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Politik

Familiärer Brust- und Eierstockkrebs: Mehr Anlaufstellen für Diagnostik und Beratung

Freitag, 21. August 2015

Berlin - Immer mehr Frauen, die fürchten, an erblich bedingtem Brust- und Eierstock­krebs zu erkranken, lassen einen Gentest vornehmen. Dazu haben nach Ansicht des Verbands der Ersatzkassen (vdek) öffentliche Statements von betroffenen Prominenten wie Angelina Jolie beigetragen. Von 2013 bis 2014 seien die Fallzahlen an 13 gen­diagnostischen Beratungszentren – sogenannten Konsortialzentren –, mit denen die Ersatzkassen bislang Verträge abgeschlossen haben, um etwa das Doppelte ange­stiegen, und zwar von rund 1.700 auf etwa 3.100 Fälle.

Dieses Angebot wird jetzt ausgeweitet. Demnächst werden Ratsuchenden bundesweit 17 Konsortialzentren zur Verfügung stehen. Sie wollen intensiver als bisher mit ausge­wählten zertifizierten Brustzentren und gynäkologischen Krebszentren an Kliniken kooperieren. Durch diese Kooperationen sollen Aufklärung, Anfangsdiagnostik und Beratung auf qualitativ hohem Niveau vereinheitlicht werden. Dafür haben die Zentren einen Integrationsvertrag mit dem vdek geschlossen.

Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des vdek, erklärte: „Wir wollen, dass die Ersatz­kassen­versicherten von modernen gendiagnostischen Verfahren profitieren. Aber Beratung und Gentestung sollte nicht dem Zufall überlassen werden, sondern dort stattfinden, wo das ärztliche Know-how gebündelt ist und hohe Qualitätsstandards gelten.“

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Kommerzielle Gentests kritisch hinterfragen
Rita Schmutzler, Direktorin des Zentrums Familiärer Brust- und Eierstockkrebs am Universitätsklinikum Köln, forderte von der Ärzteschaft ein verantwortungsvolles und patientenorientiertes Verhalten: „Kommerzielle Gentests müssen kritisch hinterfragt werden, denn sie bergen die Gefahr der unkritischen Anwendung und Interpretation ohne erkennbaren klinischen Nutzen und sogar zum Schaden der Betroffenen. Wir sind den behandelnden Ärzten daher eine bessere Wissensvermittlung neuester Forschungs­ergebnisse auf dem Gebiet der Gendiagnostik schuldig, die in der Folge eine engere interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht, um die Versorgung der betroffenen Frauen zu verbessern.“

Spezialisiertes Ärzteteam für die Diagnostik
Andreas du Bois, Direktor der Klinik für Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie der Kliniken Essen-Mitte, ging auf die Bedeutung der diagnostischen Verfahren im Bereich der Therapie ein. „Erstmalig steht mit dem Medikament LynparzaR ein zielgerichtetes Medikament zur individualisierten Behandlung beim Rezidiv von Eierstockkrebs zur Verfügung. Wirksam und von Nutzen ist das Medikament bei Patientengruppen, deren Tumore bestimmte Genveränderungen aufweisen. Daher sollten die Therapie­entscheidungen bei einer so komplexen Therapie nur nach qualitätsgesicherter Diagnostik und in einem spezialisierten Ärzteteam fallen.“

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 70.000 Frauen und 700 Männer an Brustkrebs. Die Zahl der an Eierstockkrebs neu erkrankten Frauen liegt bei 8.000 pro Jahr. Bei fünf bis zehn Prozent der Betroffenen ist ein angeborener Erbgutdefekt – zum Beispiel durch Mutation der Gene BRCA1/2 – die Ursache für den Ausbruch der Krankheit.

Mittlerweile vermutet man, dass etwa bis zu einem Viertel der Brust- und Eierstock­krebserkrankungen auf genetische Faktoren zurückzuführen ist. Dank neuer Test­verfahren kann das Risiko für eine genetisch bedingte Erkrankung heute frühzeitig erkannt werden. Durch die Neuzulassung des Medikaments LynparzaR zur Behandlung von Rezidiven beim Eierstockkrebs kommt auch hier den gendiagnostischen Verfahren eine besondere Bedeutung zu. © EB/aerzteblatt.de

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