Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Meta-Analyse sieht Transfette, nicht aber gesättigte Fettsäuren als Herz-Kreis­lauf-Risiko

Mittwoch, 12. August 2015

Transfette kommen in Fritierfetten vor /dpa

Hamilton – Eine neue Meta-Analyse hält den Verzehr von gesättigten Fettsäuren für unbedenklich. Industriell erzeugte trans-Fettsäuren gehen der Publikation im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2015; 351: h3978) zufolge dagegen mit einem erhöhten Risiko von Herzerkrankungen, Schlaganfällen oder einem Typ 2-Diabetes einher.

Anlass für die neue Untersuchung war eine im letzten Jahr von Wissenschaftlern der University of Cambridge veröffentlichte Meta-Analyse. Rajiv Chowdhury und Mitarbeiter waren in den Annals of Internal Medicine (2014; 160: 398-406) zu dem Ergebnis gelangt, dass der Verzehr von gesättigten Fettsäuren, anders als bislang angenommen, nicht das Risiko auf eine koronare Herzkrankheit erhöht.

Dies war ein überraschender Befund, da die meisten Ernährungswissenschaftler vor einem hohen Konsum von gesättigten Fettsäuren warnen, die vor allem in tierischen Produkten wie Butter, Kuhmilch, Fleisch, Lachs und Eigelb, sowie in einigen pflanzlichen Produkten wie Schokolade und Palmöl enthalten sind. Die Bevölkerung sollte ihren Empfehlungen zufolge nicht mehr als 10 Prozent der täglichen Kalorien in Form von gesättigten Fettsäuren aufnehmen.

Andere Studien haben im letzten Jahrzehnt den Verzehr von Transfetten mit einem erhöhen Herz-Kreislauf-Risiko in Verbindung gebracht. In den USA, aber auch in Dänemark hat dies bereits zu gesetzlichen Restriktionen geführt. Transfette gehören zu den ungesättigten Fetten. Sie werden hauptsächlich industriell aus Pflanzenölen hergestellt: In einer Hydrierung werden die Fette gehärtet.

Transfette werden häufig für industriell produzierte Nahrungsmittel wie Snacks und Backwaren benutzt und als Frittierfett angeboten. Transfette können jedoch auch in geringerer Menge in Fleisch- und Milchprodukten enthalten sein, da es in den Mägen von Wiederkäuern zu einer Umwandlung ungesättigter Fettsäuren in Transfette kommen kann.

Russell de Souza von der Michael G. DeGroote School of Medicine in Hamilton/Ontario und Mitarbeiter haben jetzt erneut die Daten aus insgesamt 73 Publikationen ausgewertet. Sie konnten dabei die Ergebnisse von Chowdhury bestätigen. Auch die kanadischen Forscher kommen zu dem Schluss, dass gesättigte Fettsäuren nicht mit einem Anstieg der Gesamtmortalität (relatives Risiko RR 0,99, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,91-1,09), der Herz-Kreislauf-Sterblichkeit (RR 0,97: 0,84-1,12), der Gesamtzahl von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (RR 1,06: 0,95-1,17), ischämischen Schlaganfällen (RR 1,02, 0,90-1,15) oder einem Typ 2-Diabetes (0,95: 0,88-1,03) assoziiert sind.

Ganz anders sehen die Ergebnisse zu den Transfetten aus: Ihr vermehrter Konsum erhöhte die Gesamtsterblichkeit um 34 Prozent (RR 1,34; 1,16-1,56), die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit um 28 Prozent (RR 1,28; 1,09-1,50) und die Gesamtzahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 21 Prozent (RR 1,21; 1,10-1,33). Die Assoziationen zum ischämischen Schlaganfall (RR 1,07: 0,88-1,28) und zum Typ 2-Diabetes (RR 1,10; 0,95-1,27) waren dagegen nicht signifikant.

Die Risiken waren laut den Berechnungen von Souza auf industriell hergestellte Transfette beschränkt. Für die in den Mägen von Wiederkäuern entstandenen „natürlichen“ Transfette wurde kein erhöhtes Risiko gefunden. Die in den Mägen der Wiederkäuer entstehende trans-Palmitoleinsäure war sogar invers mit dem Typ 2-Diabetes assoziiert (RR 0,58: 0,46-0,74). Ihr Verzehr könnte demnach eine Schutzwirkung entfalten.

