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Medizin

Typ 2-Diabetes: Erhöhtes Troponin bei stabiler Herzerkrankung ohne therapeutische Konsequenzen

Montag, 17. August 2015

Herzmuskelzellen in einer Laborkultur (undatiertes Handout,). Das blaue sind die Zellkerne, rot markiert ist das Troponin T /dpa

Boston – Eine leichte Troponin-Erhöhung in einem „high sensitive“-Assay, ein häufiger Befund bei Patienten mit stabiler Herzerkrankung, war in einer Studie im New England Journal of Medicine (2015; 373: 610-620) mit einem erhöhten Risiko von späteren Herz-Kreislauf-Erkrankungen der Typ 2-Diabetiker verbunden. Eine Revaskulasierung durch eine Operation oder eine Katheterbehandlung hatte jedoch keinen Einfluss auf die Prognose.

Das Troponin T, ein Enzym aus Herzmuskelzellen, das bei einer kardialen Ischämie in größerer Menge ins Blut geschwemmt wird, ist häufig auch bei Patienten erhöht, die keine Herzinfarktbeschwerden haben. Unter den Teilnehmern der BARI 2D-Studie, die den Nutzen einer Revaskularisierung bei Typ 2-Diabetikern mit koronarer Herzkrankheit untersuchte, hatte nicht weniger als 40 Prozent einen Troponin-Wert über dem Schwellenwert von 14 ng/l. 

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27,1 Prozent dieser Patienten starben in den folgenden fünf Jahren an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder erlitten einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Bei den anderen 60 Prozent der Teilnehmer ohne eine erhöhte Troponin-Konzentration trat dieser Composite-Endpunkt nur zu 12,9 Prozent auf. Brendan Everett vom Brigham and Women’s Hospital in Boston und Mitarbeiter errechneten nach Berücksichtigung anderer Ursachen eine Hazard Ratio von 1,85, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,48 bis 2,32 signifikant war. Ein erhöhtes Troponin T war damit ein unabhängiger Risikofaktor für ein kardiovaskuläres Ereignis. 

In der BARI 2D-Studie war bei der Hälfte der Teilnehmer eine koronare Revasku­larisation – entweder durch Implantation eines Stents oder durch eine aortokoronare Bypass-Operation – durchgeführt worden. Die vor sechs Jahren publizierten Ergebnisse der randomisierten klinischen Studie hatten gezeigt, dass die Revaskularisierung die Prognose der Patienten nicht verbessert (NEJM 2009; 360: 2503-2515). Die Behandlung wird derzeit für Diabetiker mit einer stabilen koronaren Herzkrankheit von den Leitlinien nicht empfohlen.

Die aktuelle Nachbeobachtung zeigt nun, dass auch Patienten mit erhöhten Troponin-Konzentrationen keinen Vorteil durch die Revaskularisierung erzielen. Die Aussagekraft der sekundären Analyse einer randomisierten klinischen Studie ist zwar beschränkt. Da es aber keine anderen Belege für einen klinischen Nutzen gibt, rät Everett davon ab, eine Revaskularisierung bei Typ 2-Diabetikern mit stabiler Herzerkrankung nur deshalb durchzuführen, weil der Troponin-Spiegel erhöht ist. © rme/aerzteblatt.de

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