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Netzwerk ProBeweis in Niedersachsen dokumentiert Gewaltspuren

Mittwoch, 19. August 2015

dpa

Hannover – Jede dritte Frau in Deutschland erlebt Schätzungen zufolge mindestens einmal im Leben häusliche Gewalt, die Täter sind meistens der eigene Ehe- oder Lebenspartner. Für eine aussichtsreiche Strafverfolgung ist es wichtig, so schnell wie möglich die Beweise für die Gewalttat zu sichern. Das leistet das Netzwerk ProBeweis in Niedersachsen. „Es dokumentiert gerichtssicher Gewaltspuren, damit die Opfer in einer ohnehin sehr belastenden Situation nicht auch noch sofort eine Anzeige erstatten müssen“, erläuterte Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD).

Opfer häuslicher oder sexueller Gewalt sind häufig so stark traumatisiert, dass sie erst Monate oder Jahre später Anzeige erstatten. Eine spätere strafrechtliche Verfolgung scheitert dann oft daran, dass Aussage gegen Aussage steht und keine verwertbaren Spuren mehr zur Verfügung stehen. Mit ProBeweis ist die frühzeitige anonymisierte Dokumentation von Beweisen möglich, um auch noch Jahre später eine Anzeige zu erstatten.

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Das Allgemeine Krankenhaus Celle ist jetzt dem Netzwerk ProBeweis beigetreten. Damit sind inzwischen 19 Standorte in 16 niedersächsischen Städten im Netzwerk aktiv. Die rechtsmedizinische Abteilung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) koor­diniert das Netzwerk. Die Ergebnisse der Untersuchung unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht und werden nur auf ausdrücklichen Wunsch des Opfers weitergegeben, zum Beispiel im Falle einer späteren Strafanzeige.

Folgende Städte sind im Netzwerk vertreten: Aurich, Braunschweig (zwei Standorte), Celle, Göttingen, Hannover (zwei Standorte), Lüneburg, Meppen, Northeim, Oldenburg (zwei Standorte), Osnabrück, Papenburg, Stade, Uelzen, Vechta, Verden und Wolfsburg.

In der Pilotphase des Projekts von 2012 bis 2014 standen jährlich Landesmittel in Höhe von 270.000 Euro bereit. Für eine dreijährige Verlängerung des Projektes bis 2017 wurden Landesmittel in derselben Höhe im Haushalt eingestellt. Die AOK Niedersachsen beteiligt sich ab diesem Jahr ebenfalls und unterstützt das Projekt jährlich mit 40.000 Euro. Insgesamt wurden 276 Fälle registriert, davon 35 Fälle in diesem Jahr.

© hil/aerzteblatt.de

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