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Medizin

Studie: E-Zigaretten verführen Jugendliche zum Tabakrauchen

Mittwoch, 19. August 2015

dpa

Los Angeles – Elektrische oder E-Zigaretten, die als vermeintlich gesunde Alternative zu Tabakprodukten angeboten werden, entwickeln sich bei US-Jugendlichen immer mehr zur Einstiegsdroge für das Rauchen. In einer Langzeitstudie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2015; 314: 700-707) griffen Zehntklässler viermal häufiger zu den Verbrennungs­zigaretten, wenn sie als Neuntklässler bereits Erfahrungen mit E-Zigaretten gemacht hatten.

E-Zigaretten setzen das Nikotin durch Verdampfen aus einer Flüssigkeit frei. Dabei kommt es anders als beim Verbrennen von Tabak in Zigaretten nicht zur Bildung von zahllosen Schadstoffen, die für die Krebsentstehung und andere Erkrankungen verantwortlich sind. Die Hersteller von E-Zigaretten halten ihre Produkte deshalb für unschädlich und wehren sich gegen eine stärkere Reglementierung. Unbestritten ist allerdings, dass Nikotin die suchterregende Substanz in Tabak- und in E-Zigaretten ist. Auch E-Zigaretten machen vermutlich abhängig, und für viele Experten stellt sich die Frage, ob die Jugendlichen bei den E-Zigaretten bleiben oder später doch auf Tabak umsteigen.

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Adam Leventhal von der Keck School of Medicine in Los Angeles hat in einer Langzeituntersuchung 2.530 Schüler der neunten Klasse über ein Jahr begleitet. In diese Zeit fällt bei vielen Jugendlichen in den USA ein Schulwechsel, was erfahrungs­gemäß den Anteil der Raucher steigert. Dies war auch bei den Konsumenten von E-Zigaretten der Fall.

Der Anteil der Tabakraucher war in dieser Gruppe bereits Ende der neunten Klasse auf 31 Prozent gestiegen gegenüber 8 Prozent unter den Schülern, die zuvor keine Erfahrungen mit E-Zigaretten gemacht hatten. Zu Beginn der zehnten Klasse betrug das Verhältnis 25 gegenüber 9 Prozent. Dies ergibt nach den Berechnungen von Leventhal eine Odds Ratio von 4,27, an deren Signifikanz bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 3,19 bis 5,71 nicht zu zweifeln ist.

Die Erfahrungen mit der Drogen Nikotin, die Schüler mit den E-Zigaretten gemacht hatten, waren allerdings nicht der einzige Grund, warum viele später zur Verbrennungs­zigarette wechselten. Ein niedriges Ausbildungsniveau der Eltern, andere Raucher in der Peer-Gruppe („Klicke“), Impulsivität, Delinquenz und eine Erwartungshaltung waren in der Studie ebenfalls wichtige Auslöser, die Leventhal in seinen Berechnungen berück­sichtigen musste. Die Odds Ratio sank dadurch auf 2,73, war jedoch mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 2,00 bis 3,73 weiterhin signifikant. Dies könnte bedeuten, dass Konsumenten von E-Zigaretten später deutlich häufiger als andere Jugendliche zur Tabakzigarette greifen.

Die Ergebnisse der Studie könnten den Aufsichtsbehörden wichtige Argumente für eine verstärkte gesetzliche Reglementierung von E-Zigaretten liefern. Für Nora Volkow, die Direktorin des US-National Institute on Drug Abuse, das die Studie gesponsert hat, sind die Ergebnisse ein Grund, trotz eines Rückgangs der Raucherquote bei Teenagern wachsam zu bleiben. Eltern und Jugendliche müssten wissen, dass E-Zigaretten nicht ungefährlich sind. Auch wenn sie möglicherweise nicht die gleiche krebserregende Wirkung wie normale Zigaretten hätten, blieben sie doch suchterregend. © rme/aerzteblatt.de

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