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Medizin

Betablocker könnten Überleben bei Ovarialkarzinom verlängern

Mittwoch, 26. August 2015

Houston – Patientinnen mit einem Ovarialkarzinom, die aus anderen Gründen mit einem (nicht-selektiven) Betablocker behandelt wurden, haben möglicherweise eine verlängerte Überlebenszeit. Die Ergebnisse der retrospektiven Studie in Cancer (2015; doi: 10.1002/cncr.29392) werden derzeit in Therapiestudien überprüft.

Das Ovarialkarzinom, die zweithäufigste bösartige Erkrankung der weiblichen Geschlechts­­organe, wird mangels Früherkennung meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Die Therapieergebnisse haben sich seit der Einführung der Platinderivate vor 30 Jahren nicht wesentlich verbessert.

Ungewöhnliche Behandlungskonzepte haben deshalb gute Chancen, beachtet zu werden. Der Gynäkologe Anil Sood vom MD Anderson Cancer Center in Houston untersucht seit einiger Zeit die Wirkung von Hormonen auf das Ovarialkarzinom. Dabei entdeckte er, dass viele Tumorzellen Beta2-Rezeptoren haben. Sood stellte auch fest, dass das Stresshormon Adrenalin das Wachstum und die Ausbreitung der Krebszellen fördert.

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Zu den Substanzen, die Beta2-Rezeptoren blockieren, gehören seit den 1960er Jahren eine Reihe von Betablockern, die heute zur Behandlung der arteriellen Hypertonie oder nach einem Herzinfarkt verordnet werden. Der erste Schritt, den möglichen Nutzen der Betablocker zu untersuchen, bestand in einer Auswertung von alten Krankenakten. Sood hat die Daten von 1.425 Patientinnen analysiert, die zwischen 2000 und 2010 am MD Anderson Cancer Center behandelt worden waren. Insgesamt 269 von ihnen nahmen Betablocker ein, die meisten jedoch sogenannte kardioselektive Betablocker. Diese wirken primär auf Beta1-Rezeptoren des Herzens. Diese Betablocker sollten nach der Hypothese von Sood keine Wirkung beim Ovarialkarzinom erzielen.

Genau das zeigen auch die Ergebnisse der Analyse. Patientinnen, die mit nicht-selektiven Betablockern behandelt wurden, lebten nach der Diagnose im Durchschnitt noch 94,9 Monate. Bei den Patientinnen, die mit kardioselektiven Betablockern behandelt wurden, betrug die mediane Überlebenszeit dagegen nur 38 Monate. Sie war damit sogar etwas kürzer als bei Frauen, die keine Betablocker erhalten hatten.

Der Vorteil durch die Betablocker könnte noch größer sein, denn die Krebserkrankungen der Patientinnen, die Betablocker einnahmen, waren in einem späteren Stadium entdeckt worden. Die Patientinnen hatten außerdem einen höheren Body-Mass-Index und litten häufiger unter einer Hypertonie, zwei weiteren Risikofaktoren für ein aggressives Ovarialkarzinom. Dennoch hatten Patientinnen mit Bluthochdruck eine längere mediane Überlebenszeit, wenn sie mit einem nicht-selektiven statt mit einem kardioselektiven Betablocker behandelt wurden (90 Monate versus 38,2 Monate).

Die Ergebnisse einer retrospektiven Studie werden aufgrund zahlreicher Verzerrungen nicht als Grundlage für Therapieempfehlungen akzeptiert. Der nächste Schritt besteht jetzt in der Durchführung randomisierter klinischer Studien. Erste Untersuchungen dieser Art haben bereits begonnen. Am MD Anderson Center läuft eine Studie, die die Verträglichkeit von Propanolol mit einer gleichzeitigen Standard-Chemotherapie prüft (NCT01504126). © rme/aerzteblatt.de

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