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Ärzteschaft

Nur zertifizierte Zentren sollten bei Schlaganfall thrombektomieren

Mittwoch, 26. August 2015

Berlin – Höchste Qualitätsstandards für die neue mechanische Thrombektomie (MTE) fordern Neurologen und Radiologen. „Wir müssen künftig dafür sorgen, dass auch die MTE flächendeckend und rund um die Uhr für Patienten zu Verfügung steht“, sagte Christoph Groden, Neuroradiologe und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR). Er betont jedoch, dass dies nicht zulasten der Qualität gehen dürfe. „Die mechanische Thrombektomie sollte nur in Kliniken mit zertifizierter Stroke Unit und von zertifizierten Neuroradiologen und Radiologen durchgeführt werden“, so Groden.

Wenn bei einem Schlaganfall ein Blutgerinnsel ein Gefäß im Gehirn blockiert, versuchen Ärzte zunächst, das Gerinnsel medikamentös aufzulösen. „Dieses als Thrombolyse bekannte Verfahren funktioniert bei etwa 12 bis 15 Prozent der Patienten gut. Bei sehr großen Blutpfropfen, in deren Folge Patienten schwere Behinderungen zurück behalten können, gelingt das Auflösen mit dem Enzym häufig jedoch nicht, da der Blutpfropfen zu groß ist“, erläutert Gerhard Hamann, erster Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG). Die MTE, bei der ein Neuroradiologe oder Radiologe das Gerinnsel mit einem Katheter aus dem verstopften Gefäß ziehe, habe sich in Studien als neue Behandlungsmethode bewährt.

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„Die Schlaganfallversorgung in Deutschland ist qualitativ sehr hoch“, erläutert Ralf Gold, erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Direktor der neurologischen Klinik am St. Josef Hospital in Bochum. Wichtig sei, dass die Patienten rechtzeitig in eine auf die Schlaganfallbehandlung spezialisierte Stroke Unit gelangten. Dafür stehe ein Netz von bundesweit derzeit 276 zertifizierten Stroke Units zu Verfü­gung. 107 von ihnen sind überregionale Zentren, die technisch und personell noch besser ausgestattet sind und die weiteren 159 regionalen Stroke Units bei der Behandlung unterstützen.

In Deutschland können derzeit alle zertifizierten überregionalen Stroke Units die MTE anbieten. „Die regionalen Stroke Units, die nicht 24 Stunden lang die MTE anbieten können, sollten mit den überregionalen Stroke Units kooperieren und entsprechende Regelungen treffen“, so Hamnan.

© hil/aerzteblatt.de

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