Ob die Ergebnisse jedoch die Wirklichkeit korrekt widerspiegeln, ist nicht sicher. Die Forscher haben ihre Ergebnisse nach den GRADE-Kriterien bewertet. Die Qualität der Assoziationen zwischen gesättigten Fettsäuren und allen Endpunkten wurde als „sehr gering“ eingestuft. Bei den Trans-Fettsäuren wurde die Qualität bei den Herz-Kreislauf-Endpunkten als „mäßig“ eingestuft. Alle anderen Assoziationen waren ebenfalls „sehr niedrig“ beziehungsweise „niedrig“.

Hinzu kommt, dass die Berechnungen zumeist auf den Ergebnissen von prospektiven Beobachtungsstudien beruhen, die eine Kausalität nicht belegen können. Die Debatte um die richtige Zusammensetzung dürfte deshalb weiter anhalten. Gewiss erscheint nur, dass ein „zu viel“ in jedem Fall schadet. Die Adipositas ist ein etablierter Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ 2-Diabetes und auch für einige Krebser­krankungen. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

docyilmaz
am Dienstag, 18. August 2015, 15:48

grosse Fragezeichen

bedenklich!!!
wer hat denn diese meta-Analyse finanziert? Mc Donalds?
Widerstand
am Donnerstag, 13. August 2015, 16:26

gefährlich, ungefährlich, tödlich, lebenschaffend...

Was bitte soll der Mensch den "Wissen" -schaftlern eigentlich noch glauben. Also ich habe meinen Speiseplan nach meinem Infarkt nicht geändert. Habe Statine, Betablocker, ASS und Blutduckmittel ausgeschlichen und nehme Strophantin, Petersilienwein, Magnesium mit Calzium und Zink und meine Laborwerte sind im Idealbereich (Stand 10.08.2015).
Meine Erkenntnis aus der Wissenschaft: "Beim Mediziner nicht Amen sagen sonder nach dem warum fragen, recherchieren und sich dann entscheiden Selbstverantwortung zu übernehmen.

Nachrichten zum Thema

11.09.17
Chronikerprogramm zur koronaren Herzerkrankung kann erweitert werden
Köln – Das Disease-Management-Programm (DMP) zur koronaren Herzerkrankung (KHK) deckt die wichtigen Versorgungsaspekte weitgehend ab, könnte aber verbessert werden. Zu diesem Ergebnis kommt das......
06.09.17
Studie sieht genetische Verbindungen zwischen Typ-2-Diabetes und koronarer Herzkrankheit
Philadelphia – Die meisten Varianten im Erbgut, die das Risiko auf einen Typ-2-Diabetes erhöhen, waren in einer neuen genomweiten Assoziationsstudie auch mit einem erhöhten Risiko auf eine koronare......
05.09.17
Krankenhäuser behandeln jährlich 1,67 Millionen Herzpatienten
Berlin – Jährlich werden in Deutschland rund 1,67 Millionen Menschen wegen einer Herzkrankheit in eine Klinik eingeliefert, davon allein fast 220.000 wegen eines Herzinfarkts. Das geht aus dem neuen......
24.08.17
Rheumatische Herzkrankheit: Drei Viertel aller Todesfälle in nur fünf Ländern
Seattle – Bakteriell ausgelöste rheumatische Herzkrankheiten nehmen in den letzten 25 Jahren weltweit immer weiter ab. Jedoch profitieren nicht alle Länder gleichermaßen vom medizinischen Fortschritt.......
18.08.17
Koronare Bypasschirurgie: „Off-Pump“ mit schlechteren Langzeitergebnissen
Northport/New Jersey – Das technisch und organisatorisch anspruchsvolle „Off-Pump“-Verfahren der koronaren Bypass-Operation, das durch den Verzicht auf eine Herz-Lungen-Maschine schonender für den......
15.08.17
Koronare Herzkrankheit: Auch „gesunde Dicke“ haben (leicht) erhöhtes Risiko
London – Menschen, bei denen trotz Übergewicht oder Fettleibigkeit Blutdruck, Blutzucker und Blutfette normal sind, haben laut einer neuen Analyse der EPIC-Studie ein erhöhtes Risiko auf einen......
03.08.17
Studie: Pneumonie und Sepsis erhöhen Risiko von Herz-Kreislauf-Erkran­kungen
Örebro/Schweden – Erwachsene entwickeln im Anschluss an eine Sepsis oder an eine schwere Pneumonie häufiger eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Das Risiko war in einer Kohortenstudie im European Journal......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige