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Medizin

Capsaicin: Scharfes Essen senkt Sterberisiko von Chinesen

Donnerstag, 6. August 2015

dpa

Peking – Chinesen, die scharf gewürzte Speisen bevorzugen, was vor allem durch die Verwendung von Chili geschieht, hatten in einer prospektiven Beobachtungsstudie im British Medical Journal (BMJ 2015; 351: h3942) ein niedrigeres Sterberisiko – aber nur, wenn sie keinen Alkohol konsumierten.

Viele Chinesen mögen ihr Essen scharf und Chili-Pfeffer ist das bevorzugte Gewürz. Die Schärfe in den Chilis wird durch Capsaicin erzeugt. Capsaicin ist in den letzten Jahren zu einem beliebten medizinischen Forschungsobjekt geworden. PubMed listete am 5. August 2015 insgesamt 12.583 Einträge. Das Fettsäureamid, das seine Schärfe über Schmerzrezeptoren auf sensiblen Nervenzellen erzielt, soll antimikrobielle, antioxidative, entzündungshemmende und Anti-Krebs-Eigenschaften besitzen, darüber hinaus einen günstigen Einfluss auf die Darmflora haben und Anti-Adipositas-Effekte erzielen. In der Summe könnte dies zu einer Senkung der Sterblichkeit führen, der ein Team um Liming Li von der Universität Peking in einer Analyse der Kadoorie Biobank nachgegangen ist.

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Die Kohorte von mehr als einer halben Million Chinesen aus zehn Regionen wurde zu Beginn der Studie (2004 bis 2008) nach ihren Ernährungsgewohnheiten interviewt. Eine Frage betraf die Häufigkeit scharf gewürzter Speisen. Diese Angaben setzte Li mit den Sterbedaten in Verbindung. Bis 2013 waren während einer im Mittel 7,2-jährigen Nachbeobachtungszeit 11.820 Männer und 8.404 Frauen gestorben. Die Analyse ergab tatsächlich, dass Menschen, die häufig scharf gegessen hatten, eine etwas niedrigere Sterblichkeit hatten.

Im Vergleich zu Teilnehmern, die seltener als einmal pro Woche scharf gewürzte Speisen aßen, hatten diejenigen, die 1 oder 2 Tage in der Woche scharf aßen, ein um 10 Prozent geringeres Sterberisiko (Hazard Ratio HR 0,90; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,84-0,96). Für diejenigen, die 3 bis 5 Mal in der Woche stark gewürzte Speisen zu sich nahmen, war das Sterberisiko um 14 Prozent vermindert (HR 0,86; 0,80-0,92). Eine gleich große Risikominderung wurde für Personen gefunden, die 6 oder 7 Tage in der Woche scharf gewürzt speisten (HR 0,86; 0,82-0,90). Die Senkung der Sterberate beruhte auf einer Senkung der Zahl der Krebs- und Herz-Kreislauf-Todesfälle sowie der Todesfälle an Diabetes.

Der absolute Unterschied war aber gering: Scharfe Speisen senkten die Sterblichkeit um weniger als 2 Todesfälle pro 1.000 Personen-Jahre. Das dürfte zu wenig sein, um Chili-Pfeffer zu einem „funktional food“ zu erklären, das einen gesundheitlichen Zusatznutzen hat. Zumal nicht erwiesen ist, dass der Assoziation auch eine kausale Wirkung zugrunde liegt.

Die Forscher haben zwar etliche Eigenheiten ausgeschlossen, die als Risikofaktor infrage kämen. Darunter waren aber nur drei Angaben zu den Ernährungsgewohnheiten (Konsum von rotem Fleisch, frischem Gemüse und frischem Obst). Es ist deshalb nicht auszuschließen, dass nicht die Gewürze das Leben verlängern, sondern die Speisen, die damit gewürzt werden.

Wer die Ergebnisse dennoch als Ernährungsrichtlinie nutzen möchte, sollte tunlichst darauf achten, die Schärfe der Speisen nicht durch alkoholische Getränke abzumildern. Die Berücksichtigung des Alkoholfaktors führte in der Analyse nämlich dazu, dass die protektive Assoziation verschwand.

© rme/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Sonntag, 16. August 2015, 16:18

Grober Unfug: Chili-Essen soll Mortalität senken?

Zur völlig unhaltbaren Hypothese mit dem Titel im Deutschen Ärzteblatt "Capsaicin: Scharfes Essen senkt Sterberisiko von Chinesen" habe ich im British Medical Journal (BMJ) zusätzlich eine "Rapid Response" verfasst.

