NewsÄrzteschaft„Junge Ärzte wollen forschen!“
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

„Junge Ärzte wollen forschen!“

Montag, 10. August 2015

Köln – Ein klares Bekenntnis zur Wissenschaft und bessere Rahmenbedingungen für forschende Ärzte fordert das Bündnis JUNGE ÄRZTE (BJÄ) in einem neuen Positionspapier.

5 Fragen an Dr. med. Kevin Schulte vom BJÄ

DÄ: Das BJÄ hat ein Positionspapier zur akademischen Forschung vorgestellt. Ist das nicht ein Spezialthema?
Schulte: Nein. Eine hochwertige Patientenversorgung benötigt medizinischen Fortschritt und wissenschaftlich versierte Ärzte. Was wir heute herausfinden, hilft uns auch noch in 50 Jahren. Wissenschaft ist eine Investition in die Zukunft!

DÄ: Woran mangelt es?
Schulte: Das Hauptproblem für junge Ärzte, die forschen wollen, ist die fehlende Zeit. Bei dem derzeitigen Versorgungsdruck in der Klinik ist vernünftige Forschung kaum noch zu leisten. Wir fordern ein Ende der „Forschung in der Freizeit“.

Wir vermissen ein klares Bekenntnis zur Wissenschaft. Forschende Ärzte haben es im Augenblick schwer, zum Beispiel verlängert sich durch das wissenschaftliche Arbeiten meist die Facharztweiterbildung.

DÄ: Was fordern Sie von der Politik?
Schulte: Wichtig sind weitere Forschungsstellen für wissenschaftlich interessierte junge Ärzte an Unikliniken beziehungsweise medizinischen Fakultäten. Klinisch und wissen­schaftlich tätige Ärzte sollten auch von der Bezahlung gleichgestellt sein. Außerdem muss der chronischen Unterfinanzierung der akademischen Krankenhäuser entgegen­gewirkt werden, damit ihnen genügend Ressourcen für die Sonderaufgaben im Bereich der Forschung und der Aus-und Weiterbildung bleiben.

DÄ: Was muss sich bei den Kliniken ändern?
Schulte: Der Trend zur Ausrichtung des Klinikmanagements nach ökonomischen Gesichtspunkten darf nicht zu einer Marginalisierung von Wissenschaft und Forschung an diesen Kliniken führen. Wir brauchen vielmehr gezielte Investitionen im Forschungs­bereich. Außerdem muss die Quersubventionierung der Patientenversorgung durch Drittmittel ausgeschlossen sein.

DÄ: Was fordert das BJÄ von der ärztlichen Selbstverwaltung?
Schulte: Es ist wichtig, dass auch die ärztliche Selbstverwaltung sich klar zur Wissen­schaft bekennt und zum Beispiel bürokratischen Hemmnissen deutlich entgegenwirkt. Sehr wichtig wäre eine flächendeckende Anerkennung von Forschungszeiten als fakultativer Inhalt der Facharztweiterbildung.

In unserem Positionspapier schlagen wir vor, bis zu zwölf Monate wissenschaftliche Tätigkeit als Weiterbildungszeit anzuerkennen. Wissenschaftlicher Fortschritt ist immerhin die Grundlage dafür, dass die Patientenversorgung immer besser wird. Wir als akademischer Nachwuchs brauchen eine realistische Perspektive und adäquate Rahmenbedingungen. Denn eines ist ganz klar: Das Interesse und die Begeisterung ist da – junge Ärzte wollen forschen! © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

28. Oktober 2020
Bonn – Entscheidende wissenschaftliche Erfolge beruhen darauf, dass die notwendige digitale Expertise vorhanden ist und mit dem disziplinspezifischen Fachwissen kombiniert wird. Das betont die
Was die Digitalisierung für die Wissenschaft bedeutet
27. Oktober 2020
Berlin – Massive Auseinandersetzungen über den Finanzrahmen des nächsten europäischen Förderprogramms für Forschung und Innovation „Horizont Europa“ gibt es derzeit zwischen dem Europäischen Rat und
Streit um Finanzierung des neuen EU-Forschungsrahmenprogramms
14. Oktober 2020
Dresden/Bochum – Zusammen mit Kollegen in Bochum und Halle untersuchen Medizinwissenschaftler der TU Dresden die Folgen der Coronapandemie für Krebspatienten. Der Forschungsverbund CancerCOVID wird
Onkologie: Versorgung bei Pandemie wird erforscht
12. Oktober 2020
Hamburg/Aachen – Ärzte des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und der Uniklinik der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen haben ein bundesweites „Deutsches
Neues bundesweites Forschungsnetzwerk zu Autopsien
5. Oktober 2020
Stockholm – Der diesjährige Nobelpreis geht an 3 Forscher, die an der Entdeckung des Hepatitis-C-Virus beteiligt waren. Der amerikanische Anthropologe Harvey Alter hatte in den 1970er-Jahren die
Medizinnobelpreis für die Entdeckung des Hepatitis-C-Virus
1. Oktober 2020
Berlin – Aus den deutschen Universitätskliniken kommen Warnungen vor einer Zuspitzung der Coronapandemie in Deutschland. Die Situation sei „noch nicht dramatisch“, bedürfe aber einer „sehr ernsthaften
Unikliniken mahnen bei Coronakrise zur Wachsamkeit
25. September 2020
Berlin – Schnittstellenprobleme und unterschiedliche Datenformate verhindern weiterhin, dass Wissenschaftler die in verschiedenen Gesellschaftsbereichen erhobenen anonymisierten Daten miteinander
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER