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Medizin

Kein erhöhtes Endo­phthalmitis-Risiko durch Beva­cizumab-Injektionen

Donnerstag, 13. August 2015

dpa

Philadelphia – Die Angst, dass die Verwendung des Krebsmedikaments Bevacizumab (Avastin) zur Behandlung von Augenerkrankungen zu einem Anstieg von schweren Infektionen führt, ist nach der Studie in JAMA Ophthalmology (Online) unbegründet. Nach der Injektion von Ranibizumab (Lucentis) wurden sogar tendenziell mehr Endophthalmitis-Fälle registriert.

Bei der feuchten Makuladegeneration, dem Makulaödem oder auch einem zentralen Venenverschluss kommt es zu einer pathologischen Bildung von Blutgefäßen in der Retina, die die Sehfähigkeit herabsetzen. Die Angiogenesehemmer Bevacizumab und Ranibizumab, die einen endothelialen Wachstumsfaktor hemmen, können dies verhindern. Dazu müssen die beiden Mittel jedoch in den Augapfel injiziert werden. Diese intravitrealen Injektionen sind mit einem Infektionsrisiko verbunden, das bei einer entsprechenden Hygiene sehr gering ist, aber niemals ganz ausgeschlossen werden kann.

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Lucentis wird vom Hersteller in Durchstechflaschen oder als Fertigspritze in den passenden Dosierungen angeboten. Bei Avastin, das für die Behandlung von Krebserkrankungen in einer deutlich höheren Dosis angeboten wird, müssten die Ärzte zunächst einen Apotheker bitten, den Inhalt einer Durchstechflasche auf mehrere Dosierungen aufzuteilen. Diese Aufteilung führt zu erheblichen Einsparungen. Die Medikamentenkosten pro Behandlung sinken (in den USA) von 2.000 auf etwa 59 US-Dollar.

Für spezialisierte Apotheken ist das Aufteilen kein Problem, und Kontaminationen sind sehr selten, aber nicht völlig auszuschließen. In den USA haben sich sogenannte Compounding Pharmacies auf die Zubereitung von individuellen Arzneimitteln spezialisiert. Dort ist es 2011 tatsächlich zu Kontaminationen gekommen.

In den Medien hat dies für Aufsehen gesorgt. Patienten sahen sich mit Schlagzeilen konfrontiert, in denen vor einer Erblindung gewarnt wurde. Um ein genaues Bild von der Gefährdung zu gewinnen, hat Brian VanderBeek von der Perelman School of Medicine in Philadelphia die Abrechnungsdaten von 58.612 Patienten untersucht, die insgesamt 530.382 intravitreale Injektionen erhalten hatten.

Bei 49 von 296.565 Injektionen mit Avastin und 22 von 87.245 Injektionen mit Lucentis kam es zu einer Endophthalmitis. 

Dies ergibt eine Komplikationsrate von 0,017 Prozent für Avastin (1 Fall auf 6.061 Injektionen) und von 0,025 Prozent für Lucentis (1 Fall auf 3.968 Injektionen). Nach Berücksichtigung von Alter, ethnischer Herkunft, Geschlecht, injektionsbezogener Diagnose und Jahr der Injektion errechnet VanderBeek eine Odds Ratio von 0,66, also ein um 34 Prozent vermindertes Risiko einer Infektion bei Verwendung von Avastin gegenüber Lucentis. Die Assoziation war jedoch nicht signifikant. Das 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,39 bis 1,09 zeigt an, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Avastin häufiger zu einer Endophthalmitis führt, jedoch sehr gering ist.

Für die Mehrheit der US-Augenärzte, die aus Kostengründen auf Avastin zurückgreift (296.565 gegenüber 87.245 in diesem Datensatz), ist dies eine gute Nachricht. Die US-Ärzte haben in der Vergangenheit dem Druck des Herstellers standgehalten, der – beispielsweise durch ein Lieferstopp an Compounding Pharmacies – verhindern wollte, dass die Augenärzte Avastin einsetzen. Derzeit droht diese Option erneut verlegt zu werden.

Die US-Arzneibehörde FDA will verfügen, dass Medikamente innerhalb von fünf Tagen nach der Aufteilung verwendet werden müssen. Dann bliebe nach Auskunft von VanderBeek nicht einmal mehr Zeit, die Sterilität der aufgeteilten Dosierungen zu prüfen.

© rme/aerzteblatt.de

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