Denn chinesische Ernährungsgewohnheiten nur eines einzigen Monats wurden von einer Pekinger Forschungsgruppe einmalig als Fragebogen-Antwort übernommen und auch Jahre später niemals überprüft bzw. nachgefragt. Dennoch sollte daraus als angeblich "populationsbasierte Kohortenstudie" auf einen Kausalitäts-Zusammenhang bei allgemeiner und spezifischer Mortalität geschlossen werden - nicht mal die wissenschaftlichen Kriterien einer "Follow-up-Study" wurden eingehalten:

09 August 2015 - Thomas Georg Schaetzler
Family Medicine Unit Public GP-medical office/Fachpraxis Allgemeinmedizin
Medical Center Kleppingstr.

Get chili or die tryin' - Scientific Chinese Myth or Fairy-tale?

The scientific substance of the BMJ-article http://www.bmj.com/content/351/bmj.h3942/ could be summarized as follows: "Get chili resp. other hot spices or die trying" because it is not a prospective trial. It is more a modern fairy-tale combined with naive empiricism and a vague clinical correlation.

Once upon a time, between 2004 and 2008, a huge number of men and women of the People's Republic of China, participants from the China Kadoorie Biobank, were counted and asked only once whether they had had chili or other hot spices in their nutrition during the last single month. They were never asked about this afterwards.

In 2013 a group of Chinese scientists investigated the total and cause specific mortality in this population based cohort without further studying and investigating the nutritional habits of the participants.
The same results you would get when you ask from 2004 until 2008 if people have had caviar, oysters, lobsters, or saffron from the middle east in respect of using automobiles or washing machines and looking for their mortality some years later.

In the huge continent of China with its different meteorologic zones there are many regions where you cannot grow or afford Red Hot Chili Peppers. Many Chinese ethnic groups either have different nutritional habits or people are too poor to buy spices.

And this is the epidemiological truth about increased total and cause specific mortality: The poorer the people, the lower their standard of living and income, the higher is their total and cause specific morbidity and mortality.

This BMJ-publication is too spicy and indigestible.

Dr. med. Thomas G. Schaetzler (MD)
Family Medicine Unit
Public GP-medical office/Fachpraxis Allgemeinmedizin
Kleppingstr. 24 D 44135 Dortmund Germany
th.g.schaetzler@gmx.de
Competing interests: No competing interests

Quelle: http://www.bmj.com/content/351/bmj.h3942/rapid-responses
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 7. August 2015, 23:21

Technische Korrektur zu "Chili-Konsum und Mortalität – absurde BMJ-Publikation!"

Ausgerechnet im viert-größten Land der Welt, in der VR China, mit 9.598.060 km² und weit über 1 Milliarde an Einwohnern, verschiedenen Volksstämmen und Ethnien, mit diversen Regionen, Territorien und Landschaften (Gesamt-Europa 550 Millionen Einw.) die gesamte- und spezifische Mortalität auf den Verzehr von scharf gewürzten Speisen, vor allem auf die Verwendung von Chili, herunterbrechen zu wollen, ist eine unfassbar einfältige Krankheits-epidemiologische Stümperei ersten Ranges:

1. weil diese Studie niemals "prospektiv" war und ist [In the baseline questionnaire we asked the participants “During the past month, about how often did you eat hot spicy foods?”: never or almost never, only occasionally, 1 or 2 days a week, 3 to 5 days a week, or 6 or 7 days a week]. Denn als Ausgangspunkt diente ein Fragebogen, in dem "between 2004 and 2008" gefragt wurde, wieviel die Teilnehmer/-innen im letzten Monat an scharf gewürzten Speisen gegessen hatten?

2. Das "Follow-up" bezog sich einzig und alleine auf die Gesamt-Mortalität und die krankheitsspezifische Mortalität (Krebs, ischämische Herzkrankheit, cerebrovaskuläre Krankheiten, Diabetes mellitus, Lungenkrankheiten, Infektionen und sonstiges). Nach der Würzschärfe der Speisen wurde nie mehr wieder gefragt! ["Main outcome measures - Total and cause specific mortality."]

3. Im prospektiven Verlauf von 3.500.004 Personenjahren im „follow-up“ von 2004 bis 2013 [„During 3500004 person years of follow-up between 2004 and 2013“] lediglich die gesamte und spezifische Mortalität erfasst wurden. Aber ausschließlich mit einer einmalig vagen retrospektiven Erinnerung von Ernährungsgewohnheiten über einen einzigen vergangenen Monat zwischen 2004 und 2008 korreliert waren

4. Niemand kann prospektiv vorausschauend die Zukunft seiner folgenden Ernährungsgewohnheiten exakt angeben. Die meisten Menschen können sich allenfalls vage erinnern, was sie tatsächlich vorige Woche, und vor allem wie stark gewürzt sie etwas auch nur vorletzte Woche zu sich genommen haben.

