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Studierende fordern mehr Praxisnähe während des Medizinstudiums

Donnerstag, 20. August 2015

dpa

Berlin – Der Hartmannbund fordert eine größere praktische Ausrichtung des Medizin­studiums. Das geht aus einem Positionspapier des Verbandes hervor, das auf einer Umfrage unter den Medizinstudierenden im Hartmannbund beruht. Anlässlich der von der Bundesregierung angekündigten Reform des Medizinstudiums fordern die Studierenden eine Neustrukturierung des Zugangs zum Medizinstudium sowie eine stärker auf Praxisnähe ausgelegte Umgestaltung des Lehrplans.

Das heutige Auswahlverfahren der Bewerber halten sie für nicht zeitgemäß. „Die Medizinstudierenden im Hartmannbund sehen im heutigen Auswahlverfahren Defizite, denn nicht jeder Abiturbeste ist am Ende seines Medizinstudiums auch ein guter Arzt. Und nicht jeder Abiturbeste lässt sich zum Mediziner ausbilden, um am Ende auch als praktisch tätiger Arzt zu arbeiten“, heißt es in dem Positionspapier. „Deshalb sollten das Persönlichkeitsprofil des Bewerbers und auch einschlägige Berufsausbildungen sowie soziales Engagement im Auswahlverfahren eine stärkere Berücksichtigung finden.“ Von einer Quote zur Sicherstellung der primärärztlichen Versorgung solle zudem Abstand genommen werden.

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Abiturnote bei der Vergabe der Studienplätze nur zu einem Drittel gewichten
Konkret fordern die Studierenden im Hartmannbund, dass jeweils zu einem Drittel die Abiturnote gewichtet wird, die Ergebnisse eines schriftlichen Standardtests zu den kognitiven Fähigkeiten und naturwissenschaftlichen Kenntnissen der Bewerber und die Ergebnisse eines standardisierten Assessmentverfahrens.

Studienplätze an Bewerber zu geben, die sich vor ihrem Studium verpflichten, später als Landärzte zu arbeiten, halten die Teilnehmer der Umfrage für falsch. „Die Studierenden können vor ihrem Studium nicht einschätzen, welche Fachrichtung sie später einschlagen wollen und ob sie sich tatsächlich eine Tätigkeit zum Beispiel als Landarzt vorstellen können“, heißt es.

Studierende wollen einen früheren Kontakt mit dem Patienten
Stattdessen wünschen sich die Studierenden der Umfrage zufolge einen früheren Kontakt mit den Patienten während des Studiums. „Auch wenn viele Universitäten durch ihre Modellstudiengänge Theorie und Praxis bereits besser verzahnen als in den herkömmlichen Studiengängen und die Modell-Studierenden sehr viel früher und intensiver Kontakt zu den Patienten haben, ist das Medizinstudium in seiner Gesamtheit noch immer zu stark verschult und zu theoretisch. Es gibt zu viele Frontalver­anstaltungen, zu viel Auswendiglernen und zu wenig praxisbezogenen Unterricht“, schreibt der Hartmannbund.

Angelehnt an die Modellstudiengänge solle der Praxisbezug und der persönliche Patientenkontakt studienbegleitend möglich sein und es mehr Kleinunterricht, mehr interaktive Lehre, mehr fallorientiertes Arbeiten und noch mehr Wahlmöglichkeiten geben. Es sei sehr viel motivierender, wenn man nicht erst vier Semester lang einzelne Fächer besuche, sondern von Beginn an den Arztberuf ganz konkret am Klinikbett und in den Behandlungsräumen erlerne – anhand von Organfunktionen und Krankheiten.

Gemeinsame Lehrveranstaltungen mit Pflegekräften
In diesem Zusammenhang kann sich über die Hälfte der befragten Studierenden der Umfrage zufolge vorstellen, mit Auszubildenden in der Pflege oder dem Rettungsdienst­personal gemeinsame Lehrveranstaltungen zu besuchen. Der ärztliche Nachwuchs habe es gelernt, im Team zu lernen und zu arbeiten und scheine offen zu sein für eine interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Pflegekräften, Physiotherapeuten, Logopäden, und Rettungsdienstpersonal, heißt es in dem Positionspapier.  

An der Umfrage nahmen nach Angaben des Verbandes 7.500 der insgesamt 25.000 Medizinstudierenden teil, die Mitglied des Hartmannbundes sind.

© fos/aerzteblatt.de

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