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Medizin

MERS: Neuer Impfstoff schützt Makaken und Kamele

Freitag, 21. August 2015

dpa

Philadelphia – Ein synthetischer DNA-Impfstoff hat in einer experimentellen Studie in Science Translational Medicine (2015; 7: 301ra132) Makaken zuverlässig vor einer Infektion mit dem MERS-Coronavirus geschützt. Bei Dromedaren wurde ebenfalls eine protektive Immunantwort erzielt. Wie dringlich eine Vakzine ist, zeigt sich, einen Monat vor dem jährlichen Hadj, an einem Anstieg der Erkrankungszahlen in Saudi-Arabien.

Während es den koreanischen Behörden schließlich gelungen ist, einen Ausbruch des Middle East Respiratory Syndrome (MERS) nach 185 Erkrankungen und 36 Todesfällen zu stoppen, hat sich das Coronavirus (CoV) offenbar in Saudi-Arabien erneut ausge­breitet.

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Das „King Abdulaziz Medical City“, eine der größten Kliniken des Landes, musste eine Station schließen, nachdem das Virus sich offenbar von Krankenzimmer zu Kranken­zimmer ausbreitete. Innerhalb einer Woche wurden aus Saudi-Arabien 46 Neuer­krankungen gemeldet. Einen Monat vor der alljährlichen Pilgerfahrt, die Mitte September beginnt, müssen sich die Behörden ernsthaft Sorgen machen, dass das Virus auf den einen oder anderen der mehr als zwei Millionen Pilger überspringt und damit ins Ausland getragen wird. Seit der Entdeckung des Virus im September 2012 ist dies immer wieder vorgekommen. Insgesamt 198 der insgesamt 1.449 Erkrankungen traten im Ausland auf und fast immer war Saudi-Arabien das Ursprungsland.

Dort ist das Virus inzwischen endemisch. Den Behörden ist es nicht gelungen, die sporadisch auftretenden Erkrankungen zu verhindern und im Fall einer Erkrankung die Ausbreitung in den Kliniken zu stoppen. Da es keine kausale Therapie gibt, ruhen die Hoffnungen derzeit auf der Entwicklung eines Impfstoffes. Ein solcher Impfstoff sollte gleichzeitig das Reservoir vermindern und Menschen vor einer Infektion schützen.

Die von der Firma Inovio Pharmaceuticals in Philadelphia zusammen mit Wissen­schaftlern der dortigen Universität entwickelte synthetische DNA-Vakzine könnte diesen Ansprüchen gerecht werden. Der Impfstoff besteht aus einem Plasmid, das die genetische Information für das S-Glykoprotein enthält, aus dem die Hülle des MERS-CoV aufgebaut ist. Um einen Wirkungsverlust durch eine Mutation des Virus zu vermeiden, entschieden sich die Forscher für eine „Consensus“-Sequenz, die bei den meisten bisher gefundenen Erregern vorhanden war. Nach einer intramuskulären Injektion der DNA-Vakzine beginnen körpereigene Zellen mit der Produktion des S-Glykoproteins, das dann eine Immunreaktion auslöst.

Nach ersten Experimenten an Mäusen wurden schließlich drei Dromedare behandelt. Der Impfstoff wurde intramuskulär verabreicht, wobei die Aufnahme der Gene in die Zellen durch elektrische Spannungsimpulse (Elektroporation) verstärkt wurde. Nach drei Impfungen im Abstand von jeweils vier Wochen konnte das Team um David Weiner von der Universität von Pennsylvania zunächst das S-Glykoprotein und schließlich auch neutralisierende Antikörper gegen das S-Glykoprotein im Blut der Tiere nachweisen.

Ob die Kamele vor einer Infektion geschützt sind, wurde bei den großen Tieren nicht untersucht. Doch weitere Experimente an Makaken zeigten, dass die Tiere nach drei Impfungen vollständig geschützt sind. Bei keinem der acht Tiere kam es nach einer späteren Ansteckung mit dem MERS-CoV zu einer ernsthaften Erkrankung, während alle vier Tiere der Kontrollgruppe eine schwere Lungenentzündung entwickelten. Die Forscher hoffen, dass der Impfstoff auch Menschen vor einer MERS-CoV-Infektion schützen könnte. Eine klinische Studie wurde jedoch bisher nicht durchgeführt. © rme/aerzteblatt.de

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