Die chinesische Studie hinterfragt nicht einmal, ob in den Höhenlagen von Tibet, wo selbst die Eisenbahnlinie 4.000 Höhenmeter erreicht, Chili o. ä. überhaupt erworben werden kann? Sie fragt nicht, ob am südchinesischen Meer nicht eher mehr Fisch gegessen wird? Ob im kühleren Norden und in den Hochgebirgen des Südens der VR China Chili überhaupt wachsen, gedeihen und geerntet werden kann?

Und, "last but not least", die chinesische Forschergruppe fragt in ihrer dilettantischen BMJ-Publikation nicht ein einziges Mal, ob weitgehend arme, unterprivilegierte, konsum- und bildungsferne chinesische Bevölkerungsschichten an scharf gewürzte Speisen überhaupt denken, geschweige denn diese konsumieren zu können?

D a s ist doch das übereinstimmend konsentierte Ergebnis globaler Krankheits-epidemiologischer Untersuchungen: Gerade diese letztgenannten Bevölkerungsgruppen haben weltweit eine überhöhte gesamte- und spezifische Mortalität - Weil Du arm bist, musst Du früher sterben!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 6. August 2015, 21:49

Chili-Konsum und Mortalität – absurde BM-Publikation!

Ausgerechnet im viert-größten Land der Welt, in der VR China, mit 9.598.060 km² und weit über 1 Milliarde an Einwohnern, verschiedenen Volksstämmen und Ethnien, mit diversen Regionen, Territorien und Landschaften (Gesamt-Europa 550 Millionen Einw.) die gesamte- und spezifische Mortalität auf den Verzehr von scharf gewürzte Speisen, vor allem auf die Verwendung von Chili, herunterbrechen zu wollen, ist eine unfassbar einfältige Krankheits-epidemiologische Stümperei ersten Ranges:

1. weil diese Studie niemals "prospektiv" war und ist [In the baseline questionnaire we asked the participants “During the past month, about how often did you eat hot spicy foods?”: never or almost never, only occasionally, 1 or 2 days a week, 3 to 5 days a week, or 6 or 7 days a week]. Denn als Ausgangspunkt diente ein Fragebogen, in dem "between 2004 and 2008" gefragt wurde, wieviel die Teilnehmer/-innen im letzten Monat an scharf gewürzten Speisen gegessen hatten?

2. Das "Follow-up" bezog sich einzig und alleine auf die Gesamt-Mortalität und die krankheitsspezifische Mortalität (Krebs, ischämische Herzkrankheit, cerebrovaskuläre Krankheiten, Diabetes mellitus, Lungenkrankheiten, Infektionen und sonstiges). Nach der Würzschärfe der Speisen wurde nie mehr wieder gefragt! ["Main outcome measures - Total and cause specific mortality."]

3. Im prospektiven Verlauf von 3.500.004 Personenjahren im "follow-up" von 2004 bis 2013 ["During 3 500 004 person years of follow-up between 2004 and 2013"] wurden lediglich die gesamte und spezifische Mortalität erfasst. Aber ausschließlich nur mit einer vagen retrospektiven Erinnerung von Ernährungsgewohnheiten über einen einzigen vergangenen Monat zwischen 2004 und 2008 korreliert.

4. Niemand kann prospektiv vorausschauend die Zukunft seiner folgenden Ernährungsgewohnheiten exakt angeben. Die meisten Menschen können sich allenfalls vage erinnern, was sie tatsächlich vorige Woche, und vor allem wie stark gewürzt sie etwas auch nur vorletzte Woche zu sich genommen haben.

Die chinesische Studie hinterfragt nicht einmal, ob in den Höhenlagen von Tibet, wo selbst die Eisenbahnlinie 4.000 Höhenmeter erreicht, Chili o. ä. überhaupt erworben werden kann? Sie fragt nicht, ob am südchinesischen Meer nicht eher mehr Fisch gegessen wird? Ob im kühleren Norden und in den Hochgebirgen des Südens der VR China Chili überhaupt wachsen, gedeihen und geerntet werden kann?

Und, "last but not least", die chinesische Forschergruppe fragt in ihrer dilettantischen BMJ-Publikation nicht ein einziges Mal, ob weitgehend arme, unterprivilegierte, konsum- und bildungsferne chinesische Bevölkerungsschichten an scharf gewürzte Speisen überhaupt denken, geschweige denn diese konsumieren zu können?

D a s ist doch das übereinstimmend konsentierte Ergebnis globaler Krankheits-epidemiologischer Untersuchungen: Gerade diese letztgenannten Bevölkerungsgruppen haben weltweit eine überhöhte gesamte- und spezifische Mortalität - Weil Du arm bist, musst Du früher sterben!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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