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Medizin

Brustkrebs: Hypofraktionierung macht Radiotherapie angenehmer

Freitag, 7. August 2015

dpa

Houston/Ann Arbor – Eine weit verbreitete Skepsis gegenüber der hypofraktionierten Radiotherapie beim Mammafrühkarzinom ist nach den Ergebnissen von zwei aktuellen Studien in JAMA Oncology (2015; doi: 10.1001/jamaoncol.2015.2590 und 2666) unbegründet. In beiden Studien litten die Patientinnen nach der Hypofraktionierung seltener unter lokalen Nebenwirkungen und ihre Lebensqualität wurde durch die Verkürzung der Therapie verbessert.

Eine Strahlentherapie des Mammakarzinoms erfordert von den betroffenen Frauen viel Geduld. Nach einer brusterhaltenden Operation werden heute üblicherweise 50 Gray verabreicht in Teilbestrahlungen von 1,8 bis 2,0 Gray. Das ergibt mindestens 25 Bestrahlungen und bei fünf Terminen pro Woche eine Gesamtdauer von fünf Wochen. Bei der Hypofraktionierung wird die Einzeldosis beispielsweise auf 2,666 Gray erhöht. Dabei kann die Gesamtdosis aus strahlenbiologischen Gründen auf 40 Gray vermindert werden. Die Gesamtdauer der Strahlentherapie wird dann auf drei Wochen und einen Tag verkürzt. Die Frauen gewinnen dadurch zwei Wochen Zeit und auch für die Anbieter sollten sich die Kosten vermindern.

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In den letzten Jahren konnte in mehreren randomisierten Studien gezeigt werden, dass die Hypofraktionierung gleich gute Langzeitergebnisse erzielt wie die konventionelle Radiotherapie. Dennoch stehen viele Ärzte der Verkürzung zurückhaltend gegenüber. Sie befürchten häufigere lokale Nebenwirkungen infolge der höheren Einzeldosen. Es gab Bedenken bezüglich adipöser und größerer Frauen. Außerdem gab es Fragen zur Kombination mit speziellen Bestrahlungsformen, etwa einer Boost-Bestrahlung des Tumorbetts.

Das MD Anderson Cancer Center in Houston versucht, diese Bedenken jetzt durch eine weitere randomisierte klinische Studie zu zerstreuen. An mehreren Standorten der renommierten Klinik wurden 287 Frauen auf eine konventionelle Bestrahlung mit 50 Gray, verteilt auf 25 Termine, oder auf eine Hypofraktionierung mit 42,56 Gray mit 16 Terminen randomisiert. In beiden Gruppen erhielten die Frauen zum Abschluss noch eine Boost-Bestrahlung des Tumorbetts. Drei Viertel der Frauen waren übergewichtig oder fettleibig.

Wie das Team um Simona Shaitelman jetzt berichtet, kam es nach der Hypofrak­tionierung trotz der höheren Einzeldosen nicht häufiger, sondern sogar seltener zu lokalen Nebenwirkungen. Eine akute Dermatitis diagnostizierten die Ärzte bei 36 Prozent statt 69 Prozent der Frauen. Juckreiz trat bei 54 Prozent statt 81 Prozent der Frauen auf. Auch Schmerzen in der Brust waren mit 55 Prozent gegenüber 74 Prozent seltener, ebenso Hyperpigmentierung (9 Prozent versus 20 Prozent) oder eine Abgeschlagenheit (Fatigue) während der Bestrahlung (9 Prozent versus 17 Prozent).

Auch sechs Monate nach der Bestrahlung klagten weniger Frauen über Fatigue (0 Prozent versus 6 Prozent), Energiemangel (23 Prozent versus 39 Prozent) oder über eine familiäre Überforderung (3 Prozent versus 9 Prozent), wenn die Bestrahlung auf einen kürzeren Zeitraum komprimiert wurde.

Auch in der Kohorte von 2.309 Frauen, die Reshma Jagsi von der Universität von Michigan in Ann Arbor beobachtete, ging es den Frauen nach einer hypofraktionierten Radiotherapie besser. Die Studie war nicht randomisiert, spiegelte dafür aber die aktuellen Therapien besser wider.

Wie in den USA derzeit üblich entschieden sich mehr Frauen für die konventionelle Bestrahlung (1.731 gegen 578 mit Hypofraktionierung). Wie in der randomisierten Studie kam es nach der konventionellen Bestrahlung häufiger zu Hautreaktionen, Brust­schmerzen, Fatigue, sowie zu stechenden oder brennenden Empfindungen in der Brust. Auch hier waren alle Frauen brusterhaltend operiert worden. Die Lumpektomie ist beim Mammafrühkarzinom die häufigste Indikation zur Radiotherapie.

Die deutschen Fachgesellschaften halten die Hypofraktionierung bei älteren Patientinnen ohne lokoregionären Lymphknotenbefall mit weniger als 5 cm großen Tumoren für eine Option, sofern die Frauen keine Chemotherapie benötigen. © rme/aerzteblatt.de

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