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Medizin

Ebola: Impfstoff in Feldstudie (bis zu) 100 Prozent effektiv

Freitag, 31. Juli 2015

dpa

Genf – Ein effektiver Impfstoff gegen Ebola scheint endlich gefunden zu sein. Die Vakzine rVSV-EBOV, die seit März diesen Jahres in Guinea im Feldversuch getestet wird, erzielt nach einer Zwischenauswertung im Lancet (2015; doi: 10.1016/ S0140-6736(15)61117-5) eine bis zu hundertprozentige Wirkung. Die Weltgesundheits­organisation (WHO) spricht von einem Durchbruch. Die Welt stehe an der Schwelle eines effektiven Ebola-Impfstoffs, heißt es in der Pressemitteilung der Organisation.

Der Impfstoff rVSV-EBOV ist neben cAd3-EBO Z von GlaxoSmithKline einer von zwei Ebola-Impfstoffen, die derzeit in Westafrika getestet werden. Der Lebendimpfstoff besteht aus dem Vesicular stomatitis virus (VSV), das mit dem Glykoprotein des Ebolavirus ausgestattet wurde. Die Vakzine wurde von der Public Health Agency of Canada entwickelt und ursprünglich an NewLink Genetics lizensiert. Später übernahm Merck (MSD) die klinische Entwicklung. Erste Studien hatten 2014 in Europa, Gabun, Kenia und den USA begonnen. Sie wurden im Dezember 2014 wegen Nebenwirkungen unterbrochen, später aber fortgesetzt. Seit dem 1. April diesen Jahres findet in Guinea eine sogenannte Ring-Immunisierung statt.

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Dieses Konzept wurde von den Pockenimpfungen übernommen. Allen Kontakten von Ebola-Patienten wurde eine Impfung vorgeschlagen. In 48 Clustern wurden 4.123 Personen sofort geimpft, in weiteren 42 Clustern wurden 3.528 Patienten erst nach einer Frist von 21 Tagen geimpft. In diesem verzögerten Arm der randomisierten Phase 3-Studie gab es in sieben Clustern 16 Erkrankungen.

Das Team um Marie Paule Kieny von der WHO in Genf errechnet daraus eine Impfstoffwirksamkeit von 100 Prozent bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 74,7 bis 100,0 Prozent. Der Impfschutz trat innerhalb von sechs bis zehn Tagen nach der intramuskulären Injektion des Impfstoffs auf. Das Ergebnis war signifikant und die Studienleitung entschied nach einer Zwischenauswertung, künftig alle Kontaktpersonen sofort zu impfen.

Eine sekundäre Analyse ergab, dass die Impfung eine Herdenimmunität erzielt. Auch nicht geimpfte Personen wurden geschützt. Die Gesamtschutzwirkung auf alle geimpften und nicht-geimpften Personen lag bei etwa 75 Prozent. Die Verträglichkeit scheint gut zu sein: Es kam in der Studie bei 43 Patienten zu schweren Nebenwirkungen, von denen aber nach Ansicht der Forscher nur eine auf die Impfung zurückzuführen war.

Die ersten Reaktionen auf die Ergebnisse sind positiv. Die WHO-Generaldirektorin Margaret Chan sprach von einer „äußerst vielversprechenden Entwicklung“. Der Ebola-Koordinator von Guinea, Sakoba Keita meint, dies sei ein „Geschenk seines Landes an West-Afrika und die Welt“. Bertrand Draguez, der medizinische Direktor von Médecins sans Frontières wies darauf hin, dass der Impfstoff derzeit auch am Gesundheits­personal vor Ort getestet werde. Laut der WHO laufen derzeit weitere Studien in Sierra Leone (STRIVE und COMAHS) und Liberia (PREVAIL). © rme/aerzteblatt.de

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