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Medizin

Gendefekt verursacht Mitralklappenprolaps

Dienstag, 11. August 2015

Boston – Eine Punktmutation in einem Gen, das für den geordneten Aufbau des Bindegewebes benötigt wird, kann einen Mitralklappenprolaps auslösen. Der in Nature (2015; doi: 10.1038/nature14670) beschriebene Gendefekt liefert erstmals, wenn auch nur in ausgewählten Familien, eine Erklärung für den häufigsten angeborenen „Herzfehler“.

Schätzungsweise einer von 40 Menschen wird mit einer Strukturschwäche der Mitral­klappe geboren, die die linke Herzkammer bei der Systole gegen den linken Vorhof abdichtet und damit eine wichtige Voraussetzung für eine effektive Pumpleistung des Herzmuskels schafft.

Die Strukturschwäche führt dazu, dass die beiden Segel sich bei der Systole in den Vorhof vorwölben, was als Prolaps im Ultraschall sichtbar ist und auf Dauer zu einer Undichtigkeit der Klappe mit einem Rückfluss des Blutes in den Vorhof führen kann. Der Mitralklappenprolaps kann Kurzatmigkeit, Herzrhythmusstörungen und eine Herzinsuffizienz auslösen. Er ist der häufigste Grund für eine Operation an der Mitralklappe.

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Ein Mitralklappenprolaps kann im Rahmen von Bindegewebserkrankungen wie dem Marfan-Syndrom auftreten. Bei den meisten Patienten finden sich allerdings keine weiteren Störungen. Die Erkrankung tritt familiär gehäuft auf, weshalb genetische Ursachen vermutet wurden, die bislang aber im Dunkeln blieben. Jetzt ist es einem internationalen Forscherteam um Susan Slaugenhaupt von der Harvard Medical School in Boston erstmals gelungen, einen Gendefekt zu finden, der zum Mitralprolaps führt.

Der Defekt wurde zunächst in einer Familie westeuropäischer Herkunft gefunden, in der ein Mitralklappenprolaps in einem autosomal dominanten Erbgang auftrat. Die Mutation befindet sich auf dem Chromosom 11 in einem Gen, das zuerst bei der Fruchtfliege gefunden wurde und als DCHS1 bezeichnet wird. Es enthält die Erbinformation für ein Protein, das zu den Cadherinen gehört.

Diese Proteine sind für den Kontakt zwischen einzelnen Zellen zuständig. Die Ausschaltung des Gens löste bei Mäusen einen Mitralklappenprolaps aus, der sich auf eine fehlerhafte Bildung der Segel zurückführen ließ. Slaugenhaupt vermutet deshalb, dass DCHS1 auch beim Menschen für die Bildung der Mitralklappe benötigt wird.

Die Forscher haben inzwischen bei zwei weiteren Familien (andere) Mutationen in DCHS1-Gen entdeckt. Wie häufig DCHS1-Gendefekte in der Bevölkerung sind, ist allerdings noch unklar. © rme/aerzteblatt.de

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