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Ärzteschaft

KBV fordert prästationäres MRSA-Screening

Freitag, 7. August 2015

Berlin –  Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) plädiert dafür, Risikopatienten vor planbaren Kranken­haus­auf­enthalten auf eine Infektion mit dem Erreger Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA) zu testen. In diesem Zusammenhang erneuerte KBV-Vorstandsvorsitzender Andreas Gassen die Forderung, prästationäre MRSA-Screenings ausreichend zu vergüten. Bislang übernehmen die Kassen die entsprechenden Kosten nur im Anschluss an einen  Kranken­haus­auf­enthalt.

„Das reicht nicht aus“, sagte Gassen. Um das Risiko der Verbreitung des Erregers im Krankenhaus zu verringern, müssten infizierte Patienten möglichst vorher erkannt und behandelt werden. Nach Ansicht der KBV sollten deshalb vor zeitlich planbaren stationären Operationen, zum Beispiel in der Orthopädie oder der Herz- und Gefäß­chirurgie, alle Risikopatienten auf MRSA untersucht werden. Im Falle eines positiven Abstriches könnte dann eine Sanierungsbehandlung erfolgen.

Gassen wies darauf hin, dass Krankenhäuser schon heute immer öfter von nieder­gelassenen Ärzten fordern, Risikopatienten vor der stationären Aufnahme auf MRSA zu testen. „Die Ärzte können diese Aufgabe übernehmen, doch müssen die Krankenkassen die Leistungen auch leistungsgerecht honorieren“, forderte der KBV-Chef.

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MRSA gilt hierzulande als der häufigste multiresistente Erreger. In den vergangenen Jahren hat er sich nach Angaben von Experten auch zunehmend außerhalb von Krankenhäusern ausgebreitet. Begünstigt wurde dies durch einen hohen Einsatz von Antibiotika – auch im ambulanten Bereich. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Montag, 10. August 2015, 01:26

Was nützt das Screening

wenn Besucher und Mitarbeiter der Krankenhäuser die primitivsten Hygieneregeln missachten und der Haupteingang damit für alle Keime weit offensteht?
wenn Besucher UNBEANSTANDET am Sterilliumspender vorbeigehen und selbst auf Aufforderung nur antworten, das sei ihre Sache...
Niemand schaut nach, ob die Besucher der Intensivstationen tatsächlich ihre Hände desinfizieren, niemand gibt eine Einweisung zum Anziehen der Einmalkittel, und niemand moniert, wenn der vorn offen getragen wird...
Am schlimmsten sind die Ärzte, die sich bei den Visiten quasi "autosteril" gebärden - da wird im Isolierzimmer der Mundschutz auf Halbmast getragen, Desinfizieren ist unnötig...
Meine Schwiegermutter war dieses Jahr von Februar bis Mai in verschiedenen Kliniken - ich hatte immer das Gefühl, ich sei der Einzige, der sich die Hände desinfiziert!
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Sonntag, 9. August 2015, 06:21

Der Kranken­haus­auf­enthalt besteht nicht nur aus der Op

Mit seinen Bemerkungen zur Sorgfalt und zur Hygiene bei Eingriffen hat mein Vorredner sicher Recht, aber es gibt auch genügend andere Gelegenheiten, MRSA im Krankenhaus zu übertragen. Egal, ob es der verwirrte Patient ist, der sich die Verbände herunter reißt und durch die Zimmer irrt, oder ob das Pflegepersonal in einer Streßsituation die Händehygiene unzureichend durchführt, oder ob ein MRSA-besiedelter Tracheostoma-Träger sich als Superspreader betätigt, in einem realen Krankenhaus das wirtschaftlich arbeiten muß, hat die "Basishygiene" leider immer Lücken.

Krankenhäuser können natürlich bei Aufnahme mittels PCR sehr schnell testen, das kostet aber das 5-10 fache einer Kultur, die dafür etwas länger dauert und deshalb ambulant abgenommen werden muss. Bei zwei Aspekten bin ich allerdings anderer Meinung als Herr Gassen:
Erstens ist eine Sanierung eine langwierige Angelegenheit und nicht immer erfolgreich, als Op-Verbereitung reicht in der Regel eine temporäre Reduktion der Keimlast, z.B. mittels Turixin-Nasensalbe.
Zweitens ist gerade bei orthopädischen Operationen eine Osteomyelitis auch durch einen "sensiblen" Staphylococcus aureus alles andere als trivial. Aus meiner Sicht stellt sich auch hier die Frage, ob nicht bei massiv besiedelten MSSA-Trägern präoperativ durch eine Lokalbehandlung der Nasenvorhöfe die Keimlast deutlich reduziert werden sollte. Zwar bekommen diese Patienten meist auch eine systemische Antibiotikagabe als Prophylaxe, aber in schlecht durchbluteten Bereichen bleiben die Wirkspiegel niedrig.

