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Medizin

Endoskope: FDA fordert höhere Hygienestandards, Studie bestätigt Lücken der Aufbereitung

Freitag, 7. August 2015

Litte Spring/Rochester – Fast ein halbes Jahr nachdem an einer Klinik in Kalifornien durch zwei kontaminierte Duodenoskope multi-resistente Keime übertragen wurden, hat die US-Arzneibehörde FDA neue Empfehlungen zur Aufbereitung der komplexen Endoskope veröffentlicht. Eine Studie im American Journal of Infection Control (2015; 43: 8: 794–801) zeigt, dass selbst einfache Gastroskope und Koloskope nur schwer keimfrei zu halten sind.

Duodenoskope werden für die endoskopische retrograde Cholangio­pan­krea­tikographie („ERCP“) ausgerüstet, die unter den routinemäßigen Endoskopien die schwierigste Untersuchung ist. Die Hightech-Geräte verfügen neben einer Optik über Werkzeuge zum Aufschlitzen der Papilla Vateri, dem Schließmuskel am gemeinsamen Ausgang von Gallen- und Bauchspeicheldrüsengang. Außerdem gibt es Katheter zum Einfangen oder Zertrümmern von Gallensteinen oder zum Einbringen von Stents in den Gallen­gang.

Die Aufarbeitung dieser Geräte ist kompliziert und zeitaufwendig, aber wichtig. Denn Keime in den Ritzen und Spalten des Geräts können schnell von einem Patienten auf den nächsten übertragen werden. Zumal es bei der ERCP leicht zu kleinen Verletzungen kommt, die das Eindringen der Keime erleichtern.

Der FDA sind in den letzten Jahren 75 Berichte zugetragen worden, in denen vermutlich 135 Patienten durch kontaminierte Duodenoskope mit Keimen infiziert wurden. Zu einer größeren Serie kam es zum Jahreswechsel am Ronald Reagan Medical Center in Los Angeles. Die Klinik musste 179 Patienten benachrichtigen. Sie waren über zwei Duodenoskope mit Carbapenem-resistenten Enterobacteriaceae exponiert worden. Wenigstens zwei Patienten sind an den Folgen der Infektion gestorben.

Die FDA nahm dies im Februar zum Anlass, die sachgemäße Reinigung und Desin­fektion der Geräte anzumahnen. Die Hersteller wurden verpflichtet, verbindliche Vorschriften zur Aufbereitung der Geräte herauszugeben. Die FDA schlägt jetzt vier zusätzliche Maßnahmen vor, von denen die Kliniken wenigstens eine umsetzen sollten.

  1. Mikrobakterielle Kulturen. Von den distalen Enden der Geräte sollten in regelmäßigen Abständen Abstriche entnommen und in einem bakteriologischen Labor untersucht werden. Während dieser Zeit sollte das Duodenoskop nicht verwendet werden. Die Centers for Disease Control and Prevention empfehlen Intervalle zwischen 4 Wochen und einem Jahr.
  2. Gas-Sterilisierung mit Ethylenoxid. Sie kann ein Duodenoskop keimfrei machen. Dies gelingt laut FDA allerdings nur, wenn die Geräte zuvor sorgfältig gereinigt und desinfiziert werden.
  3. Sterilisierung mit einer Flüssigkeit. Dies ist eine Alternative zur Gas-Sterilisierung. Sie gilt als weniger zuverlässig als eine Gas-Sterilisierung, da die Geräte nach der Sterilisierung mit Wasser gespült werden müssen, das niemals keimfrei ist.
  4. Wiederholte „high-level“-Desinfektion. Eine Reihe von Herstellern bieten zu diesem Zweck automatische Aufbereitungssysteme (AER) an, in denen die Endoskope mehrmals desinfiziert werden können.

Der FDA ist bewusst, dass die Maßnahmen zeitaufwändig und kostspielig sind und im Fall der mikrobiellen Untersuchung lange Leerzeiten entstehen, in denen die Geräte nicht genutzt werden können.

Eine weitere dieser Tage veröffentlichte Studie der Mayo Clinic in Rochester zeigt, dass selbst einfach konstruierte Gastroskope und Koloskope nur schwer keimfrei aufzu­bereiten sind. Cori Ofstedt und Mitarbeiter haben 15 Endoskope an vier Zeitpunkten untersucht. Nach der ersten Spülung im Untersuchungsraum wurden bei 92 Prozent der Geräte lebende Keime gefunden. Nach der manuellen Reinigung in einem Spezialraum waren noch 46 Prozent der Endoskope kontaminiert.

Nach der anschließenden automatischen „High-Level-Desinfektion“ stieg die Rate wieder auf 64 Prozent. Nachdem die Endoskope über Nacht gelagert wurden, sank die Rate auf 9 Prozent nach Lagerung über Nacht. Indikatorschnelltests auf ATP, Protein, Hämoglobin, Kohlenhydrate fielen nach der Spülung zu 100 Prozent, nach der Reinigung zu 92 Prozent, nach der High-Level-Desinfektion zu 73 Prozent und der Übernacht-Lagerung zu 82 Prozent positiv aus.

Gefährliche Krankheitskeime sind laut Ofstedt in keinem Fall nachgewiesen worden und die Gesundheit der Patienten war niemals gefährdet, betont Ofstedt. Die Untersuchung zeige jedoch, dass selbst die peinliche Berücksichtigung der Vorschriften (alle Ärzte der Studie wussten, dass sie überprüft wurden), nicht ausschließen kann, dass sich nach der Aufbereitung organisches Material auf dem Endoskop befindet. © rme/aerzteblatt.de

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