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Studie: Berichterstattung zu Enke-Suizid sensibilisiert Deutsche für Depression

Freitag, 21. August 2015

Leipzig – Die Berichterstattung über den Suizid des Nationaltorhüters Robert Enke hat das Stigma gegenüber der Erkrankung Depression positiv beeinflusst. Das ist das Ergebnis eines internationalen Forschungsprojektes zur Aufklärung über Depression und Suizidprävention. Demnach sind die Deutschen seitdem eher bereit, bei Depression professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Ziel des Projektes war es, die Wirkung einer lokalen Aufklärungskampagne in Leipzig im Vergleich zu einer Kontrollregion ohne Kampagne in Magdeburg zu untersuchen. Vor (Juni 2009) und nach der Kampagne (November/Dezember 2010) wurden telefonisch je 1.000 Personen zu ihrer Einstellung und ihrem Hilfesuchverhalten bei Depression befragt.

Da zwischen diesen beiden Untersuchungszeitpunkten der Suizid von Robert Enke lag, erhielten die Forscher die unerwartete Gelegenheit, Effekte der Medien­berichterstattung zu analysieren. „Wir konnten große Verbesserungen in Wissen und Haltung bezüglich Depression, nicht nur in Leipzig, sondern auch in der Kontrollregion Magdeburg feststellen.“ erklärte Projektleiter Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Leipzig.

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So hielten 2009 30 Prozent der Befragten in Leipzig und 20 Prozent der Befragten in Magdeburg die Depression für ein Zeichen persönlicher Schwäche. 2010 glaubten dies nur noch 10 Prozent. Zudem glaubten 2009 30 Prozent der Befragten in beiden Städten, Menschen mit Depression seien gefährlich, 2010 waren es nur noch 10 Prozent. „Es ist davon auszugehen, dass dies durch die Medienberichterstattung zum Suizid von Robert Enke bewirkt worden ist“, verwies Hegerl.

Doch trotz der Erfolge in der Aufklärung über Depression nehmen sich der Stiftung zufolge pro Tag in Deutschland immer noch fast 30 Menschen das Leben. Die Ursache sei in den allermeisten Fällen eine unzureichend behandelte Depression. Dieser Fakt finde in der öffentlichen Diskussion und bei Entscheidungsträgern aus dem Gesund­heits­system kaum Beachtung.

Nur Einzelfälle wie die Selbsttötung Robert Enkes im Jahr 2009 oder der Germanwings-Absturz 2015 rückten das Thema schlaglichtartig in den öffentlichen Fokus. „Die Bericht­erstattung zum Germanwings-Absturz könnte das Stigma gegenüber der Depression in der Zwischenzeit sogar wieder verstärkt haben“, so Hegerl.

Viele depressiv Erkrankte seien durch die öffentlich diskutierte Aufweichung der ärztlichen Schweigepflicht mit Meldepflicht für Depressionen bei bestimmten Berufsgruppen oder die Frage nach Berufsverboten verunsichert worden. Hegerl: „Ich befürchte, dass sich dadurch wieder weniger Betroffene trauen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Für die Stiftung Deutsche Depressionshilfe heißt das, dass dringend weitere Aufklärungsarbeit nötig ist.“ © hil/aerzteblatt.de

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