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KBV: Stiftungsmodell zur Finanzierung der Weiterbildung ist erfolgsversprechend

Mittwoch, 12. August 2015

Regina Feldmann

Köln – Für nicht zielführend hält die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) den Musterarbeitsvertrag, den der Marburger Bund (MB) zurzeit für Ärztinnen und Ärzte erarbeitet, die eine ambulante Weiterbildung absolvieren. Auch dessen Kritik an einer Stiftung zur Finanzierung der ambulanten Weiterbildung weist die KBV zurück.

Im ambulanten Bereich herrsche das freie Vertragsverhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, betonte heute KBV-Vorstand Regina Feldmann. Das könne man nicht mit einem Einheitsvertrag übergehen. Mögliches Lohndumping schloss Feldmann aus. Denn das Versorgungsstärkungsgesetz, das am 23. Juli in Kraft trat, stelle klar, dass die Förderung von 3.500 Euro je allgemeinmedizinischer Weiterbildungsstelle von den Weiterbildungsstätten auf die im Krankenhaus übliche Vergütung anzuheben und an den Arzt in Weiterbildung in voller Höhe auszuzahlen sei. Feldmann betonte, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen bereits heute überprüften, ob ausgezahlte Fördergelder die Weiterbildungsassistenten auch wirklich erreichten.

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Weiterbildungskosten von Krankheitskosten entkoppeln
Für nicht nachvollziehbar hält sie, dass der Marburger Bund das KBV-Modell einer Stiftung Weiterbildung nach niederländischem Vorbild ablehnt. Im KBV-Modell würden die Weiterbildungskosten über eine aus Steuermitteln gespeiste Stiftung finanziert und seien so von den Krankheitskosten entkoppelt. „Im Klinikbereich hierzulande ist es dagegen heute noch so, dass die Weiterbildungskosten für Klinikassistenten in den DRGs eingepreist sind, egal, ob die jeweilige Klinik weiterbildet oder nicht“, erklärte Feldmann. Die Wirtschaftlichkeit einzelner DRG-Positionen entscheide darüber, ob Weiterbildungsstellen überhaupt angeboten würden oder nicht.

Feldmann hält darüber hinaus den Vergleich, den der Marburger Bund zur Weiterbildung in Deutschland und in den Niederlanden anstellt, für unzulässig. In den Niederlanden sei der Zugang zur Facharztweiterbildung stark reglementiert und nicht mit dem deutschen System zu vergleichen: „Wir haben den freien Zugang zur Weiterbildung. Ein hohes Gut, dass wir anerkennen und schützen sollten. Anzuerkennen ist aber ebenso, dass in den Niederlanden keine Nachwuchsprobleme in der hausärztlichen Versorgung bekannt sind.“

Auch die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) hat heute die „massive Abwehrhaltung“ des MB gegen das Stiftungsmodell zur Förderung der ambulanten Weiterbildung kritisiert. In erster Linie wehrte sich die Fachgesellschaft jedoch gegen die Kritik des MB an der Förderung universitärer Kompetenzzentren, wie sie das VSG vorsieht.

Danach können künftig bis zu fünf Prozent der Summe aus dem Förderprogramm Allgemeinmedizin in diese Zentren fließen. Es sei abwegig, wenn der MB behaupte, dadurch würden die ohnehin knappen Fördermittel geschmälert. Bisher seien die zur Verfügung stehenden Fördermittel zu keinem Zeitpunkt auch nur annähernd ausgeschöpft worden, so die DEGAM. „Genau dieses Problem kann jedoch nur durch eine Verbesserung der Attraktivität und Qualität der ambulanten Weiterbildung gelöst werden.“

Marburger Bund sieht Kassenärztliche Vereinigungen in der Pflicht
Der Marburger Bund hatte gestern in Berlin seine Vorstellungen zur Finanzierung der ambulanten Weiterbildung dargestellt. Bei der Gelegenheit hatte MB-Vorstand Hans-Albert Gehle kritisiert, die Niederlande taugten nicht als Vorbild für Deutschland. Dort seien die Weiterbildungsstellen kontingentiert und außerdem schlechter bezahlt als hierzulande. Einer Stiftungslösung zur Finanzierung der ambulanten Weiterbildung, wie sie die KBV vorschlägt, erteilte Gehle eine klare Absage.

Ärzte in Weiterbildung seien keine Auszubildenden, sondern ärztlich tätig und müssten ihre Leistungen entsprechend abrechnen können. Zurzeit sei es aber so, dass die Praxen ihren Leistungsumfang nicht derart ausweiten dürften, dass sich die Anstellung eines Weiterzubildenden refinanziere. Die KVen seien aufgerufen, dieses Problem zu lösen. Mit dem Muster-Anstellungsvertrag will der MB eine rechtssichere Lösung für die Ärzte in der ambulanten Weiterbildung schaffen. Dort sei es bislang nicht gelungen, einen Tarifvertrag auszuhandeln, weil es keine tariffähige Arbeitgeberorganisation gebe. 

© HK/aerzteblatt.de

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