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Medizin

Amyotropher Lateralsklerose: Ruheenergiebedarf vor Krankheitsausbruch erhöht

Dienstag, 18. August 2015

Utrecht – Patienten mit amyotropher Lateralsklerose (ALS) ernähren sich vor Ausbruch der Erkrankung häufig sehr fetthaltig, haben aber dennoch einen niedrigen Body-Mass-Index (BMI). Dies zeigen die Ergebnisse einer Fall-Kontroll-Studie in JAMA Neurology (2015; doi:10.1001/jamaneurol.2015.1584), die damit die Vermutung bestärkt, nach der die Erkrankung Folge einer gestörten Energieversorgung in den Nervenzellen ist. 

Die ALS ist die häufigste degenerative Erkrankung der Motoneurone (mit einer Inzidenz von 1-3 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner pro Jahr gleichwohl insgesamt selten). Die Ursachen für den Untergang der motorischen Nervenzellen, die eine Atrophie der von ihnen versorgten Muskulatur zur Folge hat, sind nicht bekannt. Frühere Untersuchungen haben die Erkrankung jedoch mit dem Ausfall des Gens SOD1 in Verbindung gebracht. Mäuse, denen dieses Gen fehlt, erkranken an einer ALS. Das SOD1-Gen kodiert eine Superoxiddismutase, die Zellen vor einer Beschädigung durch freie Radikale schützt. Das Enzym wird vor allem in den Mitochondrien gebildet, wo es bei der Sauerstoffverbrennung häufig zu freien Radikalen kommt.

Da auch Nahrungsmittel die Bildung von freien Radikalen beeinflussen und einige Vitamine als „Radikalenfänger“ agieren, haben Jan Veldink von der Universität Utrecht und Mitarbeiter den Einfluss der Ernährung auf die Erkrankung in einer Fall-Kontroll-Studie untersucht. Sie umfasste ingesamt 674 Patienten, die in den Jahren 2006 bis 2011 in den Niederlanden an einer ALS erkrankten.

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Alle füllten einen ausführlichen Ernährungsfragebogen (mit 199 Nahrungsmitteln) aus. Der Vergleich mit den Angaben von 2.093 gesunden Kontrollen ergab, dass sich die Patienten vor Ausbruch der Erkrankung besonders kalorienreich ernährt hatten. Sie nahmen durchschnittlich 2.258 Kilokalorien zu sich gegenüber 2.119 Kilokalorien in der Kontrollgruppe. Dennoch war ihr Körpergewicht etwas geringer. Der Body-Mass-Index betrug 25,7 gegenüber 26,0 in der Kontrollgruppe.

Die vermehrte Energiezufuhr war vor allem auf den höheren Verzehr von Fetten zurückzuführen. Gleichzeitig konsumierten die Patienten weniger Alkohol. Veldink deutet den erhöhten Ruheenergiebedarf als Folge der krankheitsbedingten Störung der Mitochondrien-Funktion. Der Grund für den etwas geringeren Alkoholkonsum bleibt offen.

Veldink weist darauf hin, dass die Angaben zur Ernährung in Studien immer ungenau sind, auch wenn wie in der Studie geschehen ein umfangreicher Fragebogen verwendet wurde. Die Patienten wurden allerdings zu Ernährungsgewohnheiten befragt, die bereits Jahre zurücklagen. Klinische Konsequenzen ergeben sich aus der Studie für die Therapie nicht. Ein Einfluss der Ernährung auf den Verlauf der Erkrankung ist nicht belegt. © rme/aerzteblatt.de

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