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Medizin

Antisense-Medikament senkt extreme Triglyzerid-Werte

Freitag, 31. Juli 2015

Montreal – Das Antisense-Medikament Volanesorsen, das die Bildung des Enzyms Apolipoprotein C-III (APOC3) in der Leber verhindert, hat in zwei Phase 2-Studien im New England Journal of Medicine (2015; 373: 438-447) als Monotherapie oder in Kombi­nation mit Fibraten die Triglyzerid-Werte dosisabhängig gesenkt.

Die gesundheitliche Bedeutung erhöhter Triglyzeriden wurde lange unterschätzt. Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass Menschen mit Hypertriglyzeridämie ein erhöhtes Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. APOC3 ist ein Schlüsselenzym für den Triglyzerid-Stoffwechsel, sein Ausfall infolge von Gendefekten, senkt nicht nur die Trigylzerid-Werte, sondern auch das Herzinfarktrisiko.

Die Firma Isis Pharmaceuticals aus Carlsbad bei San Diego hat ein sogenanntes Antisense-Molekül entwickelt, das den Triglyzeridwert senkt: Bei ISIS 304801 handelt es sich um ein Oligonukleotid, das in der Zelle mit der Boten-RNA von APOC3 einen Doppelstrang bildet. Dadurch wird die Umsetzung der Erbinformation in ein Enzym verhindert.

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Die Folge ist eine Abnahme der Triglyzeride. Dies konnten Daniel Gaudet von der Universität Montreal und Mitarbeiter im letzten Jahr an drei Patienten mit einem Chylomikronämie-Syndrom zeigen. Vor der Behandlung hatten die Patienten astronomisch hohe Nüchtern-Triglyzerid-Werte von 1.406 bis 2.083 mg/dl (Normalwert 150 mg/dl). Wöchentliche subkutane Injektionen mit 300 mg ISIS 304801 senkten die Triglyzeride um 56 bis 86 Prozent.

Jetzt stellen die Forscher die Ergebnisse aus zwei Phase 2-Studien vor. Alle Teilnehmer hatten deutlich erhöhte Triglyzerid-Werte, die häufig auf genetische Ursachen zurückgeführt werden konnten. In einer Studie erhielten 57 Patienten wöchentliche subkutane Injektionen mit 100 mg, 200 mg oder 300 mg Volanesorsen, wie ISIS 304801 jetzt genannt wird, oder Placebo. In der anderen Studie an 28 Patienten wurden 200 mg oder 300 mg Volanesorsen (beziehungsweise Placebo) mit einem Fibrat kombiniert.

In beiden Studien kam es zu einer deutlichen Reduktion der APOC3-Werte um bis zu 80 Prozent, die von einem Abfall der Triglyzeride um bis zu 71 Prozent begleitet waren. Gleichzeitig stiegen die Werte des prognostisch günstigen HDL-Cholesterins.

Der Hersteller hat bereits mit zwei Phase 3-Studien begonnen. In einer werden Patienten mit familiärem Chylomikronämie-Syndrom (FCS) behandelt. Diese Patienten sollen durch die Behandlung vor einer Pankreatitis geschützt werden, die eine Folge hoher Trigly­zerid-Werte ist. An der zweiten Phase 3-Studie nehmen Patienten mit familiärer partieller Lipodystrophie (FPL) teil, einer ebenfalls seltenen genetischen Erkrankung.

© rme/aerzteblatt.de

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