Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Prognosekriterien für Leberzellkrebs entdeckt

Dienstag, 25. August 2015

Lebertumorzelle mit den tumorbekämpfenden Immunzellen IL 33 und CD8+. /UKR

Regensburg – Der Nachweis des Zytokins IL-33 und von CD8+-T-Zellen in Gewebe­proben des hepatozellulären Karzinoms zeigen eine starke Immunreaktion auf den Krebs an, die laut einer Studie in Hepatology (2015; 61: 1957-1967) eine Abschätzung der Überlebenszeit ermöglicht.

Interleukin 33 (IL-33) gehört zu den Botenstoffen des Immunsystems. Ihm werden einerseits entzündungs- und wachstumsfördernde Eigenschaften bei Tumoren zugeschrieben. Andererseits soll IL-33 zytotoxische CD8+-T-Zellen alarmieren, die in der Lage sind, Tumorzellen abzutöten. Dies brachte ein Team um Stefan Fichtner-Feigl vom Universitätsklinikum Regensburg auf die Idee, den prognostischen Wert der beiden Marker zu untersuchen.

Die Forscher untersuchten das Tumor- und Lebergewebe von 119 Patienten, deren Leberzellkrebs in den Jahren 2004 bis 2011 operativ entfernt wurde. Der Nachweis von IL-33 und CD8+-T-Zellen erfolgte immunhistologisch und die Quantifizierung mittels einer Durchflusszytometrie. Darauf aufbauend entwickelten die Wissenschaftler ein Punktesystem, mit dem sie die Patienten in immunologische Risikogruppen einteilten. Ein Punkt wird dabei jeweils für eine hohe Konzentration von CD8+-T-Zellen oder IL-33 im Tumorgewebe oder tumornahen Lebergewebe gegeben. 

Patienten mit zwei Punkten wiesen eine signifikant längere Überlebenszeit auf als Patienten mit einem oder keinem Punkt. Patienten mit zwei Punkten wurden dementsprechend als Patientengruppe mit niedrigem Risiko, an Leberzellkrebs zu sterben, klassifiziert – jene mit einem Punkt als mittlere und jene mit null Punkten als hohe Risikogruppe.

Weitere Untersuchungen ergaben, dass sich die Risikogruppen auch hinsichtlich der Genexpression, also der in den Tumorzellen angerufenen Gene unterschieden. Die Niedrig-Risikogruppe wies im Gegensatz zur Hoch-Risikogruppe eine signifikant erhöhte Aktivität von Genen auf, die für Wachstum und Zellmigration zuständig sind. Gene, die für die Zellteilung oder die Vermeidung von Zelltod verantwortlich sind, waren dagegen inaktiv.

Die Forscher hoffen, dass die neue Einteilung der Patienten in Risikogruppen die Thera­pie und Nachsorge der Patienten verbessert. Patienten mit einem hohen Pro­gressions­risiko benötigen möglicherweise eine intensivere Therapie und Nachsorge als Patienten mit „relativ gutartigem“ Leberzellkarzinom. Laut Fichtner-Feigl steigen die Fallzahlen von Leberzellkrebs in Deutschland weiter an. Trotz intensiver Forschung und Entwicklung verschiedener Therapiemöglichkeiten weisen diese Tumorerkrankungen nach wie vor eine schlechte Prognose auf. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

28. Mai 2018
Bethesda/Maryland – Ein internationales Forscherteam hat eine überraschende Verbindung zwischen Darmbakterien und dem Krebswachstum in der Leber entdeckt. Nach den in Science (2018; 360: eaan5931)
Studie: Darmbakterien beeinflussen Tumorabwehr in der Leber
22. Dezember 2017
Hamburg – Erste Geräte sind in Klinken bereits im Einsatz, die sich in die Kategorie künstliche Intelligenz (KI) einordnen lassen. Dazu zählt ein KI-System, das die Radiotherapie von Lebertumoren
„Unter vielen ärztlichen Kollegen gibt es skeptische Stimmen und fehlendes Vertrauen“
26. Oktober 2017
Singapur – Aristolochiasäuren in chinesischen Heilkräutern, die trotz Verbots in vielen Ländern im Internet gehandelt werden, sind möglicherweise in Taiwan und anderen ostasiatischen Ländern eine
Aristolochiasäuren in Naturheilmitteln häufige Ursache von Leberkrebs in Asien
13. September 2017
Heidelberg/Zürich – Die hohe Regenerationsfähigkeit der Leber erhöht bei chronischen Entzündungen die Gefahr einer Krebsentstehung. Dabei spielt nach neuen Studienexperimenten in Cancer Cell (2017;
Wie Leberkrebs entsteht
4. August 2017
Köln – Die Lebertransplantation ist der Goldstandard für die Therapie des frühen hepatozellulären Karzinoms. Aufgrund des Spendermangels kann diese Option jedoch nur eingeschränkt angeboten werden.
Leberzellkarzinom: Resektion vor Transplantation einsetzen
2. Mai 2017
Silver Spring – Die US-Arzneibehörde FDA hat den Kinase-Inhibitor Regorafenib zur Zweitlinien-Behandlung des hepatozellulären Karzinoms (HCC) zugelassen. Es ist der erste neue Wirkstoff zur Behandlung
USA: Regorafenib bei Leberkrebs zugelassen
27. März 2017
Regensburg – Die Irreversible Elektroporation (IRE) eröffnet konservativ nicht mehr therapierbaren Leberkrebspatienten eine neue Option. Das Institut für Röntgendiagnostik des Universitätsklinikums
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige