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Medizin

Herz-Kreislauf-Sterb­lichkeit in Osteuropa deutlich höher

Mittwoch, 26. August 2015

dpa

Oxford – Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in allen Ländern Europas die häufigste Todesursache. Doch in einigen Ländern Osteuropas ist die kardiovaskuläre Mortalität bei Frauen viermal, bei Männern sogar fünfmal höher als in Westeuropa, wie eine Untersuchung im European Heart Journal (2015; doi: 10.1093/eurheartj/ehv428) ergab.

Obwohl die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit in vielen Ländern Europas gesunken ist, sterben noch immer 49 Prozent der Frauen und 40 Prozent der Männern an kardiovaskulären Erkrankungen. Es gibt jedoch beträchtliche Unterschiede, wie Nick Townsend vom Nuffield Department of Population Health in Oxford berichtet.

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In acht Ländern sterben pro Jahr weniger als 250 von 100.000 Frauen an Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen. Dies sind Frankreich, Israel, Spanien, Dänemark, die Niederlande, Norwegen, die Schweiz und Großbritannien. Sechs Länder haben dagegen eine Sterblichkeit von mehr als 1.000 pro 100.000 Frauen: Mazedonien, Ukraine, Moldawien, Kirgistan, Usbekistan und Turkmenistan. Die Daten aus den beiden letzten Ländern stammen allerdings aus 2005 und 1998.

Bei den Männern sind die Unterschiede noch größer. In drei Ländern (Israel, Frankreich und Spanien) liegt die kardiovaskuläre Sterberate unter 300 pro 100.000 Männern und Jahr. In der Ukraine und Turkmenistan sind es mehr als 1.500 pro 100.000 Männer und Jahr (obwohl es Zweifel an der Zuverlässigkeit der Zahlen für die beiden letztgenannten Länder gibt).

Die meisten Herz-Kreislauf-Todesfälle treten zwar im hohen Alter auf. Jährlich etwa 1,4 Millionen Europäer sterben vor dem 75. Lebensjahr und fast 700.000 sogar vor dem 65. Lebensjahr einen Herz-Kreislauf-Tod. Bei Frauen tritt er insgesamt etwas später ein: In der Altersgruppe unter 75 Jahren entfallen bei Frauen 36 Prozent und bei Männern 35 Prozent aller Todesfälle auf diese Kategorie. In der Altersgruppe unter 65 Jahren sind es bei Männern 30 Prozent, bei den Frauen aber nur 26 Prozent.

Bei den frühen Todesfällen gibt es erneut einen steilen Gradienten zwischen West- und Osteuropa: In der Schweiz, Norwegen, San Marino, Luxemburg, den Niederlanden, Israel und Frankreich sterben pro Jahr weniger als 80 von 100.000 Männern unter 75 Jahren an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, während es in Usbekistan, Weißrussland und Turkmenistan mehr als 650 pro 100.000 Männer sind. Bei Frauen unter 75 Jahren variiert die kardio­vaskuläre Mortalität von weniger als 35 pro 100.000 in Frankreich, der Schweiz, Spanien, Israel, Island und Norwegen bis zu 350 pro 100.000 in Tadschikistan, Usbekistan und Turkmenistan. Ähnliche Unterschiede wurden in den Sterberaten bei den unter 65-Jährigen gefunden.

Die hohe Herz-Kreislauf-Sterblichkeit wird nach Ansicht von Townsend gerade von Frauen häufig unterschätzt. Brustkrebs werde meistens als die größte Bedrohung wahrgenommen. Tatsächlich sterben 20 Prozent aller Frauen in Europa an den Folgen einer Koronaren Herzkrankheit, während der Anteil des Mammakarzinoms 2 Prozent beträgt. Natürlich sei es wichtig, das Bewusstsein der Frauen zur Früherkennung des Mammakarzinoms zu schärfen.

Die Risiken der koronaren Herzkrankheit dürfte dabei aber nicht unterschätzt werden. Townsend warnte davor, angesichts der günstigen Entwicklung – Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind vor allem in Westeuropa deutlich seltener geworden – nicht zu übersehen, dass zwei kardiovaskuläre Risikofaktoren auch in Westeuropa deutlich zugenommen haben: Adipositas und Typ 2-Diabetes könnten dazu führen, dass sich der Trend zu weniger Herz-Kreislauf-Todesfällen schon bald umkehre.

© rme/aerzteblatt.de

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