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Medizin

Studie: Frühe Operation des Mitralklappenprolaps vorteilhaft

Mittwoch, 12. August 2015

Rochester – Die meisten Patienten mit Mitralklappenprolaps werden niemals symptomatisch. Ein Abwarten bis zum Auftreten von symptomatischen Erkrankungen kann laut einer Kohortenstudie im Journal of Thoracic and Cardiovascular Surgery (2015; 150: 50-58) jedoch das Komplikations- und Sterberisiko erhöhen.

Die Fachgesellschaften raten Patienten mit Mitralklappenprolaps derzeit zu einer abwartenden Haltung, da der Eingriff mit einer wenn auch geringen perioperativen Sterblichkeit verbunden ist. Diese Vorsicht gründet sich nach Auskunft von Maurice Enriquez-Sarano von der Mayo Clinic in Rochester auf Erfahrungen aus der Zeit, als eine Insuffizienz der Mitralklappe grundsätzlich zum Austausch durch eine künstliche Klappe oder eine Bioklappe geführt hat. Im Fall der Implantation einer künstlichen Klappe mussten die Patienten lebenslang marcumarisiert werden.

Heute entfallen die meisten Operationen auf eine Reparatur. Im Zeitraum zwischen 1990 und 2000, den Enriquez-Sarano ausgewertet hat, lag der Anteil der Reparaturen an der Mayo Clinic bei 88 Prozent. Nach diesen Operationen (wie auch nach der Implantation einer Bioklappe) ist keine Marcumarisierung notwendig. Die Risiken für die Patienten sind deshalb geringer.

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Dennoch waren 794 von 1.512 Patienten (davon 89 Prozent mit der Indikation Mitralklappenprolaps) erst operiert worden, als bereits ein sogenannter Klasse I-Trigger erreicht war. Bei diesen Patienten war es zu Symptomen einer Herzinsuffizienz gekommen, die systolische Auswurffraktion der linken Herzkammer war auf unter 60 Prozent abgefallen und der end-systolische Durchmesser auf 40 mm oder darüber gestiegen. Von diesen Patienten starben 1,1 Prozent nach der Operation. Die 15-Jahres-Überlebensrate der Patienten betrug 42 Prozent. 

Eine zweite Gruppe von Patienten war aufgrund von Klasse II-Triggern operiert worden. Bei ihnen war es zu Vorhofflimmern oder einer pulmonalen Hypertonie gekommen. Keiner der 195 Patienten starb nach der Operation. Die 15-Jahres-Überlebensrate betrug 53 Prozent.

Eine dritte Gruppe von 523 Patienten hatte sich allein aufgrund einer schweren Insuffizienz der Mitralklappe zur Operation entschieden. Folgekrankheiten waren noch nicht aufgetreten. Auch in dieser Gruppe kam es zu keinem postoperativen Todesfall. Die 15-Jahres-Überlebensrate betrug 70 Prozent. 

Die erhöhte postoperative Sterblichkeit der Patienten mit Klasse I- und Klasse II—Triggern wurde laut Enriquez-Sarano auch in einer adjustierten Analyse gefunden, die Alter und andere Patienteneigenschaften berücksichtigte. Hinzu kam noch ein erhöhtes Risiko der Patienten, nach der Operation eine Herzinsuffizienz zu entwickeln. Sie wurde in der Nachbeobachtungszeit bei 302 Patienten beobachtet und nach den Berech­nungen von Enriquez-Sarano hatten Patienten mit Klasse I—Triggern ein 2,49-fach erhöhtes Risiko gegenüber den Patienten, die sich frühzeitig operieren ließen. Bei den Patienten mit Klasse II—Triggern war das Risiko noch um den Faktor 1,89 erhöht.

Enriquez-Sarano rät den Patienten deshalb zu einer frühzeitigen Operation. Bevor diese Empfehlung in die Leitlinien aufgenommen werden, sollten jedoch die Erfahrungen anderer Kliniken eingeholt werden, meint der Editorialist Donald Glower vom Duke University Medical Center in Durham in North Carolina. Welche Wahl für die Patienten am besten ist, dürfte auch von der postoperativen Mortalität abhängen. Diese lag an der Mayo Clinic mit insgesamt 1,1 Prozent unter dem erwarteten Wert von 2,5 Prozent.

© rme/aerzteblatt.de

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