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Medizin

Urintest erkennt Pankreaskarzinom

Montag, 3. August 2015

dpa

London – Eine Proteom-Analyse des Urins hat zur Entdeckung von drei Biomarkern geführt, die in einer Kohortenstudie in Clinical Cancer Research (2015 21: 3512-3521) in Frühstadien des Pankreaskarzinoms nachweisbar waren und sich für ein Screening auf den Tumor eignen könnten, der von allen Krebserkrankungen derzeit die niedrigste Überlebensrate aufweist.

Die Zahl der Neudiagnosen vom Pankreaskarzinom ist in Deutschland (15.940 Personen in 2011) und anderen Ländern fast genauso hoch wie die Zahl der Krebstodesfälle (15.487 in 2011). Die miserable 5-Jahres-Überlebensrate von weit unter 10 Prozent sind Folge eines lange Zeit asymptomatischen Wachstums des Tumors, der in der Regel erst in einem späten Stadium diagnostiziert wird. In den Stadien 1 und 2 könnten dagegen 60 Prozent beziehungsweise 20 Prozent der Erkrankten kuriert werden. Es fehlt jedoch an einer Früherkennung, die kosten-effektiv durchgeführt werden könnte.

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Ein Team um Tatjana Crnogorac-Jurcevic vom Barts Cancer Institute in London könnte jetzt ein solches Screening-Instrument gefunden haben. Die Forscherin hat zunächst bei 18 Personen – Patienten mit duktalem Pankreaskarzinom oder chronischer Pankreatitis sowie gesunden Kontrollen – eine umfangreiche Inventur aller im Urin nachweisbaren Proteine, Proteom-Analyse genannt, durchgeführt. Unter den etwa 1.500 Proteinen, die im Urin vorhanden sind, stieß das Team im Urin der Krebspatienten auf drei Proteine – LYVE-1, REG1A und TFF1 – die bei den anderen beiden Gruppen fehlten oder nur in niedrigerer Konzentration vorhanden waren und deshalb als Biomarker für einen einfachen Harntest infrage kämen.

Dieser Test wurde dann in einer zweiten Kohorte von 192 Patienten mit Pankreas­karzinom und 87 gesunden Kontrollen überprüft. In einer „Trainingsphase“ bei den ersten 70 Prozent der Teilnehmer erzielte der Test eine Treffsicherheit von 89 Prozent (0,89 in der Receiver Operating Characteristic oder ROC-Kurve), in einer Validierung bei den übrigen 30 Prozent der Teilnehmer wurde ein Wert von 0,92 auf der ROC-Kurve erreicht.

Laut Crnogorac-Jurcevic erreichte der Test auch in den für die Früherkennung rele­vanten Stadien 1 und 2 noch eine Treffsicherheit von 90 Prozent beziehungsweise 93 Prozent. Die Hinzunahme des etablierten Tumormarkers CA19.9 (als Bluttest) konnte die Ergebnisse nur im Spätstadium des Tumors weiter verbessern und käme deshalb nicht für einen Früherkennungstest infrage.

Von der kommerziellen Einführung ist der Test noch weit entfernt. Der nächste Schritt könnte eine Langzeituntersuchung an Personen mit einem erhöhten Krebsrisiko sein. © rme/aerzteblatt.de

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