NewsMedizinDengue: Impfung durch Gentransfer schützt Mäuse
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Dengue: Impfung durch Gentransfer schützt Mäuse

Dienstag, 4. August 2015

Philadelphia – Eine einmalige intramuskuläre Injektion von „synthetischen Genen“ hat Mäuse zur Produktion von neutralisierenden Antikörpern veranlasst, die die Tiere vor einer späteren Infektion mit Dengue-Viren schützte. Die neue Impfstrategie könnte laut dem Bericht in Scientific Reports (2015; 5: 12616) eine paradoxe Reaktion auf konventionelle Impfstoffe vermeiden, die manchmal die Anfälligkeit für Infektionen mit anderen Serotypen verstärken.

Die Entwicklung von Impfstoffen gegen das Dengue-Virus, das sich mittlerweile in mehr als 100 Ländern ausgebreitet hat, scheiterte bisher daran, dass das Virus in vier Serotypen auftritt. Die Infektion mit einem Serotypen hinterlässt selten eine Kreuz­immunität. Sie kann sogar den Krankheitsverlauf bei einer Infektion mit einem anderen Serotypen verstärken.

Die Forscher sprechen von einer Antikörper-abhängigen Verstärkung oder ADE (antibody-dependent enhancement). Sie kommt folgendermaßen zustande: Die erste Infektion mit einem Serotypen hinterlässt Antikörper, die andere Serotypen erkennen, aber nicht neutralisieren. Wenn die Patienten mit dem zweiten Serotypen infiziert werden, binden die Antikörper das Virus und transportieren es zu einer Immunzelle. Was normalerweise eine gewisse Immunantwort auslösen würde, hat bei Dengue fatale Folgen: Das Virus infiziert nämlich gerade die Immunzellen, zu denen die Antikörper das Virus transportieren.

Anzeige

Um diese Komplikation zu umgehen, schlägt das Team um David Weiner von der Universität von Pennsylvania in Philadelphia eine neuartige Impfung vor, die eine Variante der Gentherapie ist. Statt das Immunsystem durch die Exposition mit Viren oder Virus-Antigenen zur Bildung von Antikörpern zu reizen, werden kurzerhand die Gene für die neutralisierenden Antikörper in den Körper eingebracht.

Dies ist mit sogenannten Plasmiden möglich, die nach einer Injektion von den Körperzellen aufgenommen werden. Diese werden dann zu Antikörper-Produzenten. Um eine ADE zu verhindern, bauten die US-Forscher nur den Bauplan für die Antigen-bindenden Teile des Antikörpers in das Plasmid ein, den Bauplan für die sogenannte konstante Region, die an den Rezeptoren der Immunzellen bindet, ließen sie weg. Diese „gestutzten“ Antikörper können die Viren nur neutralisieren, sie lösen aber keine weitere Immunantwort aus. Dies verhindert dann eine ADE.

Weiner hat die Therapie an Mäusen erprobt, die infolge einer genetischen Modifikation die Zeichen einer Dengue-Infektion entwickeln. Die Tiere begannen bereits wenige Tage nach der Impfung mit der Produktion der Antikörper. Die Schutzwirkung tritt laut Weiner viel früher ein als bei konventionellen Impfstoffen, die erst mit einer gewissen Verzö­gerung mit der Produktion der Antikörper beginnen. Die neue Variante der Impfung könnte deshalb für kurzentschlosse Touristen interessant sein.

Bislang wurde der Impfstoff noch nicht am Menschen getestet. Mäuse wurden jedoch zuverlässig vor einer Erkrankung geschützt, wenn sie fünf Tage nach der Impfung Dengue-Viren exponiert wurden. Dies war auch der Fall, wenn durch die Exposition mit einem anderen Serotyp eine ADE induziert wurde, die normalerweise zu einem schweren Verlauf des Denguefiebers führt. 

Ein Nachteil der Gentherapie ist die zeitlich beschränkte Wirkung. Sie beruht darauf, dass die mit den Genen transduzierten Zellen nach einiger Zeit die Produktion einstellen. Die geimpften Mäuse produzierten laut Weiner über mindestens 19 Wochen Antikörper, was angesichts der Lebenserwartung der Tiere auf eine längere Schutzwirkung hindeutet. Inwiefern die Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind, lässt sich allerdings nicht vorhersagen. Als nächstes wollen die Forscher den Impfstoff an größeren Tieren testen. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

13. März 2019
Homburg – Das Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) konnte mit einer Informationskampagne die Zahl der gegen Grippe geimpften Mitarbeiter gegenüber der Influenzasaison 2017/2018 verdreifachen.
Kampagne überzeugt Mitarbeiter am Universitätsklinikum des Saarlandes von Grippeimpfung
11. März 2019
Berlin – Nach dem Masernausbruch an einer Hildesheimer Schule und einer Häufung von Krankheitsfällen in Niedersachsen hat die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) erneut eine
Kinder- und Jugendärzte plädieren erneut für Impfpflicht gegen Masern
11. März 2019
Menlo Park – Facebook will die Verbreitung der Inhalte von Impfgegnern in dem Onlinenetzwerk einschränken. Facebookseiten und Gruppen, die „falsche Informationen über Impfungen verbreiten“, werden in
Facebook geht gegen Inhalte von Impfgegnern vor
11. März 2019
Genf – So viele Wissenschaftler wie nie zuvor arbeiten nach Angaben der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) derzeit an einem universellen Grippeimpfstoff. Bislang müssen Impfstoffe jährlich auf die
Intensive Forschung für universellen Grippeimpfstoff
7. März 2019
Berlin – Die Impfung gegen Herpes zoster – mit einem seit Mai 2018 in Deutschland zur Verfügung stehenden adjuvantierten subunit-Totimpfstoff – wird künftig für alle Personen ab einem Alter von 60
Impfung gegen Herpes zoster wird Kassenleistung
6. März 2019
Kopenhagen – Die wenigen Kinder, die in Dänemark nicht gegen Mumps, Masern und Röteln (MMR) geimpft werden, erkranken nach den Ergebnissen einer bevölkerungsweiten Kohortenstudie in den Annals of
Kein Hinweis auf Autismus durch MMR-Impfung in Dänemark
28. Februar 2019
Erlangen – Um Engpässe beim Grippeimpfstoff wie in der laufenden Saison zu vermeiden, sollen die Vorräte in Bayern künftig aufgestockt werden. Die Vorbestellmengen für Vertragsärzte sollen in den
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER