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Medizin

Internet und soziale Medien nicht pauschal für Heranwachsende ablehnen

Donnerstag, 13. August 2015

dpa

London – In eine Diskussion um das Für und Wider von sozialen Medien, Online-Spielen und Internetgebrauch bei Heranwachsenden in England haben sich jetzt auch Wissenschaftler des University College London und der Universität Oxford eingeschaltet. Die Diskussion brauche „less shock und more substance“ schreiben Vaughan Bell, Dorothy Bishop und Andrew Przybylski in einem Editorial im British Medical Journal (doi: 10.1136/bmj.h3064).

Sie beziehen sich dabei auf Behauptungen der Internetkritikerin Susan Greenfield vom Lincoln College Oxford. Ihre in der Laienpresse breit diskutierte Auffassung, eine intensive Verwendung digitaler Medien bei Heranwachsenden schade derer Hirnent­wicklung sei wissenschaftlich nicht untermauert, kritisieren die BMJ-Autoren. „Die Behauptungen Greenfields verwechseln häufig Korrelation mit Kausalität, gewichteten anekdotenhafte Ereignisse und schlechte Studien übermäßig und führen Eltern und die gesamte Öffentlichkeit auf diese Weise in die Irre“, so die Autoren.

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Bell, Bishop und Przybylski greifen verschiedene Behauptungen Greenfields auf und kommentieren sie: Diese behauptet zum Beispiel, soziale Netzwerke könnten das soziale Verhalten der Jugendlichen negativ beeinflussen. „Das Gros der Forschung unterstützt diese Einschätzung nicht“, so die BMJ-Autoren. Untersuchungen mit Erwachsenen hätten vielmehr gezeigt, dass die sozialen Medien bestehende Freundschaften und die Qualität von Beziehungen sogar steigern könnten.

Greenfield behaupte weiterhin, die digitalen Medien könnten ein Trigger für autistische Störungen sein. „Diese Behauptung hat in der wissenschaftlichen Evidenz keinerlei Grundlage. Sie ist in Anbetracht der neurophysiologischen Grundlagen des Autismus sogar völlig unplausibel“, so der Kommentar der drei.

Eine weitere Behauptung der Internetkritiker sei, dass intensives Computerspielen die Aufmerksamkeitsspanne bei den Jugendlichen verringere und Aggressionen verstärke. Auch hierin sehen die BMJ-Autoren eine unzulässige Vereinfachung.

Bell, Bishop und Przybylski sind allerdings keine unkritischen Verfechter digitaler Medien für Kinder und Heranwachsende. Pauschalierende Verurteilungen wie die Greenfields seien aber eher geeignet, ernst zu nehmende Fragen und Befürchtungen zu über­schatten.

So sei zu fragen, ob nicht weniger die neuen Technologien als vielmehr eine Vernachlässigung zum Beispiel von genügend Bewegung eine wichtige Ursache vieler Gesundheitsprobleme im Kindes- und Jugendalter sei. „Wir müssen anerkennen dass das Internet und die digitalen Techniken durchaus auch Vorteile haben und müssen diese den realen Risiken gegenüberstellen“, fordern die Autoren. Diese Diskussion sei wichtig, allerdings brauche es dazu akkurater und fundierter Studienergebnisse. 

© hil/aerzteblatt.de

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