Das weit verbreitete Unkrautbekämpfungsmittel Glyphosat ist nach Einschätzung der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) wahrscheinlich krebserregend. Zu diesem Schluss kam die Behörde der Weltgesundheitsagentur (WHO) nach Auswertung zahlreicher Studien zu dem Mittel. Sie widersprach damit in einem nun veröffentlichten offiziellen Bericht der Einschätzung anderer Behörden wie des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Umweltorganisationen forderten, in Deutschland sofort Konsequenzen aus dem Bericht zu ziehen.

Die Arbeitsgemeinschaft Glyphosat bemängelte, Auftrag der IARC sei nicht die Risikobewertung, sondern allein die Identifikation möglicher Gefahren – unabhängig vom tatsächlichen Risiko bei bestimmten Anwendungen. Deshalb würden von der Agentur sogar Stoffe wie Alkohol in die höchste Kategorie eingestuft, die wir in geringen Mengen als Genussmittel zu uns nehmen.

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„Alle Anwendungen, bei denen es sehr wahrscheinlich ist, dass Menschen mit Glyphosat in direkten Kontakt kommen, müssen umgehend ausgesetzt werden“, erklärte Green­peace-Agrarexpertin Christiane Huxdorff.

Das BfR teilte am Donnerstag mit, die IARC-Monografie im Auftrag der Bundesregierung zunächst „wissenschaftlich“ zu prüfen – „hinsichtlich neuer bislang nicht berücksichtigter Unterlagen, der Bewertungsergebnisse, der Qualität und Methodik“. Das Ergebnis werde auch an die Efsa geschickt.

Zugleich wies das Bundesinstitut darauf hin, dass in vielen in der Wissenschaft diskutierten Studien zu einer möglichen krebserregenden Wirkung Glyphosats der Wirkstoff nicht isoliert als Reinsubstanz verwendet werde, sondern als handelsübliches Produkt aus verschiedenen Komponenten. Ihre Aussagekraft sei „eher gering“, da die Beistoffe toxischer sein könnten und die Zusammensetzung der Mittel oft nicht beschrieben werde.

Die EU-Kommission hatte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) nach Angaben eines Sprechers bereits aufgefordert, die Ergebnisse bei der laufenden Überprüfung der Zulassung für Glyphosat zu berücksichtigen.

Glyphosat ist einer der weltweit am meisten eingesetzten Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln. Das BfR war in seiner jüngsten Bewertung zu dem Schluss gekommen, dass bei richtiger Anwendung kein Krebsrisiko für den Menschen zu erwarten ist. Das deutsche Institut hat die Federführung beim EU-Zulassungsverfahren für Glyphosat.

Die WHO-Krebsforschungsagentur in Lyon gelangte zu einer anderen Einschätzung. Dies hatte sie bereits im März angekündigt, in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Bericht lieferten die Wissenschaftler nun die Begründung nach. Sie sehen in Studien bei Menschen eingeschränkte Belege dafür, dass Glyphosat Krebs erzeuge. Bei Tierversuchen gebe es ausreichende Belege für einen solchen Effekt. Insgesamt stuften sie Glyphosat in die zweithöchste Risikokategorie ein („wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“).

Deutsche Umweltschützer und Grünen-Politiker kritisierten die Haltung des Bundes­instituts. „Was das BfR vorgelegt hat, taugt nicht als Grundlage für ein Wieder­zulassungsverfahren“, kommentierte der agrarpolitische Sprecher der Grünen im EU-Parlament, Martin Häusling. Er forderte eine Neubewertung. „Es ist unverantwortlich, Glyphosat weiter als unbedenklich einzustufen“, meinte auch der Pestizidexperte des BUND, Tomas Brückmann.

Das BfR wies darauf hin, dass auch ein WHO-Gremium zu einer anderen Einschätzung gelangt sei als die Krebsforschungsagentur und eine WHO-Task Force zurzeit nach den Gründen dafür suche. Inhaltlich werde es erst nach Prüfung des IARC-Berichts Stellung nehmen. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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