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Medizin

„Basket Study“: BRAF-Inhibitor Vemurafenib wirkt bei vielen Krebsarten

Freitag, 21. August 2015

New York – Die Beobachtung, dass Mutationen im BRAF-Gen nicht nur beim malignen Melanom auftreten, veranlasst Tumorzentren weltweit dazu, den BRAF-Inhibitor Vemurafenib auch bei anderen Krebserkrankungen einzusetzen. Im New England Journal of Medicine (2015; 373: 726-736) fassen 23 Zentren ihre Behandlungs­ergebnisse an 122 Patienten zusammen, die an mehr als einem Dutzend unterschied­licher Tumore erkrankt waren.

Die Einführung zielgerichteter Medikamente, die gegen Treiber-Mutationen im Tumor gerichtet sind, und die Ergebnisse von Genom-Analysen verwischen zunehmend die bisherigen Grenzen zwischen Krebserkrankungen. Die traditionelle Klassifikation basiert auf dem Entstehungsort und dem histologischen Erscheinungsbild der Tumore.

Die Ergebnisse des International Cancer Genome Consortium and des Cancer Genome Atlas (TCGA) zeigen jedoch, dass Mutationen, die das Krebswachstum antreiben, selten auf eine Krebsform beschränkt sind. Einige Medikamente mit „genetischen“ Angriffs­punkten wie Imatinib werden bereits für mehrere Krebserkrankungen eingesetzt. Bis zur Zulassung einer neuen Indikation vergehen allerdings in der Regel Jahre. 

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Für Wirkstoffe wie Vemurafenib ist dies keine Perspektive. Der Kinasehemmer blockiert das Onkogen BRAF. Seit 2012 ist er zur Behandlung des metastasierten Melanoms zugelassen, sofern der Tumor BRAF exprimiert. Die Genom-Analysen haben BRAF jedoch auch beim Kolorektalkarzinom, beim nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom, dem papillären Schilddrüsenkarzinom, bei diffusen Gliomen, beim Cholangiokarzinom, bei der Haarzell-Leukämie, dem Multiplen Myelom, der Histiozytose X und der Erdheim-Chester-Erkrankung nachgewiesen. 

Eine traditionelle klinische Prüfung in jeder einzelnen dieser Indikationen würde Jahrzehnte in Anspruch nehmen und hohe Kosten verursachen, und die notwendigen Studien wären bei seltenen Erkrankungen nur schwer zu organisieren. Als Alternative schlagen Experten sogenannte „Basket-Studies“ vor, bei denen Patienten mit verschiedenartigen Krebserkrankungen in einen „Korb“ geworfen werden.

Die weltweit erste Studie dieser Art (die sich ausdrücklich Basket Study nennt) hat ein Forscherteam um José Baselga vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York jetzt durchgeführt. Sie fasst die Ergebnisse aus weltweit 36 Zentren (aus Deutschland: Essen, Köln, Mannheim) zur Behandlung mit Vemurafenib an 122 Patienten zusammen, die an 16 unterschiedlichen Krebserkrankungen litten. Gemeinsamer Nenner war das Versagen früherer Therapien und der Nachweis einer BRAF V600-Mutation.

Der primäre Endpunkt der Phase 2-Studie war die Ansprechrate. Sekundäre Endpunkte waren das progressionsfreie und Gesamtüberleben. Die Ergebnisse waren sehr unterschiedlich, in einigen Fällen aber beachtlich. Beim nicht-kleinzelligen Bronchial­karzinom sprachen 42 Prozent der Patienten auf die Therapie an. Die mittlere Überlebenszeit betrug 7,3 Monate. Ein Patient blieb 17,4 Monate ohne Tumorrückfall. Bei der Erdheim-Chester-Erkrankung und der Histiozytose X betrug die Remissionsrate 43 Prozent. Die Patienten werden seit median 5,9 Monaten behandelt und bei keinem Patienten kam es während dieser Zeit zu einem Rezidiv. Vereinzelte Remissionen wurden auch bei Patienten mit pleomorphem Xanthoastrozytom, anaplastischem Schild­drüsenkrebs, Cholangiokarzinom, Speicheldrüsen-Krebs, Eierstockkrebs, beim Klarzell-Sarkom und bei einigen Patienten mit kolorektalem Karzinom erzielt.

Die Vielzahl der Krebsentitäten, bei denen Vemurafenib wirksam sein könnte, zeigt, dass die bisherige Klassifikation unter dem Dach der Präzisions-Medikamente ihre Bedeutung verlieren. Wohin die Reise geht, zeigt eine Initiative des Memorial Sloan Kettering Cancer Center. Dort wurde im Mai letzten Jahres ein Zentrum für molekulare Onkologie gegrün­det. Dort werden umfassende Gewebeproben von Krebs-Patienten gleich auf 410 Krebsgene getestet. Laut Baselga, dem Chief Medical Officer des Memorial Sloan Kettering Cancer Center, wurden bereits tausende von Gewebeproben analysiert. © rme/aerzteblatt.de

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