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Medizin

Hypertonie: Medikamentenpause kann kognitive Funktion von Senioren nicht verbessern

Donnerstag, 27. August 2015

dpa

Leiden - Die verbreitete Ansicht, nach der das Gehirn im hohen Alter einen höheren Blutdruck benötigt, um eine Durchblutung sicherzustellen, konnte in einer randomisierten Studie nicht bestätigt werden. Nach der Publikation in JAMA Internal Medicine (2015; doi: 10.1001/jamainternmed.2015.4103) brachte das Absetzen der Medikamente den Patienten mit leichten kognitiven Störungen (MCI) keine Vorteile. 

Die Notwendigkeit einer antihypertensiven Therapie im hohen Alter wird zunehmend infrage gestellt. Immerhin handelt es sich um eine präventive Behandlung, die einen in vielen Jahren drohenden Schlaganfall oder Herzinfarkt verhindern soll, den viele hochbetagte Senioren ohnehin nicht mehr erleben würden. Andererseits könnte eine medikamentöse Blutdrucksenkung die zerebrale Durchblutung vermindern, vor allem, wenn die Autoregulation im Gehirn, die bei jungen Menschen für einen konstanten Blutdruck sorgt, nicht mehr funktionieren sollte. Die Frage kann nur durch randomisierte Studien geklärt werden. Die „Discontinuation of Antihypertensive Treatment in Elderly People“ oder DANTE-Studie ist eine der ersten größeren Hypertonie-Studien, die die Auswirkungen eines Auslassversuchs untersucht hat.

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An der Studie nahmen 385 Hausarztpatienten mit einer arteriellen Hypertonie teil, bei denen zusätzlich eine MCI, aber keine Demenz (21 bis 27 Punkte im Mini-Mental-Status-Test) diagnostiziert worden war. Vorsichtshalber wurden nur Patienten eingeschlossen, bei denen noch keine kardiovaskulären Folgekrankheiten aufgetreten waren. Die Hälfte der Teilnehmer setzte über 16 Wochen die Hochdruckmedikamente (zwei Drittel hatten zwei oder mehr Wirkstoffe erhalten) ab. Die kognitiven Funktionen der Teilnehmer wurden mit einer Batterie von sechs Tests zu den exekutiven Funk­tionen, zum Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis und zur psychomotorischen Geschwin­digkeit durchgeführt. 

Wie Justine Moonen vom Leids Universitair Medisch Centrum berichtet, gab es in keinem Test Hinweise auf eine Verbesserung der kognitiven Leistungen. Auch die mentalen Symptome wie Apathie oder Depression, der allgemeine Funktionsstatus und die Lebensqualität veränderten sich nicht. Die Editorialistin Michelle Odden von der Oregon State University in Corvallis lobt die Studie als eine der ersten, die sich der vernachlässigten Frage widme, ob und unter welchen Umständen eine antihypertensive Therapie beendet werden kann. Bei einer Studiendauer von 16 Wochen wird sie allerdings kaum Einfluss auf die Leitlinie haben. Langzeituntersuchungen sind nach Ansicht von Autorin und Editorin notwendig. © rme/aerzteblatt.de

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