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Medizin

Ösophaguskarzinom: Neoadjuvante Radiochemotherapie verlängert Lebenszeit

Montag, 10. August 2015

Rotterdam – Eine neoadjuvante Radiochemotherapie kann bei Patienten mit resektablem Ösophaguskarzinom die Überlebenszeit deutlich verlängern. Dies kam in einer randomisierten Studie heraus, deren Langzeitergebnisse jetzt in Lancet Oncology (2015; doi: 10.1016/S1470-2045(15)00040-6) veröffentlicht wurden.

Zwischen März 2004 und Dezember 2008 waren an acht Zentren in den Niederlanden insgesamt 368 Patienten mit Ösophaguskarzinomen im Stadium (T1N1M0 oder T2-3N0-1M0) auf eine alleinige Resektion oder auf eine zusätzlich neoadjuvante Radio­chemotherapie randomisiert worden. Diese Patienten erhielten vor der Operation fünf Zyklen einer Chemotherapie mit Carboplatin und Paclitaxel sowie eine Radiotherapie mit 41,4 Gray verteilt auf 23 Fraktionen. Primärer Endpunkt der Oesophageal Cancer Followed by Surgery Study (CROSS) war das Gesamtüberleben.

Bereits in einer früheren Publikation hatte das Team um Ate van der Gaast von der Erasmus Universität in Rotterdam zeigen können, dass die adjuvante Radiochemo­therapie, die Überlebenszeiten der Patienten deutlich verlängert (NEJM 2012; 366: 2074-2084). Inzwischen wurde die Studie abgeschlossen. Nach median 84,1 Monaten waren im Arm mit neoadjuvanter Radiochemotherapie noch 73 von 178 Patienten (41 Prozent) am Leben gegenüber 53 von 188 Patienten (28 Prozent) in der Vergleichsgruppe mit alleiniger Operation.

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Die medianen Überlebenszeiten betrugen 48,6 Monate gegenüber 24,0 Monaten. Die neoadjuvante Radiochemotherapie hatte damit die Überlebenszeit der Patienten verdoppelt – wenn auch zum Preis der typischen Nebenwirkungen und Komplikationen wie Fatigue, Nausea, Leukopenie und Thrombozytopenie. Eine erhöhte perioperative Sterblichkeit durch die vorgezogene Radiochemotherapie konnte jedoch vermieden werden.

Trotz dieser Ergebnisse ist Christophe Mariette von der Universitätsklinik in Lille nicht vollständig überzeugt, dass die Ergebnisse der CROSS-Studie das letzte Wort in der Behandlung des resektablen Ösophaguskarzinoms sind. Eine frühere Studie (NEJM 2006; 355: 11-20) habe gezeigt, dass auch eine perioperative Chemotherapie (ohne Bestrahlung) die Überlebenszeiten verlängere.

Mariette wartet deshalb mit Spannung auf die Ergebnisse einer Studie aus Irland, die derzeit beide Therapien miteinander vergleicht (NCT01726452). Der Editorialist weist auch darauf hin, dass der Überlebensvorteil bei den Patienten mit Plattenepithelkarzinom am größten war, während der Vorteil für das Adenokarzinom, auf das die meisten Ösophaguskarzinome entfallen, das Signifikanzniveau verfehlte.

Offen ist für Mariette auch, ob die in der CROSS-Studie wendete Kombination aus Carboplatin und Paclitaxel die beste Wahl ist. In Frankreich wird dieses Schema gerade in einer Vergleichsstudie mit dem FOLFOX-Regime aus Fluorouracil/Folinsure und Oxaliplatin verglichen (NCT02359968). © rme/aerzteblatt.de

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