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Medizin

Körperliche Aktivität oder Nahrungs­ergänzungsmittel können Demenz nicht aufhalten

Mittwoch, 26. August 2015

Winston-Salem/Bethesda – Trotz vielversprechender Assoziationen in epidemio­logischen Studien gibt es derzeit keinen Beweis, dass Sport oder gesunde Ernährung einer Demenz vorbeugen können. Im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA) wurden jetzt Negativ-Ergebnisse aus zwei Interventionsstudien vorgestellt.

Die Lifestyle Interventions and Independence for Elders (LIFE) hatte 1.635 Senioren im Alter von 70 bis 89 Jahren auf ein strukturiertes Programm zur Steigerung der körperlichen Aktivität oder eine Vergleichsgruppe randomisiert, die nur eine allgemeine Beratung zur gesunden Lebensführung erhielt. Das Bewegungstraining bestand aus Spaziergängen, einem Krafttraining und Dehnungsübungen. Das primäre Ziel der Studie war es, die Mobilität und damit Selbstständigkeit der Patienten im Alter zu erhalten. (Primärer Endpunkt war die Fähigkeit, 400 Meter zu Fuß gehen zu können).

Zu den sekundären Endpunkten gehörte die Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten während des 24-monatigen Trainings. In keinem der kognitiven Tests war jedoch ein Vorteil durch das Aktivitätstraining erkennbar, berichtet das Team um Kaycee Sink von der Wake Forest School of Medicine in Winston-Salem (JAMA 2015; 314: 781-790). Insgesamt 13,2 Prozent entwickelten während der Studie eine leichte kognitive Beeinträchtigung (MCI) oder eine Demenz. In der Vergleichsgruppe wurde diese Diagnose bei 12,1 Prozent gestellt. Sink errechnet eine Odds Ratio von 1,08, die bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,80 bis 1,46 das Signifikanzniveau klar verfehlte und auch im günstigsten Fall nur eine leichte Risikoverminderung bedeutet hätte. Die Ergebnisse schließen natürlich nicht aus, dass ein anderes früher einsetzendes oder länger andauerndes Aktivitätsprogramm eine Wirkung erzielt hätte. Der Beweis, das körperliche Bewegung einer Demenz vorbeugen kann, steht aber noch aus.

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Die zweite Studie ist eine sekundäre Auswertung der Age-Related Eye Disease Study 2 (AREDS2). Diese Studie hat seinerzeit untersucht, ob die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren (Eicosapentaensäure plus Docosahexaensäure) und/oder von Carotinoiden (Lutein plus Zeaxanthin) ältere Menschen vor der Entwicklung einer altersabhängigen Makuladegeneration schützen können.

Die meisten der im Mittel 73 Jahre alten Teilnehmer der Studie wurden über 5 Jahre auch kognitiv untersucht. Wie Emily Chew vom National Eye Institute in Bethesda und Mitarbeiter jetzt mitteilen (JAMA 2015; 314: 791-801), kam es in keiner der Interventionsgruppen gegenüber dem Placebo-Arm zu einer Verlangsamung des altersbedingten kognitiven Verfalls. Auch dies schließt natürlich nicht aus, dass eine gesunde Ernährung (statt der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln wie in AREDS2) eine präventive Wirkung erzielen könnte.

Ärzte sollten Patienten aller Altersgruppen deshalb weiter zu körperlicher Aktivität und einer ausgewogenen Ernährung raten, meint der Editorialist Sudeep Gill von der Queen's University in Kingston/Ontario. Er rät zu einer mediterranen Kost mit viel Nüssen und Olivenöl. Die spanische PREDIMED-Studi, die dieses Konzept prospektiv über einen längeren Zeitraum untersucht hat, beschrieb kürzlich in JAMA Internal Medicine (2015; 175: 1094-1103) Vorteile in einigen, aber längst nicht allen kognitiven Tests bei den median 67 Jahre alten Teilnehmern. Dass die Mittelmeerkost die Demenz aufhalten könnte, lässt sich aber aus den bisher veröffentlichten Daten nicht herauslesen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Samstag, 29. August 2015, 01:28

Schon sonderbar

im Leitartikel wird beschrieben, dass weder Ernährung noch Bewegung bei der Demenzprävention nützlich sind, und auf der gleichen Seite wird behauptet; Gesunde Ernährung schützt auch das Gehirn.
Was denn nun? Muss ich weiter meinen Senioren ein schlechtes Gewissen machen, die angeblich gesundes Essen nicht mögen und keine Lust auf Sport haben? Wieso wird an einer offensichtlich nutzlosen Empfehlung dennoch festgehalten?
LNS

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