Resistenzen gegen Mupirocin sind zumindest in meiner Region selten (deutlich unter 5% der Isolate), diesen Wert sollte man bei seinem lokalen Labor erfragen, da beim ambulanten MRSA-Screening aus Kostengründen eine Resistenztestung nicht gemacht und nicht bezahlt wird. Zumindest könnte man dann auf desinfizierende Salben zurückgreifen, dort spielen Resistenzen keine Rolle.

Die Aufgabe des Screenings ist deshalb auch nicht die Stigmatisierung und "Einzelhaft" der Patienten, sondern ein vernünftiger Ausgleich zwischen den Ansprüchen Wirtschaftlichkeit, Schutz vor Ansteckung und Wahrung der Persönlichkeitsrechte der betroffenen Patienten.
Avatar #110206
kairoprax
am Freitag, 7. August 2015, 19:56

Staphylokokken bleiben Staphylokokken, auch wenn sie antibiotikaresistent sind / 2.Teil

Das Risiko liegt in den Begriffen "nosokomial" und "iatrogen", und nicht in dem Kunstwort MRSA. Deswegen ist auch das Operieren bei Risikopatienten riskant wegen der Grundkrankheit, die den Patienten zum Risikopatient macht, nicht aber ein möglicher Befall mit Resistenten Keimen, z.B. im Nasen-Rachenraum.
Es wird aber sicher das Risiko eines Risikopatienten erhöht, wenn die Wartezeit sich vor der OP verlängert, weil er zuerst "saniert werden soll". Sanieren, zu deutsch "heilmachen" würde im Fall des Versuchs einer Eradikation lediglich bedeuten, daß seltene, neue und sicher teure Antibiotika zum Einsatz kommen, die dann Nebenwirkungen aufweisen und in einem nicht zu unterschätzenden Teil wieder zu Resistenzen führen.
Ich denke, wir sind uns hier einig.
Daß wir Ärzte die Infektionen verursachen und die Keime verbreiten, liße sich in derselben Ausgabe des DÄB nachlesen unter der Adresse
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/63732
Warum, Herr Gassen, macht die KBV nicht endlich eine Kehrtwende, weg von der auf Dauer erfolglosen Vorschläge, MRSA ausrotten zu wollen?
Warum nicht so operieren, als gäbe es vorher und hinterher keine Antibiotika?
Das hieße, sauber abdecken, gründlich desinfizieren und sachgerecht sterilisieren.
An eben diesen Mängeln hat es in Mannheim und Karlsruhe gehapert, nicht an einer Epidemie mit resistenten Keimen.
Es wirkt auf mich, als habe die KBV nichts verstanden, und als wolle die KBV auch nichts verstehen, wenn sie Parolen ausgibt, Hausärzte sollen schon vorab klären, wer welche Keime in sich trägt. Wollen Sie in der Konsequenz Ausweise, ähnlich denen mit den Blutgruppen oder den Allergien, in denen jeder Patient zu dokumentieren hat, gegen welches Antibiotikum seine Staphylokokken resistent sind.
Lieber Kollege Gassen, Staphylokokken mit und ohne Rseistenz unterscheiden sich ebensowenig wie Menschen mit und ohne Tetanusimpfung. Man kann sie mittels Tests auseinanderhalten. Aber Staphylokokken auszurotten wäre Selbstmord, denn sie gehören zu unseren Hautschutzkeimen.
Daß sie auch als Nützlinge, die sie ihrer Natur nach sind, nicht in offene Wunden kommen sollen, steht auf einem anderen Blatt.
Drücken wir es mal so aus. Unsere Generation Chirurgen (ich zähle mich auch dazu...) hat die Existenz hochwirksamer Antibiotika als Sicherheitsfaktor betrachtet, um nicht 100% steril arbeiten zu müssen. Damit haben wir die Keime, die wir jetzt als gefährlich bezeichnen selbst gezüchtet.
Lieber Herr Gassen, diese Keime sind nicht eingeschleppt worden, sondern sie sind gemacht - oder mit anderen Worten iatrogen und nosomomial.

Bitte denken DSie nach und denken Sie um!
Ihr
Karlheinz Bayer
Avatar #110206
kairoprax
am Freitag, 7. August 2015, 19:38

Staphylokokken bleiben Staphylokokken, auch wenn sie antibiotikaresistent sind


Sehr geehrter Herr Gassen, liebe KBV,
als Orthopäde und Unfallchirurg sollte Ihnen bekannt sein, daß Infektionen immer auf eine unsaubere Arbeitsweise zurückzuführen sind, oder umgekehrt, daß Infektionen ungkleich seltener sind, wenn sauber gearbeitet wird.
Das Risiko liegt in den Begriffen "nosokomial" und "iatrogen", und nicht in dem Kunstwort MRSA. Deswegen ist a

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/63732
LNS

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