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Roland Berger: Auswirkungen der Qualitätsoffensive im Krankenhaus sind offen

Dienstag, 18. August 2015

dpa

Berlin –  Die Unternehmensberatung Roland Berger schlägt in einer heute veröffent­lichten Studie Maßnahmen vor, mit denen die geplante qualitätsorientierte Vergütung an Krankenhäusern in das deutsche Gesundheitssystem eingeführt werden könnte. Viele der Vorschläge sind allerdings bereits im Entwurf des Krankenhaus-Strukturgesetzes (KHSG) enthalten, zum Beispiel die Identifikation einzelner Leistungsbereiche, in denen die Ergebnisqualität stationär erbrachter Leistungen erhoben werden soll. Auch der Vorschlag, die Ergebnisqualität risikoadjustiert zu messen, ist im KHSG vorgesehen.  

Neu ist hingegen die Forderung nach einer bundesweiten, krankenkassen­über­greifenden Datenbank, in der die Sozialdaten aller Versicherten zur Risiko­adjustierung der Ergebnisqualität zusammengeführt werden sollen. Zudem fordern die Autoren der Studie „Qualitätsorientierte Vergütung im Krankenhaussektor: Die richtigen Anreize schaffen – Qualitätsdefizite in der stationären Versorgung beheben“ die Einrichtung eines Internetportals, auf dem die Qualitätsdaten verständlich zusammengefasst werden. Als Vorbild könne dabei das britische Portal „NHS Choices“ dienen.

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„Heterogenität der Ergebnisqualität ist bedenklich“
Das KHSG, mit dem sich der Bundestag nach der Sommerpause beschäftigen wird, sieht unter anderem Zuschläge für Krankenhäuser vor, die eine überdurchschnittliche Ergebnisqualität liefern, sowie Abschläge für Krankenhäuser mit einer unterdurch­schnittlichen Qualität. Solche Anreize zu schaffen, halten die Autoren der Studie grundsätzlich für sinnvoll, da die „signifikante Heterogenität bei der Ergebnisqualität“ an deutschen Krankenhäusern derzeit „bedenklich“ sei.

Denn Daten des AQUA-Instituts und des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) belegten beispielsweise, dass die Mortalitätsrate nach einem Herzinfarkt bei dem besten Viertel der deutschen Krankenhäuser 13 Prozent betrage und beim schlechtesten Viertel 25 Prozent. Und die durchschnittliche Mortalitätsrate nach einer Gallenblasenentfernung liege bei 0,5 Prozent, in einem Krankenhaus jedoch bei acht Prozent. Gründe für diese Heterogenität seien fehlende Qualitätstransparenz, fehlende Anreize für eine Qualitätsverbesserung und eine fehlende Qualitätskontrolle.

Eigenmotivation der Mitarbeiter kann bei qualitätsorientierter Vergütung sinken
Die Autoren weisen darauf hin, dass es zwar internationale Erfolgsbeispiele bei qualitäts­orientierten Vergütungssystemen gebe, dass Erfahrungen aus dem Ausland aber nicht eins zu eins auf das deutsche Gesundheitssystem übertragbar seien. Inso­fern seien die Auswirkungen einer qualitätsorientierten Vergütung in Deutschland offen. Finanzielle Anreize könnten sogar dazu führen, dass die intrinsische Motivation zur Erbringung guter Behandlungsqualität abnehme. Dies sei besonders dann zu erwarten, wenn Mitarbeiter eine hohe Eigenmotivation mitbrächten.

„In Deutschland wird die Behandlungsqualität bisher bei der Leistungsvergütung von Krankenhäusern nicht berücksichtigt, die Auswirkungen des neuen Systems sind daher nicht abschätzbar“, meint Peter Magunia, Leiter Healthcare Practice Deutschland bei Roland Berger und einer der Autoren der Studie. „Deshalb ist eine besonders sorgfältige Einführung inklusive engmaschiger Beobachtung der Auswirkungen zu empfehlen.“ Notwendig seien hierfür unter anderem neue, standardisierte Indikatoren zur Qualitätsmessung.

Auch Patientenzufriedenheit in die Qualitätsbewertung einfließen lassen
Bei der Auswahl der Qualitätsindikatoren schlagen die Autoren vor, sich an den German Inpatient Quality Indicators (G-IQI) sowie an den Indikatoren der Qualitätssicherung mit Routinedaten (QSR) zu orientieren, da diese Vorteile gegenüber anderen Qualitätsin­dikatoren im Bereich der Qualitätsmessung und der Vergleichbarkeit der Daten hätten. So erlaubten die QSR-Daten zum Beispiel die Nachverfolgung des Patienten und ermöglichten eine krankenhausübergreifende Qualitätsbewertung. In die Messung der Ergebnisqualität solle langfristig zudem auch die Patientenzufriedenheit mit einfließen, heißt es in der Studie. © fos/aerzteblatt.de

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