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Ärzteschaft

Mediziner beklagen unzureichende Gesundheits­versorgung von Flüchtlingen

Freitag, 7. August 2015

Zeltstadt in Dresden /dpa

Berlin – Der anhaltende Flüchtlingsstrom bringt Städte und Gemeinden in ganz Deutschland an ihre Grenzen.  Vor allem Unterbringung und medizinische Betreuung stellen die Kommunen vor enorme Herausforderungen.  „Wir benötigen hier schnelle Hilfe vom Bund“, mahnte Berlins Sozialsenator Mario Czaja (CDU). Er forderte eine „faire Lastenverteilung“ für die Erstaufnahme der Flüchtlinge. Sein Vorschlag: Der Bund solle Unterkünfte und Verpflegung bezahlen, umliegende Großstädte die gesundheitliche Betreuung der Flüchtlinge übernehmen.

Der Handlungsbedarf ist groß. Das zeigt beispielsweise der Blick auf die Dresdener Zeltstadt für Flüchtlinge. Die hier herrschenden unzureichenden medizinischen und hygienischen Bedingungen seien Ursache für zahlreiche Erkrankungen, erklärten Gerhard Ehninger und Kai Loewenbrück vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden gegenüber Zeit online. Beide Mediziner arbeiten als Freiwillige in dem Flüchtlingscamp. 

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Eine Epidemie drohe aber wohl nicht, erklärte die ärztliche Geschäftsführerin der Lan­des­ärz­te­kam­mer, Patricia Klein, am Freitagabend. Sobald ein Patient Durchfall habe, werde dieser ins Krankenhaus geschickt. Das Gesundheitsamt der Stadt sei jeden Tag vor Ort, um die Standards zu kontrollieren. Laut Klein, die sich ehrenamtlich in der Zeltstadt engagiert, werde gerade ein Notfallplan für Epidemien erstellt. Die Dresdner Krankenhäuser seien auf eine solche Situation vorbereitet.

„Medikamente können nicht vernünftig gelagert werden, teils stammt das Material aus im Jahr 2007 abgelaufenen Verbandskästen“, monierte Ehninger. Es gebe keine Möglichkeit, Männer und Frauen getrennt voneinander zu untersuchen. Zudem fehle es an Untersuchungsliegen, Blutdruckmessgeräten, Stethoskopen, Desinfektionsmitteln und einer ausreichenden Anzahl von Toiletten. So hätten sich in der Zeltstadt virale Durchfallerkrankungen und die Krätze ausbreiten können.

Gleichzeitig mangelt es bundesweit an psychiatrisch-psychotherapeutischen Hilfsangeboten für Flüchtlinge und Asylsuchende.  Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) leiden 40 Prozent der Flüchtlinge unter traumatisierenden Erfahrungen, die Rate für Posttraumatische Belastungsstörungen sei bei Flüchtlingen zehnmal höher als in der Allgemeinbevölkerung.

„Deutschland muss für Flüchtlinge und Asylsuchende einen adäquaten Zugang zum Gesundheitssystem schaffen und den Zugang zu psychiatrisch-psychotherapeutischen Hilfsangeboten sicherstellen“, forderte DGPPN-Präsidentin Iris Hauth. Sie plädierte dafür, die interkulturelle Kompetenz von Behandlungsteams und Gutachtern gezielt auszu­bauen und in der Flüchtlingshilfe stärker auf Sprach- und Kulturmittler  zu setzen. Seit Jahresbeginn haben in Deutschland fast 180.000 Menschen einen Asylantrag gestellt. © hil/aerzteblatt.de

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SOCO10
am Sonntag, 9. August 2015, 16:39

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