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Medizin

Multiples Myelom: Monoklonale Antikörper zeigen Wirkung

Freitag, 28. August 2015

Knochenmarkausstrich bei multiplem Myelom. Färbung nach May-Grünwald-Giemsa KGH/wikipedia

Amsterdam – Das Multiple Myelom, ein Tumor von Antikörper-bildenden B-Zellen, kann möglicherweise durch die Behandlung mit monoklonalen Antikörpern gestoppt werden. Nachdem Elotuzumab bereits die klinische Entwicklung durchlaufen hat, liegen jetzt erste Ergebnisse zu Daratumumab vor.

Das Multiple Myelom oder Plasmozytom, an dem in Deutschland jährlich etwa 6.000 Menschen erkranken, gehört zu den B-Zell-Lymphomen. Die Tumorzellen tragen auf ihrer Oberfläche eine Reihe von Rezeptoren, die als Angriffsziel für monoklonale Antikörper infrage kommen. Dazu gehört CD38, das von praktisch allen Tumorzellen in größerer Menge exprimiert wird. Der dänische Hersteller Genmab aus Kopenhagen hat einen monoklonalen Antikörper entwickelt, der an CD38 bindet und dadurch den Tod der Zellen herbeiführt.

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In einer ersten klinischen Studie wurden 72 Patienten mit Daratumumab behandelt, bei denen im Mittel vier frühere Therapien (darunter Proteasom-Inhibitoren, Immun­modulatoren oder auch eine Stammzelltherpie) gescheitert waren und für die es derzeit keine Behandlungsoptionen mehr gibt. Von den 42 Patienten, die mit Daratumumab in der höheren von zwei Dosierungen behandelt wurden, erzielten 15 Patienten, also mehr als jeder dritte, eine Remission, die bei zwei Patienten komplett war. Das mediane progressions-freie Überleben betrug 5,6 Monate (95-Prozent-Konfidenzintervall 4,2-8,1 Monate). Zwei Drittel der Patienten, die auf die Therapie ansprachen, waren auch nach 12 Monaten ohne erneuten Tumorprogress. Dieses Ergebnis war umso erfreulicher, als die Verträglichkeit von Daratumumab relativ gut war.

Laut Henk Lokhorst vom Medizinischen Zentrum der Freien Universität Amsterdam und Mitarbeitern waren die meisten Nebenwirkungen relativ mild. Am häufigsten kam es zu Abgeschlagenheit (Fatigue), einer allergischen Rhinitis und Fieber. Zu den schweren Komplikationen gehörten Pneumonie, Thrombozytopenie sowie Neutropenie, Leuko­penie, Anämie und eine Hyperglykämie.

Die Firma Jansen hat als Lizenznehmer mit fünf Phase-3-Studien begonnen, die den Weg für eine Zulassung bahnen sollen. Die US-Arzneibehörde FDA hat durch ein „Breakthrough Therapy Designation“ eine rasche Bearbeitung des Antrags zugesagt. 

Als erster monoklonaler Antikörper dürfte aber Elotuzumab vom Hersteller Bristol-Myers-Squibb eingeführt werden. Der Antikörper, der gegen das Merkmal SLAMF7 (Signaling Lymphocytic Activation Molecule Family Member 7) gerichtet ist, hat die Phase-3-Studien bereits abgeschlossen. Die ebenfalls im New England Journal of Medicine (2015; 373: 621-31) publizierten Ergebnisse zeigen, dass Elotuzumab das progressions­freie Überleben von 14,9 auf 19,4 Monate verlängert, wenn es zusammen mit einer Standardtherapie aus Lenalidomid plus Dexamethason eingesetzt wird.

Auch in dieser Studie bestanden die Nebenwirkungen vor allem in einer Lympho­zytopenie, Neutropenie und Müdigkeit mit dem Risiko einer Pneumonie. Die europäische Arzneimittel-Agentur EMA hat aufgrund der Ergebnisse ein beschleunigtes Zulassungs­verfahren zugesagt.

© rme/aerzteblatt.de

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