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Ärzteschaft

Weiterbildung: Marburger Bund fordert gleiche Rahmenbedingungen für Ärzte in Kliniken und Praxen

Dienstag, 11. August 2015

dpa

Berlin – Ärztinnen und Ärzte, die in den Praxen niedergelassener Ärzte ihre Weiter­bildung absolvieren, dürfen nicht schlechter gestellt sein als ihre Kolleginnen und Kollegen im Krankenhaus. Das hat der Marburger Bund (MB) heute in Berlin gefordert. Die Ärztegewerkschaft kündigte an, für Mitglieder, die eine ambulante Weiterbildung absolvieren, einen Muster-Anstellungsvertrag zu erarbeiten, der deren Arbeitnehmer­rechte verbindlich regle.

„In der Weiterbildung gibt es zurzeit zwei Welten“, erklärte der 2. Vorsitzende des MB, Andreas Botzlar. In der stationären sei weitgehend alles in Ordnung. Dort regle ein Tarifvertrag Gehalt, Urlaubsansprüche oder Kündigungsfristen, während die Ärzte in Weiterbildung im ambulanten Bereich zu Bittstellern würden. Obwohl es einen entsprechenden Beschluss des Deutschen Ärztetages gebe, sei es bislang nicht gelungen, auch für diese einen Tarifvertrag auszuhandeln, weil es keine tariffähige Arbeitgeberorganisation gebe. Deshalb will der MB Botzlar zufolge jetzt das Reglement der Tarifverträge über den Muster-Anstellungsvertrag in den individuellen Arbeits­verträgen verankern.

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Selbstverpflichtungen ermöglichen es, Regeln nicht einzuhalten
In der Vergangenheit sei es immer wieder vorgekommen, dass die Fördergelder, die von Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen in die ambulante allgemeinme­dizinische Weiterbildung fließen, nicht im vollen Umfang an die Weiterzubildenden ausgezahlt wurden, begründete Botzlar den Vorstoß des MB. „Von Selbstverpflichtungen oder Kodizes einzelner Berufsverbände halten wir nichts. Denn sie bieten keine Sanktionsmöglichkeiten bei Missverhalten.“  Am Ende seien sie eine Einladung, sich nicht an Regeln zu halten, erklärte der 2. MB-Vorsitzende.

MB-Vorstand Hans-Albert Gehle begrüßte die gesetzliche Klarstellung im GKV-Versor­gungs­stärkungsgesetz (VSG), wonach Weiterzubildende in den Praxen niedergelassener Ärzte künftig eine dem Tarifgehalt in Krankenhäusern entsprechende Vergütung erhalten sollen. Deren Arbeitgeber seien mithin verpflichtet, den derzeitigen Förderbeitrag von 3.500 Euro entsprechend aufzustocken.

Einer Stiftungslösung zur Finanzierung der ambulanten Weiterbildung, wie sie die Kassenärztliche Bundesvereinigung favorisiert, erteilte er jedoch eine klare Absage. „Ärzte in Weiterbildung sind keine Auszubildenden“, sagte Gehle. Sie seien vielmehr ärztlich tätig und müssten ihre Leistungen entsprechend abrechnen können, forderte er. Zurzeit sei es aber so, dass die Praxen ihren Leistungsumfang nicht derart ausweiten dürften, dass sich die Anstellung eines Weiterzubildenden refinanziere. „Die KVen sind aufgerufen, das zu lösen“, erklärte Gehle. Denn das VSG schaffe die Möglichkeit, das Praxisvolumen entsprechend zu erweitern.

Niederlande taugen nicht als Vorbild
Das Stiftungsmodell taugt nach Ansicht des MB-Vorstandes lediglich, um Weiter­bildungs­strukturen wie beispielsweise Train the Trainer- oder Mentoringprogramme zu finan­zieren. Diese zusätzlichen Infrastrukturkosten bilde auch das Fallpauschalensystem im Krankenhaus nicht ab.

Kritik übte der MB daran, dass künftig fünf Prozent der Summe aus dem Förderpro­gramm Allgemeinmedizin in die Unterstützung von Kompetenzzentren an Universitäten fließen können, wie es das VSG vorsieht. Solche universitären Einrichtungen seien primär für die medizinische Aus- und nicht für die Weiterbildung zuständig, so der MB.

Kompetenzzentren und ein Stiftungsmodell existierten vor allem in den Niederlanden. Nach Ansicht von MB-Vorstand Gehlen taugen sie indes nicht als Vorbild für Deutschland. Dort seien die Weiterbildungsstellen kontingentiert und außerdem schlechter bezahlt als hierzulande. „Wer was wird, ist in Deutschland jedem selbst überlassen. Wir wollen nicht, dass das jemand anders festlegt“, ergänzte Gehles Vorstandskollege Botzlar. © HK/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #79783
Practicus
am Sonntag, 16. August 2015, 13:49

Einverstanden

Aber dann soll der Marburger Bund bitte dafür sorgen, dass die Leistungen der WBA auch alle abgerechnet werden dürfen - außerhalb des RLV! Gleiche Pflichten .- gleiche Rechte! In KH-Ambulanzen erbringen WBA fast alle Leistungen, und der "Facharztstandard" befindet sich am Ende der Telefonleitung zuhause - trotzdem zahlen die Kassen dafür! In der Praxis muss der weiterbildende Arzt jeden Cent über der Förderung aus seinem NETTO(!) bestreiten, da ein WBA das Abrechnungsvolumen nicht erhöhen darf!
LNS
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