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Ärzteschaft

Ärztepräsident: Politik soll Hilfe für kranke Flüchtlinge regeln

Donnerstag, 27. August 2015

Berlin - Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, hat die Politik aufgefordert, eine bessere medizinische Versorgung der Flüchtlinge zu orga­nisieren. „Die Versorgung ist machbar, wenn sie auf viele Schultern verteilt wird. Die Behörden müssen das organisieren“, sagte Montgomery in Berlin. Zugleich betonte er die Bereitschaft der Ärzte, bei der Versorgung der Flüchtlinge mitzumachen. Es gehe dabei nicht nur um Amtsärzte, sondern auch um niedergelassene, pensionierte und Krankenhausärzte, die helfen könnten und sollten. Die Flüchtlinge müssten nach der Erstversorgung möglichst schnell in die Regelversorgung.

Erstversorgung findet zu spät statt
Zurzeit fänden weder die Erstversorgung noch die Tuberkulose-Untersuchung bei der Ankunft noch die Versorgung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz „zeitgerecht statt“, kritisierte Montgomery. Auch für Infektionskrankheiten, Mangelerkrankungen oder Verletzungen, die sich Flüchtlinge unterwegs zugezogen hätten, „ist angesichts der schieren Zahl im Moment keine ausreichende ärztliche Versorgung gewährleistet“.

Deutschland diskutiere immer wieder über die Ungleichbehandlung von Privat- und Kassenpatienten. „Und hier schaffen wir eine dritte Kategorie Asylbewerber-Patienten, die sogar schlechter behandelt werden als Kassenpatienten. Das kann nicht sein. Hier muss der Staat schnell handeln“, mahnte der BÄK-Präsident.

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Flüchtlinge schnell in feste Unterkünfte bringen
„Als allererstes muss man mit mobilen Ärzteteams in die Aufnahmelager.“ Und die müssten dann dort regelmäßige Sprechstunden anbieten. Aber: „Wir haben noch drei Monate Zeit, dann wird es so kalt, dass man Menschen nicht mehr in solchen Zeltlagern unterbringen kann“, sagte Montgomery. „Statt jetzt zu lamentieren und alle diese Lager zu besuchen, sollte man lieber ganz schnell diese Leute in feste Unterkünfte bringen.“

Die ärztliche Versorgung geschehe nicht nur aus reiner Nächstenliebe, sondern - bei Infektionserkrankungen - auch „zu unserem eigenen Schutz“, erklärte Montgomery. Viele dieser Menschen brächten multiresistente Tuberkulosen mit, die zum Teil erst in Deutschland ausbrächen. Durch häufig auf der Flucht abgebrochene medikamentöse Therapien bildeten sich Resistenzen. Deswegen müssten die Eingangsuntersuchungen schnell erfolgen.

Gefährlich ist vor allem die Tuberkulose. Die Gefahr, dass Ebola eingeschleppt wird, hält Montgomery für sehr gering. Die meisten Flüchtlinge kämen auch nicht aus Ebola-Gebieten, sondern aus Syrien und Albanien.

„Manche aber sind uns bestens bekannte Infektionskrankheiten: Tuberkulose und Krankheiten, die gerne dann auftreten, wenn Menschen unter besonders schlechten hygienischen Bedingungen leben müssen, also Läuse, Wanzen, Flöhe und Krätze.“ Das sei alles zu beherrschen, aber nicht unter den Lebensbedingungen der Flüchtlinge. © dpa/aerzteblatt.de

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