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Medizin

Wille­brand-Jürgens-Syndrom: Rekom­binanter Faktor stoppt Blutungen

Montag, 3. August 2015

Cambridge – Infusionen mit einem (gentechnisch produzierten) rekombinanten von-Willebrand-Faktor (rvWF) haben in einer Phase 3-Studie sämtliche Blutungen von Patienten mit Willebrand-Jürgens-Syndrom gestoppt. Da es zu keinen Komplikationen kam, dürfen die in Blood (2015; doi: 10.1182/blood-2015-02-629873) publizierten Ergebnisse der baldigen Zulassung von Vonicog alfa den Weg bereiten.

Das Willebrand-Jürgens-Syndrom ist mit einer Prävalenz von 800/100.000 Menschen die häufigste angeborene Krankheit mit erhöhter Blutungsneigung. Ursache ist ein Mangel des von-Willebrand-Faktors (vWF), der zwei Funktionen bei der Blutgerinnung hat. Zum einen fördert er die Thrombozytenaggregation, die eine provisorische Abdichtung einer verletzten Gefäßwand ermöglicht. Zum anderen verbessert er die Wirkung des Gerinnungsfaktors VIII, mit dessen Hilfe ein dauerhafteres Blutgerinnsel entsteht, das das Gefäß bis zur Reparatur abdichtet.

Das Willebrand-Jürgens-Syndrom, das in sechs Varianten mit unterschiedlichem Schweregrad auftritt, führt nur selten zu ernsthaften Blutungen. Die Prävalenz der behandlungsbedürftigen Formen wird auf 12,5/100.000 Menschen geschätzt. Die Behandlung besteht zunächst in der Therapie mit Desmopressin, das zu einer beschleunigten Freisetzung der endothelialen Speicher führen (und zu deren Erschöpfung, sprich Tachyphylaxie bei häufiger Behandlung).

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Wenn Desmopressin keine ausreichende Wirkung zeigt, waren die Patienten bisher auf Plasmapräparate angewiesen, die den vWF in der Regel mit Faktor VIII kombinierten. Die Herstellung der Plasmaparate ist aufwändig, die Dosierung schwer abzuschätzen und ein theoretisches Infektionsrisiko nicht auszuschließen. Eine rekombinante Version (rvWF) könnte deshalb gleich mehrere Vorteile haben.

Sicherheit und Effektivität von Vonicog alfa von Baxalta aus Cambridge/Massachusetts wurden in einer Phase 3-Studie an 49 Patienten getestet, bei denen ein erheblicher Mangel an vWF nachgewiesen war oder die zuvor mit Plasmpräparaten behandelt wurden. Die Studie hat zum einen die Pharmakokinetik zweier unterschiedlicher Dosierungen (50 oder 80 IU/kg Körpergewicht) untersucht. Vonicog alfa wurde dabei teilweise mit rekombinantem Faktor VIII kombiniert, teilweise wurde es als Monotherapie gegeben.

Zum anderen beurteilte das Team um Bruce Ewenstein vom Hersteller Baxalta US Inc. in Cambridge/Massachusetts die Effektivität von Vonicog alfa zur Blutstillung. Bei kleinen Blutungen erhielten die Patienten Infusionen von 40 bis 60 IU/kg Körpergewicht, bei größeren Blutungen konnte die Dosis auf 80 IU/kg Körpergewicht gesteigert werden.

Die pharmakokinetischen Ergebnisse bestätigten frühere Studien, in denen rvWF mit und ohne rFVIII die gleiche Wirkung erzielte, mithin die Kombination mit rFVIII nicht erforderlich ist. Nach der Infusion von rvWF kam es innerhalb von sechs Stunden zu einer ausreichenden Bildung von Gerinnungsfaktoren. Die Wirkung hielt dann über mindestens 72 Stunden an.

Im Verlauf eines Jahres kam es bei den 49 Patienten zu insgesamt 192 Blutungs­episoden, von denen die Hälfte auf die Schleimhäute beschränkt waren. Zu 30 Prozent blutete es in die Gelenke und zu 3 Prozent kam es zu gastrointestinalen Blutungen. Alle Blutungen konnten durch Vonicog alfa gestoppt werden, davon 80 Prozent nach einer einzigen Infusion (ein Viertel der Patienten erhielt allerdings zusätzlich Tranexamsäure). Die Ärzte beurteilten die Wirkung von Vonicog alfa bei 96,9 Prozent der Patienten als „exzellent“ und bei 3,1 Prozent als „gut“.

Die Verträglichkeit von Vonicog alfa soll ebenfalls gut gewesen sein. Bei zwei Patienten kam es nach der Behandlung jedoch zu systemischen Beschwerden mit kardialen Reaktionen (einmal Tachykardie, einmal leichte T-Wellen-Inversion). Thrombotische Ereignisse oder schwere allergische Reaktionen wurden nicht beobachtet und keiner der Teilnehmer entwickelte neutralisierende Antikörper gegen rvWF. © rme/aerzteblatt.de

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